Komm, wir spielen Kirche!

Diese wenigen Fragen allein zeigen schon zur Genüge, daß der Schritt von der ordentlichen Autorität hin zur unordentlichen weitaus kürzer sein kann, als einem lieb und recht ist, mag man sie auch euphemistisch immer noch außerordentlich nennen. Ob nun die Autorität des P. Stehlin wirklich außerordentlich oder doch eher unordentlich ist, wissen wir jedenfalls noch nicht, das ist ganz einfach eine unbewiesene und vielleicht sogar unbeweisbare Behauptung.

Aber auch P. Stehlin befürchtet durchaus noch, daß man im Widerstand gegen die ordentliche, legitime Autorität vielleicht den Boden unter den Füßen verlieren könnte, denn er gibt zu bedenken: „Wenn man sich dieser Autorität widersetzt, hat das schreckliche Folgen. Ohne die Autorität gibt es keine Einheit: siehe die zwanzig Sedisvakantisten-Sekten, siehe den ‚Widerstand’“. Wobei er nun leichtsinnigerweise (?) einen entscheidenden Fehler macht, denn mit dieser Autorität meint er jetzt offensichtlich nicht die ordentliche legitime Autorität, das wäre für ihn die römische Autorität, da für ihn immerhin die Päpste legitime Nachfolger Petri sind, sondern er meint seine außerordentliche Autorität, von der er aber selbst immer noch nicht weiß, wie sie sich letztlich entgegen der ordentlichen in Rom legitimiert und wie man sie überhaupt als solche außerordentlich legitimierte Autorität recht einordnen kann? Mit außerordentlichen Dingen ist das ja so eine Sache, denn wie gesagt, vielleicht sind sie ja im Grunde unordentlich, man hat es nur nicht bemerkt. Und noch etwas Weiteres ist zu fragen: Welche konkrete Einheit schafft eine Autorität, wenn sie außerordentlich unordentlich ist? Welches legitime Einheitsprinzip hat denn eigentlich konkret die FSSPX? Leider gibt uns der Autor auch darüber keinerlei Auskunft, er verweist nur auf das abschreckende Beispiel der anderen und meint: „siehe die zwanzig Sedisvakantisten-Sekten, siehe den ‚Widerstand’“. Von diesem sog. Widerstand weiß er jedoch ganz sicher, daß er „kein anderes Einheitsprinzip hat, als die Bruderschaft zu bekämpfen“, womit er womöglich teilweise Recht haben könnte, aber sicher nicht den Nagel auf den Kopf trifft – was nun auch wirklich zuviel erwartet wäre.

Aber schieben wir diese Fragen zunächst nochmals ein wenig beiseite und lassen wir uns weiter in den Prinzipien unterrichten, die wir beachten sollen – wobei wir doch noch eine Anmerkung nachschieben wollen: Die Ausführungen über Mgr. Williamson hätte sich Hochwürden doch besser sparen sollen, denn sie verraten nur einen schlechten Stil. Und: ob protestantische Pastoren wirklich der dazu berufene Mund sind, einen Mann wie Richard Williamson zu beurteilen, das möchten wir doch erheblich bezweifeln.

Das dritte Prinzip heißt: „Man darf sich nicht schlechter Mittel bedienen, um etwas Gutes zu erreichen“. Dieses Prinzip ist ganz einfach – wobei hier nur und ausschließlich die Anwendung gemeint ist, die durch Herrn P. Stehlin von diesem Prinzip gemacht wird. Denn er geht auf die Frage der schlechten Mittel sachlich gar nicht ein, sondern, nachdem er ganz allgemein festgestellt hat: „Das schlimmste der schlechten Mittel aber ist das Verbreiten von ‚Halb-Wahrheiten‘, Wahrscheinlichkeiten als Tatsachen darzustellen, über wichtige Dinge zu urteilen, ohne die ganzen Umstände und Fakten genau zu kennen“ –, wechselt er schnell die Ebenen und behauptet: „Wenn ich die Erklärung der verwirrten Priester sehe, vor denen Sie eine solch hohe Achtung haben, kann ich nur noch weinen, denn ich kenne die (Vor-) Geschichte in etwa der Hälfte der Unterzeichner und die wahren Gründe ihrer Kritiken und ihres Weggangs. Ich kenne nicht einen, von dem ich in aller Aufrichtigkeit sagen könnte, dass es ihm um die Wahrung des ganzen Glaubens geht.“

