Vom Lehramt zum Leeramt III

von antimodernist2014

Bevor wir uns mit dem nächsten „Papst“ der Konzilskirche beschäftigen, müssen wir wohl nochmals etwas nachgreifen, um noch etwas besser zu verstehen, was unter Montini alias Paul VI. eigentlich alles geschehen ist, denn davon hängt sehr viel für unseren Glauben ab.

Die breite Öffentlichkeit hat zumindest eines wahrgenommen: Montini hat mit dem Konzil ernst gemacht, auch wenn er seinen revolutionären Elan am Ende seiner Amtszeit angeblich etwas eingebüßt haben soll, um eine moderatere Gangart einzuschlagen. Das konnte er sich freilich auch leisten, denn das Wesentliche war geschehen – die Revolution war von höchster Autorität aus mit durchschlagendem Erfolg gelungen. Montini hatte schließlich sowohl die theoretische Grundlage für die Revolution geschaffen, das „2. Vatikanum“ ist das Manifest seiner neuen „Kirche“, als auch die praktische Durchführung derselben weltweit vorangetrieben, die neue Liturgie und alle neuen Sakramentsriten sind die neugeschaffene Lebenspraxis dieser neuen „Menschenmachwerkskirche“, die das ganze restkatholische Leben in wenigen Jahren im Sinne der Revolution umformen wird.

Es stellt sich jedoch für einen Katholiken die entscheidende Frage: Konnte Montini kraft seiner päpstlichen Vollmacht das eigentlich alles tun? Wobei mit diesem „konnte“ natürlich nicht einfach die tatsächliche Fähigkeit, dies tun zu können, gemeint ist, denn Montini hat durch die Tat bewiesen, daß er all das durchaus konnte, sondern die Frage zielt daraufhin, ob er diese Revolution in der ihm als Papst von Gott verliehenen Vollmacht durchführen konnte?

Bevor wir diese Frage sinnvoll und gültig beantworten können, müssen wir uns zunächst kurz in Erinnerung rufen, was denn eigentlich die wesentliche Aufgabe des Papsttums ist – die wesentliche, mit dem Amt unlösbar verbundene Aufgabe, die jeder Papst erfüllten muß, soll er auch wirklich Papst sein.

Papst Leo XIII. lehrt in seiner Enzyklika „Officio Sanctissimo“ vom 22. Dezember: „Gott hat befohlen, daß allein bei ihr (der Kirche) alle Wahrheiten, die durch seinen (Geistes-) Anhauch den Menschen kundgemacht wurden, gleichsam hinterlegt seien; und sie allein hat er schließlich zur gar weisen und zuverlässigen Auslegerin, Beschützerin und Lehrerin der Wahrheit eingesetzt, deren Vorschriften gleichermaßen die Einzelnen wie die Bürgerschaften hören und befolgen müssen.“

Dementsprechend faßt das Kirchenrechtsbuch von 1917 (CIC, can. 1322 § 1) die diesbezügliche dogmatische Lehre der Kirche in folgenden positiven Rechtssatz: „Christus der Herr hat die Glaubenshinterlage (depositum fidei) der Kirche anvertraut, damit eben sie – unter dem beständigen Beistand des Hl. Geistes – die geoffenbarte Lehre heilig hütet und getreulich darlegt.“

Die Kirche hat von Christus, ihrem göttlichen Herrn und Stifter, die wesentliche Aufgabe erhalten, die Glaubenshinterlage – unter dem beständigen Beistand des Heiligen Geistes – heilig zu hüten und getreulich darzulegen. Darum ist die hl. Kirche allein gemäß göttlicher Anordnung die weise und zuverlässige Auslegerin, Beschützerin und Lehrerin der Wahrheit. Jeder Einzelne und alle Bürgerschaften müssen deswegen die Vorschriften der hl. Kirche hören und befolgen.

Papst Pius X. erklärt im Großen Katechismus (Anhang: Kleine Geschichte der Religion) diese Lehre mit folgenden Worten:

