Psychopathen

von antimodernist2014

1. Der britische Psychologe Kevin Dutton, der ein Buch über „Psychopathen“ geschrieben hat, äußerte sich in einem Interview mit „Spiegel online“ vom 25.09.13 zu diesem Thema. Dabei charakterisiert er Psychopathen als „selbstsicher“, „furchtlos, charmant und gewissenlos“. Sie „schieben nichts auf, fokussieren sich aufs Positive, nehmen Dinge nicht persönlich und machen sich keine Vorwürfe, wenn etwas nicht geklappt hat“. Unter Druck bleiben sie gelassen, da sie „sich nicht mit einem möglichen Scheitern“ beschäftigen, sondern sich „immer nur auf die gewünschte Belohnung“ konzentrieren. „Dadurch werden sie automatisch selbstsicherer und überzeugender.“

Dank dieser Eigenschaften sind sie oft recht erfolgreich und gelangen nicht selten in führende Positionen. Ist ein Psychopath an die Spitze gelangt, so „dreht er auf und denkt, er kann das auch ungestraft tun“, und er dreht umso mehr „psychopathisch auf“, je höher er „auf der Karriereleiter steigt“. Ist ein Oberer „extrem selbstbewusst, rücksichtslos und narzisstisch“, dann sieht er die Probleme „immer nur bei den anderen“ und ist völlig davon überzeugt, daß „mit ihm alles in Ordnung ist“. „Psychopathen sind sehr gut darin, andere für ihre Probleme verantwortlich zu machen“, so der Psychologe.

Für die Zusammenarbeit mit Psychopathen gilt als wichtigste Regel, „sich nie verletzbar oder unsicher zu zeigen“, denn wenn „Psychopathen das merken, greifen sie dich an“. Um die eigenen Interessen gegen Psychopathen durchzusetzen, dürfe man „nie an ihre Großzügigkeit oder ihren guten Willen appellieren, sondern immer nur an ihre Selbstinteressen“.

Für den Umgang mit einem psychopathischen Chef gilt, daß man „besser gehen“ sollte, wenn er „ein destruktiver Psychopath ist, der die Moral ruiniert und die Produktivität reduziert“. Vor allem sei es wichtig, Psychopathen niemals zu decken, denn sie „versuchen immer, dich in Sachen reinzuziehen, die sie gut aussehen lassen“. „Lüge niemals für einen Psychopathen!“ lautet der oberste Grundsatz, denn sonst sei man „in seinem Spinnennetz gefangen“ und werde manipuliert und erpreßt.

2. Dem geschätzten Leser wird beim Lesen dieser Zeilen vielleicht bereits ein wenig aufgegangen sein, warum wir hier einen Psychologen mit seinen Aussagen über Psychopathen zitieren. Es ist eben leider so, daß die Grundsätze, die im weltlichen Bereich gelten, mehr und mehr auch auf die kirchlichen Verhältnisse übertragen werden. Die Kirche ist ja nicht von der Welt, aber sie ist in der Welt, und so schwappt die Welt immer wieder in sie hinein, zumal wenn der kirchliche Geist von Gebet und Wachsamkeit nachläßt. Das war immer schon so und ist es heute in besonderem Maße.

So verwundert es uns also nicht, daß wir die geschilderten Persönlichkeitsmerkmale heute oft genug meinen, nicht nur in der „Konzilskirche“ und dort besonders bei den führenden „Managern“ feststellen zu können, sondern auch in jenen geistlichen Gemeinschaften, welche sich der „Tradition“ zuordnen, namentlich bei deren „Spitzenpersonal“. Ja, es will uns scheinen, als habe Mr. Dutton bei seiner Beschreibung direkt den einen oder anderen von ihnen vor seinen Augen gehabt.

3. Vielleicht also täte es solchen einmal gut, sich selbst im „Spiegel“ anzuschauen. Denn sicher wollte der Heiland Seine Schäflein nicht irgendwelchen Psychopathen anvertrauen, sondern verantwortungsbewußten, liebevollen, treusorgenden Hirten.

Vor allem aber sollten sich auch die unter psychopathischen Oberen stehenden oder vielmehr leidenden Untergebenen überlegen, ob sie nicht „besser gehen“ sollten, zumal wenn sie erkennen, wie sehr durch diese Oberen „die Moral ruiniert und die Produktivität reduziert“ wird, statt diese weiter zu decken und sich so in deren Sumpf immer tiefer hineinziehen zu lassen und in ihrem „Spinnennetz“ immer mehr zu verfangen.

Psychopathen leben gewissermaßen von ihrem Umfeld. Haben sie niemanden mehr, den sie manipulieren und erpressen können, so gehen sie ein wie ein Fisch im Trockenen. Somit ist ihre Umgebung mit verantwortlich für ihre Taten.

4. Überaus ernst klingen die Mahnungen, die Gott der Herr an Seine Hirten ergehen läßt:

„Darum spricht der Herr, der Gott Israels, also über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie vertrieben, und habt nicht nach ihnen gesehen; siehe, ich werde die Bosheit eurer Handlungen an euch heimsuchen, spricht der Herr“ (Jer. 23,2).
„Heulet, ihr Hirten, und schreiet! und wälzet euch in der Asche, ihr Herrlichen der Herde! denn eure Tage sind erfüllt, um geschlachtet zu werden; und ich zerstreue euch, daß ihr hinfallen werdet wie ein kostbares Gefäß“ (Jer. 25,34).
„Mein Zorn ist wider die Hirten entbrannt, und die Böcke werde ich heimsuchen; denn der Herr der Heerscharen wird seiner Herde, des Hauses Juda, sich annehmen und sie machen wie sein Prachtroß im Streite“ (Zach. 10,3).
„Denn die Hirten sind dumm geworden und haben den Herrn nicht gesucht; darum haben sie nicht verständig gehandelt, und ihre ganze Herde hat sich zerstreut“ (Jer. 10,21).
„Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht der Herr, dein Gott: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?“ (Ez. 34,2).
„So spricht der Herr, dein Gott: Siehe, ich will an die Hirten, und ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern und machen, daß sie aufhören, die Schafe zu weiden, damit die Hirten nicht mehr sich selbst weiden; und ich werde meine Schafe von ihrem Munde erretten, daß sie ihnen nicht mehr zur Speise seien“ (Ez. 34,10).
„Wehe den Hirten, welche die Schafe meiner Weide zu Grunde richten und zerstreuen! spricht der Herr“ (Jer. 23,1).

An einem Psychopathen freilich, der ja überzeugt ist, daß „mit ihm alles in Ordnung ist“, werden alle diese Mahnung abprallen wie Gummi an einer Panzerhaut und abperlen wie Wasser am Entengefieder.