P. Stehlin wirft also zumindest der Hälfte der sogenannten Widerstandspriester öffentlich unlautere Absichten vor. Die Kirche hat immer den Grundsatz gewahrt, daß sie über das „forum internum“ nicht urteilt, der prinzipientreue Pater täte gut daran, sich an dieses Prinzip zu halten. Immerhin ist die folgende Aussage: „Und wenn ich diese Fakten (meint er damit seine pauschale öffentliche Verleumdung?) vor Augen habe, dann habe ich das Recht zu fragen, ob der Slogan ‚Für die Wahrung des Glaubens‘ nicht ein Mittel ist, um sich zu rächen, sich zu rechtfertigen, zu zeigen ‚dass ich recht gehabt habe’“, nochmals eine schwerwiegende öffentliche Anschuldigung, die der Herr Pater einmal vor Gott wird verantworten müssen.

Ganz in selben Stil kommt auch das nächste Prinzip daher: ad majorem Dei gloriam„Alles hienieden ist auf die Ehre Gottes ausgerichtet“. Während P. Stehlin dieses Prinzip erstaunlich großzügig für sich in Anspruch nimmt, hält er dem Widerstand entgegen: „Umso schmerzlicher ist es für mich, dass im Namen dieses Prinzips der ‚Widerstand‘ den Oberen der Bruderschaft (böswilligerweise, muß man nach dem Vorhergegangenen wohl ergänzen) den Prozess macht.“

Wie das genau mit dem Prozeß gemeint ist, ist aus dem Zusammenhang nicht ersichtlich. Was aber durchaus jedem ersichtlich ist, daß Letzteres doch eher eine Verdrehung der Tatsachen ist als die Wahrheit. Denn die Oberen der FSSPX gefallen sich zur Zeit ausgiebig darin, jedem Priester den Prozess zu machen, der auch nur im geringsten irgendwelche Zweifel am kirchenpolitischen Kurs der FSSPX zu äußern wagt. Wobei sie in der Beschaffung von Beweismaterial für diese Prozesse bekanntermaßen in keiner Weise zimperlich sind. Aber das stört den prinzipientreuen P. Stehlin anscheinend in keiner Weise, ihn stört vielmehr der nicht verifizierbare „Prozeß“ des Widerstandes gegen die Menzinger Führungsspitze – oder meint er vielleicht damit die sachliche Auseinandersetzung der Weihbischöfe und Priester mit Menzingen? Jeden, der sich darüber einen schnellen, aber gründlichen Einblick verschaffen möchte, der soll den Brief der drei Weihbischöfe vom 7. April 2012 an das Generalhaus und die entsprechende Antwort lesen. Da ist jeder Kommentar überflüssig, denn es wird daraus überdeutlich, mit welcher Art von Autorität man es hier zu tun hat.

Das letzte Prinzip, das Herr P. Stehlin den Kapuzinern von Morgon zu bedenken gibt ist: Filius Ecclesiae – Sohn der Kirche. Hören wir uns zunächst die Erklärung dazu an: „Dieses Prinzip gibt mir zu verstehen, dass ich der Sohn einer Mutter bin, dank derer ich alles von Gott erhalten habe. Jede Priesterweihe beginnt mit den Worten ‚postulat Sancta Mater Ecclesia‘. Dieses Prinzip verlangt von mir, die Kirche so zu lieben wie Christus sie geliebt hat. Es gibt aber nur eine sichtbare Kirche, die auf dem Fundament der Apostel errichtet ist. Sie ist ein großes Mysterium, denn sie ist gleichzeitig göttlich und menschlich. Sie ist heilig und ihre Mitglieder sind fast alle Sünder.“

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