Zum Fest der Erscheinungen Unserer Lieben Frau von Lourdes

von antimodernist2014

1. Bei ihren Erscheinungen in Lourdes im Jahr 1858 stellt die allerseligste Jungfrau eine deutliche Verbindung her zwischen den beiden großen Dogmen des 19. Jahrhunderts, die beide nicht zufällig demselben Papst Pius IX. zu verdanken sind, der nicht nur ein großer Verehrer der Muttergottes war, sondern auch ein großer Kämpfer gegen die Zeitirrtümer wie den Naturalismus, Rationalismus und Liberalismus. Indem sich die Jungfrau als die „Unbefleckte Empfängnis“ offenbart, bestätigt sie nicht nur das Dogma von 1854 (das sich heuer zum 160. mal jährt), sondern damit indirekt auch gleichzeitig das unfehlbare Lehramt des Papstes, welches 1870 als feierliches Dogma verkündet werden wird. Auch greift sie durch ihr Erscheinen und die unzähligen Wundertaten kräftig in den Kampf des Heiligen Vaters gegen die Zeitirrtümer ein. Doch sehen wir noch ein wenig näher den Zusammenhang zwischen dem Dogma von der Unbefleckten Empfängnis und dem Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes.

2. In seinem Buch über die heilige Kirche schreibt der französische Benediktiner, Pfarrer und Schriftsteller Père Emmanuel (1826-1903): „Ist Maria das Urbild der Kirche überhaupt, so ist sie in besonderer Weise das Urbild der römischen Kirche. Maria wurde Mutter Gottes, weil sie Jungfrau war, Jungfrau nicht nur durch ihre leibliche Unversehrtheit, sondern mehr noch durch ihre vollkommene Bewahrung vor jeglicher Sünde. Diese fleckenlose Reinheit ist eine Folge ihrer Unbefleckten Empfängnis. Dank dieses Privilegs ist sie einzigartig, ganz schön, überaus vollkommen, Braut des Heiligen Geistes, Mutter Gottes und Mutter der Seelen. Die römische Kirche nun ist ihrerseits ebenfalls Jungfrau, ganz und gar Jungfrau durch die Unversehrtheit ihres Glaubens, durch die Bewahrung vor jeglichem Irrtum, die sich der Unfehlbarkeit in der Lehre verdankt, die mit dem Stuhl Petri verbunden ist. Dank dieses Privilegs ist sie einzigartig, vollkommen und schön unter allen Kirchen. Die Reinheit ihres Glaubens verleiht ihr in wunderbarer Weise Fruchtbarkeit, sie ist die Mutter aller Gläubigen. … Es ist sehr bemerkenswert, daß Maria und Rom im Grunde derselbe Name sind. Maria, auf Hebräisch Miriam, ist aus dem Verb roum gebildet, das soviel bedeutet wie gepriesen werden. Aus demselben Verb leitet sich auch das Substantiv roma ab, welches Lobpreisung bedeutet. Maria bedeutet jene, die gepriesen wird, Rom bedeutet Lobpreis. Somit hat Maria Rom, ihrem irdischen Abbild, ihren Namen verliehen. Wenn nun die beiden Namen Mariens und Roms nur einen einzigen Namen bilden, dann sind die Liebe zu Rom und die Liebe zu Maria nur eine einzige Liebe.“ Hier sehen wir die tiefe Verbindung zwischen der Unbefleckten und der Unfehlbarkeit des Papstes, die der große Theologe M.J. Scheeben ebenfalls in diesem Zusammenhang feststellt: „Maria und der Stuhl Petri sind daher aufs engste im Plane Gottes und in der Geschichte der Kirche verbündet.“

Nach dem gleichen Père Emmanuel war das Unfehlbarkeitsdogma gewissermaßen die Antwort des Himmels auf das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Er bringt diese Ereignisse in einen Vergleich mit jener Begebenheit bei Cäsarea Philippi, als der heilige Petrus vor dem Heiland sein herrliches Bekenntnis abgelegt hatte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“, und daraufhin vom Herrn die Verheißung empfing: „Und ich sage dir: Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben, Was du immer binden wirst auf Erden, das wird gebunden sein auch im Himmel, und was immer du lösen wirst auf Erden, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (vgl. Matth 16,16-19). Hat sich hier nicht ähnliches zugetragen? Der Nachfolger des heiligen Petrus legt das herrliche Bekenntnis des Glaubens der Kirche ab an die Unbefleckte Empfängnis, und diese bestätigt ihm sein unfehlbares Petrusamt.

3. Der deutsche Dogmatiker M.J. Scheeben schreibt: „Eine mannigfache Verbindung und Wechselbeziehung besteht zwischen den beiden Dogmen (der unbefleckten Empfängnis Mariens und der Unfehlbarkeit des Papstes). Das erstere stellt uns vor Augen die unbedingte Makellosigkeit und übernatürliche Verklärung der ganzen Natur der seligen Jungfrau, welche als die Mutter des Sohnes Gottes, des neuen Adam, der voll der Gnade und Wahrheit unter uns erschien, des Hauptes der Kirche und des ‚Lehrers der Gerechtigkeit’, auch die Mutter aller Kinder Gottes, die neue Eva, die Mutter der Gnade und der Kirche, und darum der unentweihte ,Sitz der Weisheit’ und der makellose ‚Spiegel der Gerechtigkeit’ sein sollte. Die Unfehlbarkeit des Papstes aber zeigt uns die unbefleckte Reinheit und den übernatürlichen Glanz der Wahrheit der Cathedra des hl. Petrus, welche, weil ihr Inhaber zum Stellvertreter des Sohnes Gottes, zum sichtbaren Oberhaupte seiner Kirche und zum stetigen Organ seiner Wahrheit bestellt ist, als die ‚Mutter und Lehrerin aller Kirchen’ sich in ihrer Lehre, ebenso wie die selige Jungfrau in ihrem ganzen Leben, als unentweihten ,Sitz der Weisheit’ und den makellosen ‚Spiegel der Gerechtigkeit’ offenbaren, und als das Haupt der Kirche, der Braut Christi, in ihrer Lehre, durch welche sie die Glaubensreinheit des ganzen Volkes Gottes bewirkt, so beschaffen sein muß, wie der Apostel die Braut Christi selbst haben will: ‚ohne Makel und ohne Runzel oder etwas dergleichen‘ — und das aus demselben Grunde, aus welchem die Kirche in ihrem Priestertum, in welchem sie als Mutter und Spenderin der Gnade auftritt und im hochheiligen Altarsakramente ihr Haupt in geheimnisvoller Weise wiedergebiert, trotz aller Sünden und Mängel ihrer Diener ihren vom Hl. Geist befruchteten Schoß stets unbefleckt bewahrt.“

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