Dem Ruin entgegen

von antimodernist2014

1. Der „Widerstand“, der sich in den letzten gut zwei Jahren, seit dem „Brief der Drei“ (der „drei Weihbischöfe, die nicht dem Generalrat angehören“) und der „Lehrmäßigen Erklärung“ des „Einen“ (und einzigen!, des Weihbischofs, der dem Generalrat sehr wohl angehört, ja sogar Generaloberer ist), in und um die „Piusbruderschaft“ erhoben hat, scheint die „Pius“-Verantwortlichen nicht wenig zu beunruhigen, denn schon seit Monaten wird aus sämtlichen Etagen, vom einfachen „Fußvolk“ über die Distriktoberen bis ins Generalhaus hinauf, in allen verfügbaren Organen und an allen Orten, in Wort und Schrift aus vollen Rohren gegen nichts anderes mehr geschossen und gepoltert. Da konnte auch der „Pius“-Distriktobere für Österreich, der Schweizer P. Stefan Frey, nicht abseits stehen und ließ es sich angelegen sein, zur Feder zu greifen und in seinem etwas luftigen Blättchen „Ursprung und Ziel“ eine Breitseite abzufeuern.

Zwar gibt er sich betont seriös und will „fernab von aller Polemik und persönlicher Schuldzuweisung die Dinge sachlich … analysieren“. Das hindert ihn freilich nicht, vorab bereits eine gehörige persönliche Schuldzuweisung vorzunehmen an jenen „Bischof, manche Priester und Gläubige“, die „der Bruderschaft untreu“ geworden sind (oder ist „Untreue“ hier ganz wertfrei gemeint?), und dies auch gleich noch auf den Teufel in eigener Person zurückzuführen, der „schlau und hinterhältig … seine Fallstricke gelegt hat, um uns zu Fall zu bringen, leider nicht ohne Mißerfolg“ – dabei wohl übersehend, daß die doppelte Verneinung „nicht ohne“ sich aufhebt und er somit dem Teufel immerhin einen „Mißerfolg“ bescheinigt, also bei seinem diabolischen Unternehmen erfolglos gewesen zu sein.

2. Nachdem in Gestalt des Teufels gleich zu Anfang nach Distriktoberen-Manier das schwerste Geschütz aufgefahren worden ist (wir erinnern uns: auch der Distriktobere von Deutschland, inzwischen P. Freys würdiger Nachfolger als „Regens“ von Zaitzkofen, hat mit dieser Kanone voriges Jahr noch auf karmelitische Spatzen geschossen), ist unsere Hoffnung auf eine faire und sachliche Auseinandersetzung schon dahin. In seiner Analyse wähnt Hochwürden hingegen, der „sog. ‚Widerstand’“ seinerseits fahre in seiner Argumentation „schwerstes Geschütz auf“, indem er behaupte, der „Generalobere und die Oberen insgesamt hätten durch einen angeblich liberalen Kurs und die Verhandlungen mit Rom das Werk des Erzbischofs verraten, sie seien von seinem Geist und seiner Linie abgewichen und führten die Bruderschaft dem Ruin entgegen“. Wir halten an dieser Stelle gleich die bedeutsame Tatsache fest, daß für den Herrn Distriktoberen nicht der von ihm ins Spiel gebrachte Teufel, sondern „der Erzbischof“ das schwerste Geschütz ist. Er fährt fort: „Um des Glaubens willen sei es darum notwendig, diesen Oberen den Gehorsam zu verweigern und gegen sie zu kämpfen. Schärfer hätten die vielfach vorgebrachten Vorwürfe nicht formuliert werden können. Aber halten sie der Realität stand?“

Es ist also keineswegs polemisch und unsachlich, dem „Widerstand“ vorzuwerfen, untreu und des Teufels zu sein, hingegen ist es schärfster Vorwurf und schwerstes Geschütz, wenn dieser wiederum den Oberen der „Piusbruderschaft“ vorhält, das Werk „des Erzbischofs“ zu verraten. Das dünkt uns eine recht sonderbare Sichtweise. Sie verrät uns aber viel darüber, wie die Auseinandersetzung zwischen „Widerstand“ und „Pius-Mainstream“ im allgemeinen geführt wird. Es geht nämlich nicht darum, ob der Kurs der „Pius-Oberen“ richtig oder falsch ist, sondern nur, inwieweit sie darin „dem Erzbischof“ folgen oder nicht, und darüber gehen die Ansichten naturgemäß ein wenig auseinander.

3. Die „sachliche Analyse“ unseres Herrn Distriktoberen bewegt sich daher auch nur um diesen einen Punkt: „Worin soll denn der Verrat bestanden haben? – In der Tatsache, daß das Generalhaus ein Abkommen mit Rom wollte, obwohl doch Mgr. Lefebvre nach 1988 klipp und klar gesagt habe, ein Abkommen sei nicht möglich, da man Rom nicht vertrauen könne und, falls es je wieder zu Gesprächen kommen sollte, er als Bedingung den römischen Autoritäten die Frage vorlegen würde, ob sie die vorkonziliaren antiliberalen Enzykliken anerkennten.“ In der Tat wird dies so oder ähnlich von einem Teil des „Widerstands“ als Haupt-Argument vorgebracht. Unser unpolemischer Kämpfer (an sich ein Widerspruch in sich, denn griech. „polemos“ heißt gerade „Kampf“) zitiert dagegen aus einem Brief des „Erzbischof“-Biographen Mgr. Tissier de Mallerais vom 6. Januar 2014: „Wenn Mgr. Lefebvre vor allem ein Mann des Glaubens und der Weisheit war, so hat er doch eine gute Dosis Pragmatismus besessen … . Mit natürlichem Scharfsinn und übernatürlicher Geistesgesinnung folgte Mgr. Lefebvre den Wegen der göttlichen Vorsehung. So suchte er stets günstige Gelegenheiten, um mit Rom Kontakte zu knüpfen und unsere kanonische Anerkennung wieder zu erlangen.“

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