Die Reform Johannes‘ XXIII.

Ad 3: Im Jahr 1928 gab es einen Vorstoß der „Amici di Israele“, unter denen sich auch etliche Bischöfe und Kardinäle befanden, in der Karfreitagsfürbitte für die Juden das „perfidis“ zu streichen oder zu ändern. Die Ritenkongregation unter Kardinal Ildefons Schuster billigte dieses Anliegen. Die Sache ging nun an das Heilige Offizium unter Kardinal Merry del Val, der das Ansinnen scharf zurückwies. Der Antrag sei „völlig unakzeptabel, ja sogar unsinnig“, denn die Liturgie sei durch Jahrhunderte inspiriert und geheiligt, so der damalige Glaubenshüter. Pius XI. gab ihm recht, und die „Amici di Israele“ samt Kardinal Schuster mußten nicht nur ihren Antrag zurückziehen, sondern auch vor dem Heiligen Offizium ihrem Irrtum abschwören. Gleichzeitig verbot Pius XI. die „Freunde Israels“ wegen anstößiger Äußerungen und „religiösem Indifferentismus“.

Wenn nun schon diese einzige Streichung oder Änderung eines kleinen Wörtchens den Charakter der durch Jahrhunderte inspirierten und geheiligten Liturgie und damit den Glauben an die Heiligkeit der Kirche in Frage stellte, wie ist dann erst eine völlige Änderung und teilweise Neuschaffung der gesamten Karliturgie etwa zu beurteilen, wie sie 1955 geschah und in die Bücher von 1962 einging? Abgesehen davon, daß die Liturgie von 1962 durch die Abschaffung vieler Gebete, Feste und Riten den Zufluß der Gnaden sehr verminderte (darunter jene Gnaden, deren man gerade in dieser Zeit besonders bedurft hätte wie Zuwachs an den göttlichen Tugenden, Schutz der Muttergottes und aller Heiligen, Hilfe für Papst und Kirche, Schutz gegen ihre Feinde…); abgesehen davon also hatte sie die alten Prinzipien der katholischen Liturgie aufgelöst und enthielt bereits die neuen Prinzipien, nach welchen die humanistische, freimaurerische Umgestaltung erfolgen sollte.

Aufgelöst worden war insbesondere die exklusive Stellung des Priesters als des einzigen in persona Christi handelnden Liturgen, die unauflösliche Verbindung von Priester, Opfer und Altar, die Verherrlichung Gottes als hauptsächlicher Zweck der Liturgie, der Charakter der Liturgie als öffentlicher Kult der Kirche (durch die Unterscheidung zwischen „privatem“ und gemeinsamen Breviergebet) etc. Eingeführt worden war das Prinzip der „tätigen Teilnahme“ des Volkes als Mit-Liturge und Adressat einer wesentlich als Gemeinschaftsfeier aufgefaßten Liturgie. Das „allgemeine Priestertum“ der Laien war neben das sakramentale Priestertum getreten, denn auch der zelebrierende Priester konnte nun die „Messe hören“ („sitzt und lauscht“), der Laie die „Messe lesen“.

Vor allem aber war die Liturgie zu einer ständigen Baustelle geworden, an der man nach Herzenslust herumbasteln konnte; ihr Charakter heiliger und unantastbarer Überlieferung war dem zeitbedingter Beliebigkeit gewichen. Das Werk des Heiligen Geistes war nur noch Menschenwerk. So schreibt auch unser ehrenwerter Dr. Schnitzler: „Haben wir nicht einmal im Religionsunterricht gelernt, die römische Liturgie sei von der Eigenschaft der stabilitas, der Unveränderlichkeit, gekennzeichnet? Mag diese alte Schulweisheit auch manches Richtige aussagen – , sie zerrinnt schon zu Nichts, wenn wir die Reformen der Liturgie im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts [20. Jhdt.] überschauen. … In der Tat, wie das Leben der Kirche, ist auch ihr liturgisches Leben in ständigem Fluß begriffen. Wir haben den Auftrag, in der Liturgiefeier den Tod des Herrn zu verkünden bis er wiederkommt. Also müssen wir die Feier seines Todes und seiner Auferstehung immer wieder den Zeiten anpassen und den Nöten der Gegenwart zuordnen…“

Und das alles soll nicht gegen den Glauben gehen, keine Gefahr für den Glauben sein? „Vielleicht in einigen Details können wir sagen, sollte es besser sein, usf.“, aber wir haben keinen Grund, das abzulehnen? Wie naiv oder realitätsfremd muß man sein, um so etwas zu sagen? Zeigt uns nicht schon die weitere Geschichte, wie sehr diese Reformen den Glauben ausgehöhlt und unterminiert haben? Wie sonst wäre das „II. Vatikanum“ mit seinem Massenabfall zu erklären, wenn nicht durch die vorausgegangen liturgischen Reformen? Und wie der Niedergang der „Piusbruderschaft“, wenn nicht u.a. durch ihr verbohrtes Festhalten an den „Büchern von 1962“?

Sicher ist, daß auf dieser Basis keine Reform der Kirche und keine Erneuerung des Priestertums geschehen kann. Nur eine Rückkehr zur wahren Liturgie der heiligen Kirche, zur unveränderlichen römischen Liturgie, zur Liturgie der heiligen Päpste Pius V. und Pius X., kann der Weg nach vorne sein.

Vgl. hierzu unsere Artikelserie Liturgische Metamorphose – 1. Teil – 2. Teil – 3. Teil – 4. Teil

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