Vom Lehramt zum Leeramt IV.2

von antimodernist2014

Johannes Paul II. steht uns in wenigen Tagen als „Santo subito“ ins Haus. Hier der zweite Teil unserer kleinen Studie über Karol Wojtyla, den „Wissenden“.

Das interreligiöse Gebetstreffen von Assisi

Karol Wojtyla war überzeugt, daß jeder Mensch, gleichgültig welcher Religion er angehört, zu Gott betet. Auf der Ebene der Spiritualität sah er schon die universale, weltumspannende Einheit am Werk, die es zu verwirklichen galt. In seiner Botschaft zum sechsten Brüsseler Folgetreffen an den Präsidenten des „Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen“, Kardinal Edward Idris Cassidy, vom 10.9.1992, äußert er sich, wie glücklich, dankbar und erfreut er über das interreligiöse Friedensgebet sei. Er selber fühle sich gedrängt, im Sinne des ersten Treffens von Assisi fortzufahren und fordere alle dazu auf, den „Geist von Assisi“ zu leben und zu verbreiten. In seiner Botschaft legt Johannes Paul II. erneut dar, wie er selber das Wesen dieses Gebetstreffens der Religionen sieht und wie er es verstanden wissen will:

„Die Gebetstreffen selbst machen die Solidarität der Gläubigen der verschiedenen Religionen untereinander deutlich und sind ein Zeugnis für die Welt. Sie sind ein Beispiel und Antrieb, die uns näher zum Verständnis unter den Völkern bringen. Die Religionen müssen sich ihrer historischen Verantwortung bewußt werden, sich für die Einheit der Menschheit einzusetzen.
Das Gebet ist das Band, das uns am wirksamsten verbindet, weil sich dank ihm die Gläubigen dort begegnen, wo Ungleichheiten, Unverständnis, Groll und Feindseligkeiten überwunden werden, nämlich vor Gott, dem Herrn und Vater aller. Insofern es wahrer Ausdruck der richtigen Beziehung zu Gott und zu den anderen Menschen ist, ist es bereits ein positiver Beitrag zum Frieden“ (Botschaft zum 25. Weltfriedenstag, Nr.4; OR dt. 25.9.1992).

Im Gebet werden die „Ungleichheiten“ vor Gott, dem Herrn und Vater aller, überwunden. Den tieferen Grund dafür nannte Johannes Paul II. schon in seiner Ansprache an die Kardinäle vom 22.12.1986 und er wiederholte das dort Gesagte in seiner Enzyklika Redemptoris Missio vom 7.12. 1990 (Art. 29): „Die Begegnung zwischen den Religionen in Assisi wollte unmißverständlich meine Überzeugung bekräftigen, daß ‚jedes authentische Gebet vom Heiligen Geist geweckt ist, der auf geheimnisvolle Weise im Herzen jedes Menschen gegenwärtig ist‘.“ Wir erinnern uns, das „authentische Gebet“ bestand in Assisi 1986 konkret darin, daß die Vertreter der verschiedenen Religionen in „radikaler Treue“ zu ihren eigenen „Traditionen“ ihre „Gebete“ auch an ihre „Gottheiten“ richteten. Dennoch sollen diese „Gebete“ vom Heiligen Geist geweckt worden sein, weil er „im Herzen jedes Menschen gegenwärtig“ sei. Auf dieser Überzeugung Karol Wojtylas gründen letztlich alle von Rom veranstalteten interreligiösen Friedensgebete.

Nach der Lehre der Kirche jedoch und dem hl. Evangelium haben Vater und Sohn den Heiligen Geist als Frucht der Erlösung in die Herzen der Jünger Christi gesandt (Joh 15,26f; 16,5ff.), in dem wir „Abba“, Vater, sagen dürfen (vgl. Rom 8,15ff.). Und unser göttlicher Lehrmeister sagt ganz unmißverständlich: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, zerstreut“ (Mt 18,30). Wohl bemerkt, „wer nicht mit mir ist“, heißt es. Jesus Christus sagt nicht, wer mich ablehnt, verachtet, verhöhnt, am Kreuz Ärgernis nimmt, der ist gegen mich, weil es ganz selbstverständlich scheint. Nein, auch schon derjenige, der nicht für mich ist, ist schon gegen mich.

