Zum Fest des heiligen Joseph

5. Wir können sicher sein, daß da, wo der heilige Joseph wahrhaft verehrt wird, auch an der Unbefleckten Empfängnis und der unfehlbaren, makellosen und heiligen Kirche festgehalten wird, welche unter seinem besonderen Schutz stehen. Und selbstverständlich gehört zur wahren Josephs-Frömmigkeit auch ein Bemühen um die Nachahmung seiner so wunderbaren Tugenden, welche wir in der Josephs-Litanei anrufen, die vom hl. Pius X. im Jahr 1909 für den liturgischen Gebrauch approbiert worden ist. Dort verehren wir ihn beispielsweise als „Joseph justissime“, den „gerechtesten Joseph“. Was ist dann etwa von einer Bruderschaft zu halten, die im vorigen Jahr mit großem Pomp eine Weihe an den hl. Joseph vorgenommen hat und gleichzeitig ohne jedes Ansehen von Recht und Gerechtigkeit gegen mißliebige Priester aus den eigenen Reihen vorgeht und diese oft nach Jahrzehnten selbstlosen und tadellosen Dienstes mittellos auf die Straße setzt, ohne daß sie sich irgendetwas hätten zuschulden kommen lassen als im Namen des Glaubens den Widerstand gegen die „konziliare Kirche“ fortzusetzen, der den „Oberen“ nicht mehr opportun erscheint?

Wollen wir also wahre Andacht und Frömmigkeit zum Bräutigam der Gottesmutter, Nährvater des Sohnes Gottes und Patron der heiligen Kirche üben, so dürfen wir uns nicht begnügen, einfach nur zum hl. Joseph zu beten, ihn zum Patron zu erklären oder uns ihm zu weihen. Er muß uns vielmehr nachahmenswertes Vorbild sein in den Tugenden der Reinheit, der Klugheit, der Gerechtigkeit, der Treue, des Starkmuts, des (wahren!) Gehorsams, der Geduld, der Armut. Und sind das nicht genau jene Tugenden, deren wir in dieser so finsteren Zeit besonders bedürfen?

6. Die unvergleichliche Reinheit des heiligen Joseph war es vor allem, die ihn zum tauglichen Behüter der jungfräulichen Gottesmutter und zum Schutzherrn der heiligen Kirche bestimmte. Denn wer würde ein reinstes Gefäß einem unreinen Menschen anvertrauen? Ist es nicht gerade ein Zeichen für unsere Zeit, daß alles Reine besudelt werden muß, und daß das „II. Vatikanum“ auch die heilige Kirche Jesu Christi in den Staub der Erde ziehen mußte? War das nicht die Fanfare zur „68er“-Revolution mit all ihrem Schmutz und ihrer Unreinheit?

Die Gerechtigkeit, mit welcher der heilige Joseph das Gesetz Gottes liebte, wird uns beschrieben im Psalm 118. „Glückselig, die im Wege untadelig sind, die da wandeln im Gesetze Gottes! Glückselig, die seine Zeugnisse bewahren, die von ganzem Herzen ihn suchen, Die auch kein Unrecht tun, in seinen Wegen wandeln! Du hast deine Vorschriften geboten, um sie fleißig zu beobachten. O daß meine Wege gerichtet wären, um deine Satzungen zu beobachten! Dann werde ich nicht beschämt werden, wenn ich achthabe auf alle deine Gebote. Preisen werde ich dich in Aufrichtigkeit des Herzens, wenn ich gelernt habe die Rechte deiner Gerechtigkeit. Deine Satzungen werde ich beobachten; verlaß mich nicht ganz und gar! Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Worte. Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht: laß mich nicht abirren von deinen Geboten! In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, auf daß ich nicht wider dich sündige. Gepriesen seiest du, Herr! lehre mich deine Satzungen!“ (1-12). Finden hier nicht in wunderbarer Weise die Gesinnungen des hl. Joseph ihren Ausdruck? Ist hier nicht seine Gerechtigkeit grundgelegt und zugleich seine Reinheit?

Seine unerschütterliche Gerechtigkeit brachte ihn auch in innere Konflikte, so etwa als er feststellen mußte, daß seine reinste Braut ein Kind erwartete, und er sie einerseits nach dem Gesetz hätte als Ehebrecherin behandeln müssen, andererseits ihr aber unmöglich so eine Untat zutrauen konnte. So bemühte er sich in seiner Klugheit eine Lösung zu finden und beschloß schließlich, sie heimlich zu entlassen. Auch bei ihrer Rückkehr aus Ägypten riet ihm seine Klugheit, das Gebiet des Archelaus zu meiden, welcher der Sohn des Herodes war. In beiden Fällen vollendete sich seine Klugheit durch den heiligen Gehorsam. Denn beide Male fand er die Lösung, indem er dem Engel gehorchte.

In seinem Gehorsam zeigte der heilige Joseph alle Eigenschaften, die ein solcher haben muß. Er folgte gern, sofort und genau. Noch in der Nacht stand er auf, nahm Frau und Kind und floh nach Ägypten. Er übte den Gehorsam gegen Gott auch gegenüber den irdischen Autoritäten, und sei es der heidnische römische Kaiser. Wir wissen freilich, daß es einen falschen Gehorsam gibt und man im Notfall Gott mehr gehorchen muß als den Menschen. Das gilt sogar rechtmäßigen Autoritäten gegenüber, umso mehr solchen, die sich selbst als „kanonisch irregulär“ bezeichnen und sich gleichzeitig als „kirchliche Obere“ aufspielen, denen unbedingter Gehorsam zu leisten sei.

Unser Gehorsam ist eben untrennbar von der Treue. Der heilige Joseph übte eine unverbrüchliche Treue gegenüber seinem Herrn, seiner heiligsten Braut, seinem göttlichen Pflegesohn. Auch von uns ist unverbrüchliche Treue gefordert gegenüber Gott, Seiner heiligsten Kirche, dem katholischen Glauben, der Gottesmutter und dem eucharistischen Heiland. Diese Treue verlangte vom heiligen Joseph ein großes Maß an Starkmut, Geduld und Liebe zur Armut, und so ist es heute auch bei uns.

7. Gehen wir also alle zu Joseph, er möge uns diese Tugenden erbitten und uns im Bemühen darum unterstützen. Heiliger Joseph, bitte für uns!