Komm, wir spielen Kirche!

Sie haben richtig gelesen: Der Autorität heißt es da. Dabei meint P. Stehlin allen Ernstes, nachdem er seine letzten drei Päpste umständehalber namentlich erwähnt hat, nicht diese seine legitimen Päpste, denn die Umstände scheinen ihm dafür nicht besonders günstig zu sein, sondern er meint Menzingen! Also nicht die von ihm als legitim anerkannten Päpste sind für P. Stehlin DIE AUTORITÄT, sondern seine außerordentlichen Oberen in Menzingen! Pater Pierre de Cloriviere S.J. beurteilt eine solche Haltung folgendermaßen: „… Selbst dann, wenn man die Kirche oder ihren obersten Hirten, dem die Unfehlbarkeit verheißen wurde, nicht um Rat fragen kann, darf man keiner wie auch immer gearteten Autorität blindes Vertrauen schenken, da es keine Autorität gibt, die nicht selbst dem Irrtum verfallen und uns mit hineinziehen könnte.“ (Etudes sur la Revolution, Ed. Sainte Jeanne d’Arc, S. 132-133).

Oder anders formuliert: Wenn jemand außerhalb des unfehlbaren Lehramts der Kirche einer anderen Autorität ein blindes (P. Stehlin sagt „unbedingt“, wie wir sahen) Vertrauen schenkt, dann hat er damit seinen katholischen Glauben verloren, weil er den Glauben nicht mehr von der Kirche, sondern von einer falschen Autorität empfängt. In der Dogmatik von J.B. Heinrich kann man lesen: „In der Kirche steht die Lehr- und Richtergewalt in Glaubenssachen nur dem von Christus in Petrus und den Aposteln eingesetzten Lehramte zu; also weder der Gesamtheit, noch irgendeinen einzelnen, von Christus mit diesem Lehramte nicht betrauten Gläubigen, welche Stellung auch sie einnehmen und mit welchen natürlichen oder übernatürlichen Gaben sie ausgerüstet sein mögen. Nur durch dieses infallible Lehramt ist die gesamte Kirche indefectibel im Glauben und nur dieses Lehramt ist nach göttlicher Einsetzung und nach der Natur der Dinge nächste Glaubensregel.“

Nachdem P. Stehlin, wie wir gezeigt haben, seine fehlbare und nach eigenem Bekunden derselben sogar irreguläre, mit einem kanonischen Mangel behaftete Autorität als nächste Glaubensregel anerkennt, hat er im Prinzip den katholischen Glauben verloren und einen Fellayglauben oder FSSPX-Glauben angenommen. Deswegen ist er auch ganz sicher nicht mehr die Stimme der Tradition, wenn er damit die katholische Tradition meinen sollte, die ihm unfehlbar nur das lebendige Lehramt geben kann, das allein die nächste Glaubensregel ist, sondern er ist gewissermaßen die Stimme einer Sekte geworden.

Aus diesem Sektenglauben heraus ist auch durchaus zu verstehen, was P. Stehlin sagt: „Dank der Gründung der Militia Immaculatae traditioneller Observanz bildet sich fast die Hälfte unserer Gläubigen (ca. tausend) nach den Prinzipien und dem Ideal des hl. Maximilian weiter. Es ist dies der Wunsch, der Immaculata Gehorsam zu leisten, indem man die Aufgabe der Werkzeuge versteht, derer sie sich bedient. Wenn die Gläubigen den Verrat und die Untreue des offiziellen Klerus entdecken und gleichzeitig unsere Treue, klammern sie sich an die Tradition und leben immer mehr in übernatürlichem Gehorsam. Es gibt nur zwei Arten von Gläubigen, die Verwirrung stiften, um die Tradition zu spalten: die Sedisvakantisten und der ‚Widerstand‘.“

Das ist wohl wahr, die „Sedisvakantisten und der ‚Widerstand’“ stiften gegen die FSSPX-Sektentradition Verwirrung, weil sie sich redlich bemühen, die wahren, die katholischen Prinzipien festzuhalten und anzuwenden. Davon ist P. Stehlin himmelweit entfernt, wenn er behauptet: „Wenn die Gläubigen den Verrat und die Untreue des offiziellen Klerus entdecken und gleichzeitig unsere Treue, klammern sie sich an die Tradition und leben immer mehr in übernatürlichem Gehorsam.“ Woher weiß er denn, daß die Gläubigen, wenn sie sich an die Tradition – und hier ist doch wohl die FSSPX-Tradition gemeint – klammern, sie sich damit auch an die Tradition der Kirche klammern und somit „immer mehr in übernatürlichem Gehorsam“ leben? Das Gegenteil ist meist der Fall! Wenn sie wirklich den „Glauben“ der FSSPX annehmen, dann verlieren sie jeglichen übernatürlichen Glauben, weil sie einer Autorität Glauben schenken, die diesen Glauben niemals fordern und natürlich auch nicht geben kann. Nochmals, weil es so wichtig und entscheidend ist: „Nur durch dieses infallible Lehramt ist die gesamte Kirche indefectibel im Glauben und nur dieses Lehramt ist nach göttlicher Einsetzung und nach der Natur der Dinge nächste Glaubensregel.“