Genauso wie die Allerlösungslehre ist auch die spirituelle Einheit der Menschen beim Gebet eine Fiktion, eine Illusion oder ganz einfach ein für einen „Papst“ mehr als erstaunlicher Irrtum. Sobald man den Religionen konkret gegenübertritt und das ökumenische Traumgebäude Karol Wojtylas verläßt, sieht es ganz anders aus. Die Juden erwarten immer noch den Messias, den Mohammedanern sagt der Koran: „Bestimmt haben schon diejenigen den Glauben verweigert, die sagten, ‚Allah, er ist der Messias, Sohn Mariams…‘“, und die Buddhisten bekennen: „Der Gekreuzigte Christus ist ein schrecklicher Anblick, und ich kann nicht anders, in meiner Vorstellung verbindet er sich mit dem sadistischen Impulse einer seelisch überreizten Phantasie.“ Kann dennoch eine solche Religion als Religion ein anonymes Christentum sein? Können beide, zwei Religionen, die sich radikal widersprechen, Heilswege sein? Sicher nicht, denn der eine Weg führt in den Himmel, der andere in die Hölle! Unser göttlicher Herr Jesus Christus verkündet jedem Menschen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Joh. 14,6). Und der hl. Johannes mahnt in seinem ersten Brief die Christen ganz eindringlich: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1 Joh. 2,22). Und nochmals weist er in seinem zweiten Brief darauf hin: „Denn viele Verführer sind in die Welt ausgezogen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist; dies ist der Verführer und der Antichrist“ (2 Joh. 7).

Jedem Katholiken müßte unmittelbar einleuchten, ja spontan als evident erscheinen, daß das Religionstreffen in Assisi ein Irrweg war. Den gemeinsamen Gott der Religionen von Assisi gibt es nicht. Das Friedensgebet von Assisi ist ein Trugbild und zudem eine gefährliche, den Glauben zerstörende Täuschung, wie es Pius XI. noch 1928 in seiner Enzyklika Mortalium animos, gegen die damals schon um sich greifende ökumenische Bewegung erklärt hat:

„Indem man es für so gut wie sicher hält, daß Menschen ohne jegliches religiöses Empfinden sehr selten sind, so meint man zu der Hoffnung berechtigt zu sein, es werde sich folgendes ziemlich leicht erreichen lassen: Wenn auch bei den einzelnen Völkern die Auffassungen über Gott und die Religion sehr unterschiedlich seien, so wäre doch immerhin eine brüderliche Übereinstimmung im Bekenntnis einiger Lehren, gleichsam als ein gemeinsames Fundament des geistig-religiösen Lebens, unter ihnen nicht schwer zu erreichen. Aus diesem Grunde werden von diesen Leuten regelmäßig Kongresse, Tagungen und Vorträge unter recht zahlreicher Beteiligung veranstaltet. Dabei lädt man zur Diskussion unterschiedslos Teilnehmer aus jeder Art von Heidentum ein; ferner Christusgläubige, sowie auch solche, die sich von Christus unheilvoll losgesagt haben, oder die Seine göttliche Natur und Sendung schroff und beharrlich ablehnen.
Derartige Bemühungen können nun freilich unter keinen Umständen von Katholiken gutgeheißen werden. Denn sie stützen sich auf die irrige Meinung jener, welche die Auffassung vertreten: alle beliebigen Religionen seien mehr oder weniger gut und lobenswert; sie alle machen eben sichtbar und geben zu erkennen (wenn auch nicht auf eine einzige Art, so doch in gleicher Weise) jenen uns Menschen natürlichen und angeborenen Gefühlssinn, der uns hin zu Gott bewegt und zur willfährigen inneren Erfahrung Seiner Macht und Gewalt führt.
Die eine solche Ansicht haben, sind nicht nur in Irrtum und Täuschung befangen, sondern indem sie den Begriff der wahren Gottesfurcht und Frömmigkeit entstellen und diese dadurch zurückweisen, gleiten sie auch Schritt um Schritt zum sogenannten Naturalismus und Atheismus ab. Hieraus ergibt sich als eine klare Folgerung, daß sich ein jeder von der göttlich geoffenbarten Religion trennt und lossagt, der solchen Gedankengängen und Bestrebungen beipflichtet. (…) Andere gehen sogar so weit, daß sie das Verlangen äußern, der Papst selbst möge bei ihren – man möchte sagen: buntschillernden – Tagungen den Vorsitz führen.“

Dabei ging es damals nur um Tagungen und bei weitem noch nicht um interreligiöse Gebetstreffen nach der Art von Assisi. Dennoch ist Pius XI. überzeugt: „Die eine solche Ansicht haben, sind nicht nur in Irrtum und Täuschung befangen, sondern indem sie den Begriff der wahren Gottesfurcht und Frömmigkeit entstellen und diese dadurch zurückweisen, gleiten sie auch Schritt um Schritt zum sogenannten Naturalismus und Atheismus ab.“ Und die Wirklichkeit hat ihm durchaus Recht gegeben, das Religionstreffen von Assisi hat den göttlichen Glauben der allermeisten „Katholiken“ durch eine Bewußtseinsveränderung zerstört. Johannes Dörmann urteilte ganz treffend: „Zweifellos hat die augenscheinliche Demonstration der Allerlösungsthese im ‚Ereignis von Assisi‘ eine neue Weltepoche der Religionen eröffnet. Assisi ist in der Tat der ‚Anfang einer neuen Zeit‘.“

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