„Unser Glaube stützt sich auf die göttliche Tradition, d.h. das Wort Gottes, das von Gott selbst in lebendigem Wort an die ersten Diener gesprochen wurde und von diesen durch ununterbrochene Folge auf uns gekommen ist, als auf sein solidestes Fundament…“ (n.7).
„Diese göttliche Tradition wurde gleichzeitig wie die Heilige Schrift, d.h. das ganze Wort Gottes zugleich, sei es geschrieben oder mündlich überliefert, von unserem Herrn Jesus Christus einem öffentlichen, fortdauernden, unfehlbaren Treuhänder, d.h. der heiligen katholischen und apostolischen Kirche anvertraut. Indem diese sich auf diese göttliche Tradition gründet, sich auf ihre von Gott empfangene Autorität stützt und sich dem Beistand und der Leitung des ihr zugesagten Hl. Geistes anvertraut, definiert sie, welches die Bücher sind, welche die göttliche Offenbarung enthalten, legt sie die Schriften aus, legt deren Sinn fest jedesmal, wenn sich diesbezüglich ein Zweifel erhebt, entscheidet über Dinge, die den Glauben und die Sitten betreffen, und urteilt in letzter Instanz über alle Fragen, die bei diesen Dingen von höchster Wichtigkeit irgendwie den Geist und das Herz der treuen Gläubigen in die Irre führen könnten“ (n.8).
„Merken wir schließlich noch an, daß dieses Urteil dem Elite-Teil der Kirche zusteht, der die lehrende Kirche heißt und der ursprünglich von den Aposteln und sodann von deren Nachfolgern, den Bischöfen zusammen mit ihrem Oberhaupt, dem Papst oder römischen Bischof, dem Nachfolger des hl. Petrus, gebildet wird.
Der Papst, der durch Jesus Christus mit der Unfehlbarkeit der Kirche selbst begabt ist, die notwendig ist zur Bewahrung der Einheit und Reinheit der christlichen Lehre, kann, wenn er ex cathedra d.h. als Hirt und Lehrer aller Christen spricht, in den Dingen des Glaubens und der Sitten diese Dekrete selbst erlassen und diese Urteile selbst fällen, die niemand ohne Irrtum im Glauben zurückweisen kann. Er kann immerzu seine höchste Vollmacht ausüben in dem, was selbst die Disziplin und die gute Regierung der Kirche betrifft; und alle Gläubigen müssen mit aufrichtiger Unterwerfung des Geistes und des Herzens gehorchen.
In diesem Gehorsam gegenüber der höchsten Autorität der Kirche und des Papstes, die uns die Glaubenswahrheiten vorlegt, und die Kirchengesetze auferlegt und uns all das, was zu ihrer guten Leitung notwendig ist, anordnet, in dieser Autorität liegt die Regel unseres Glaubens.“

Die lehrende Kirche, der Elite-Teil der Kirche, hat ihr Oberhaupt im Papst, dem römischen Bischof und Nachfolger Petri. Damit der Papst sein Amt entsprechend ausführen kann, die Kirche zu leiten und in der Wahrheit zu bewahren, hat ihn der göttliche Stifter mit dem Charisma der Unfehlbarkeit ausgestattet. Dieses Charisma ist notwendig zur Bewahrung der Einheit und Reinheit der christlichen Lehre. Allein der Papst kann die Einheit der Kirche im Glauben gewährleisten, weil ihm allein (auch die Bischöfe sind nur in Verbindung mit dem Papst unfehlbar) der Beistand des Heiligen Geistes zur unfehlbaren Leitung der Kirche verheißen worden ist. Aufgrund dieses ihm von Jesus Christus übertragenen Charismas der Unfehlbarkeit sind alle Katholiken zum Glaubensgehorsam dem Papst in all seinen Lehramtsakten verpflichtet. „In diesem Gehorsam gegenüber der höchsten Autorität der Kirche und des Papstes, die uns die Glaubenswahrheiten vorlegt, und die Kirchengesetze auferlegt und uns all das, was zu ihrer guten Leitung notwendig ist, anordnet, in dieser Autorität liegt die Regel unseres Glaubens.“

Das lebendige Lehramt ist die nächste, unmittelbare, erste Regel des Glaubens für jeden Katholiken. Diese Glaubensregel im katholischen Sinne bestimmt beständig, was allgemein geglaubt werden soll. Und sie bestimmt diesen Glauben inhaltlich als zuverlässige, ja unfehlbare Treuhänderin und zwar nicht unter bloß sporadischem, sondern unter ständigem Beistand des Hl. Geistes (vgl. CIC oben) oder unter dem (ihr in seinen zur Weltmission ausgesandten Sendboten ja für alle Tage zugesicherten, also) ständigen Mit-Sein Christi (Mt 28,20), worin ja das Charisma der kirchlichen Unfehlbarkeit gründet. Die lehrende Kirche ist somit die dem Katholiken von Christus selbst vorgegebene, allzeit zuverlässige und unfehlbare Richtschnur seines Glaubens, Denkens und Handelns. Diese Unfehlbarkeit der lehrenden und leitenden Kirche ergibt sich mit Notwendigkeit aus dem von Christus der Kirche anbestimmten Zweck als notwendige Voraussetzung zu dessen Verwirklichung.

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