Wie verwirrt P. Stehlin aufgrund der FSSPX-Ideologie inzwischen schon ist, das dokumentiert er an einem seiner Gegenbeispiele: „Als verkündet wurde, dass Priester zur Tradition zurückgekehrt sind, fragte ein Priester, der dem ‚Widerstand‘ nahesteht, ob sie sub conditione erneut geweiht wurden.“

Insofern P. Stehlin nicht schon an Gedächtnisschwund leidet, was wir jedoch nicht sicher wissen, wird er sich durchaus daran erinnern können, daß selbst von der FSSPX nicht wenige „Priester“ aus der Amtskirche „sub conditione“ nachgeweiht wurden. Vielleicht kann er sich sogar noch an die Predigt von Mgr. Marcel Lefebvre während der von Rom nicht erlaubten Bischofweihen erinnern, in der Mgr. Lefebvre wirklich allen Ernstes sagte: „Sie wissen ja, meine lieben Brüder, sie wissen sehr gut, daß es ohne Bischöfe keine Priester geben kann. Von wem werden also alle diese Seminaristen, die hier anwesend sind, das Sakrament der Priesterweihe empfangen, wenn mich der liebe Gott morgen ruft? Und das wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Vielleicht von konziliaren Bischöfen, deren Sakramente alle zweifelhaft sind, weil man nicht genau weiß, welches ihre Intentionen sind? Das ist ja nicht annehmbar.“ Sie haben richtig gelesen, „deren Sakramente alle zweifelhaft sind“ steht da. Dennoch empfindet es P. Stehlin, wie man aus der Verwendung seines Gegenbeispiels herauslesen muß, als eine Unverschämtheit, wenn ein Priester auch nur wagt nachzufragen, ob ein modernistischer Priester, der im modernistischen Ritus von einem modernistischen Bischof, der selber in modernistischen Riten geweiht wurde, „sub conditione“ nachgeweiht wurde? Woher will denn P. Stehlin die Sicherheit nehmen, die nach der Lehre der Kirche zum erlaubten Empfang eines Sakramentes notwendig ist, daß diese Weihen gültig waren? Ist er oder Menzingen plötzlich das unfehlbare Lehramt, das allein den Gläubigen diese Sicherheit geben könnte? Wenn dem aber nicht so ist, und das ist absolut sicher, wenn sowohl P. Stehlin als auch seine Oberen in Menzingen in ihrem Urteil fehlbar sind und sich durchaus auch schon mehrmals geirrt haben, und wenn deswegen, weil sie sich in dieser Sache wieder einmal irren, die Priesterweihen all dieser „Priester“ tatsächlich ungültig waren, dann muß er und seine Oberen in Menzingen es verantworten, daß die Gläubigen Brot anbeten, in der Kommunion anstatt des Leibes Christi Brot empfangen, anstatt einem hl. Meßopfer einer Theatervorstellung beiwohnen und ungültige Beichten ablegen und deswegen womöglich, so ist durchaus zu befürchten, in die Hölle kommen. Das ist nun ein recht langer Satz geworden, der umso anschaulicher dokumentiert, wie eng alles zusammenhängt. Ob also die Verwunderung P. Stehlins über diese Frage nach der Gültigkeit der modernen Weihen mit seinen eigenen Prinzipien übereinstimmt? – Vor allem mit dem ersten und höchsten Prinzip, das er formuliert hat: „Alles hienieden ist auf die Ehre Gottes ausgerichtet … und auf das Heil der Seelen“ – „Salus animarum suprema lex“.

Komm, wir spielen Kirche! Eine verlockende, aber sehr gefährliche Alternative zur so ernüchternden und täglich fordernden, von Kardinal Pie beschriebenen Realität der Kirche in der Endzeit: „Die Kirche, als Gemeinschaft zweifellos immer noch sichtbar, wird immer mehr auf rein individuelle und familiäre Dimensionen reduziert werden.“ Denn es ist nun freilich kein leichtes Spiel mehr, sich als Katholik in dieser Zeit der Verfinsterung der Kirche zurechtzufinden. Man würde P. Stehlin wünschen, daß er seine, in dem Brief an- und ausgeführten Prinzipien nochmals überdenkt, um sein theologisches Fundament etwas tragfähiger zu machen. Nur so könnte er der Versuchung entkommen, weiter Kirche spielen zu wollen. Aber wie man hört, wurde P. Stehlin von seinen außerordentlichen Oberen zum Distrikoberen von Asien ernannt, da wird es wohl mit dem Nachdenken nicht viel werden. Schade für Herrn Pater Stehlin und besonders auch schade für die vielen Gläubigen!

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