Der Glaube

von antimodernist2014

1. Im Evangelium des heutigen „Weißen Sonntags“ spricht der Heiland zum „ungläubigen Thomas“ die Worte: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, hast du geglaubt; selig, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). Wohl kaum eine Tugend dürfte heute so unbekannt und unterschätzt sein wie der Glaube, was wir nicht zuletzt der „Konzilskirche“ und ihren „Konzilspäpsten“ verdanken. Allen voran der ausgerechnet heute „heiliggesprochene“ Wojtyla hat auf diesem Gebiet ganze Arbeit geleistet durch seinen schrankenlosen Ökumenismus. Darum hier eine kurze Darlegung über den Glauben nach dem Katechismus des (wahrhaft!) heiligen Thomas von Aquin.

2. Der Glaube, sagt der heilige Thomas, „ist das erste, was jedem Christen zum Heile notwendig ist“. „Ohne ihn kann niemand ein Christgläubiger genannt werden.“ Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein unter Christen, heißt es doch schon im Hebräerbrief: „Ohne Glaube ist es unmöglich, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6). Dabei ist jedoch nicht irgendein Glaube gemeint, sondern der christ-katholische, d.h. das feste Anhangen unseres Verstandes an die uns durch Jesus Christus übergebene und durch die Kirche gelehrte Offenbarung.

3. Nach dem Aquinaten bringt uns der Glaube „ein vierfaches Gut“. Erstens nämlich verbindet er die Seele mit Gott. „Durch ihn geht die Seele mit Gott gleichsam eine Ehe ein: ‚Ich verlobe Mich mit dir im Glauben‘ (Os 2,20). Daher wird der Mensch bei der Taufe zuerst gefragt: ‚Glaubst du an Gott?’“ Darum die Taufgelübde und auch das weiße Kleid, von welchem der heutige Sonntag seinen Namen hat. Die Taufe nämlich ist das „erste Sakrament des Glaubens“. „Deshalb sagt auch der Herr: ‚Wer sich zum Glauben wendet und sich taufen läßt, wird gerettet werden‘ (Mk 16,16); denn ohne den Glauben nützt die Taufe nichts.“ Das gegen jene Ökumenisten, welche immer darauf hinweisen, daß andere Christen ja auch getauft seien. „Man muß also wissen, daß niemand Gott wohlgefällig ist ohne den Glauben“, und zwar den wahren Glauben.

Zweitens beginnt in uns durch den Glauben bereits das ewige Leben. Denn dieses besteht „in nichts anderem als in der Erkenntnis Gottes: ‚Das ist das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, erkennen‘ (Joh 17,3)“. Die Gotteserkenntnis aber „beginnt in diesem Leben durch den Glauben und wird vollendet im zukünftigen Leben, wo wir Ihn erkennen werden, wie Er ist“. Wie der heilige Paulus sagt: „Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin“ (1 Kor 13,12). „Deshalb heißt es: ‚Der Glaube ist der Inbegriff der zu erhoffenden Dinge‘ (Hebr 11,1). Niemand kann daher zur Seligkeit, die in der vollendeten Gotteserkenntnis besteht, gelangen, der nicht zuerst Gott im Glauben erkannt hat. ‚Selig, die nicht sehen und doch glauben!‘ (Joh 20,29).“ An anderer Stelle nennt daher der heilige Thomas den Glauben sozusagen die „Schule“ für den Himmel.

Das dritte Gut beschert uns der Glaube, indem er das gegenwärtige Leben lenkt. „Denn um recht zu leben, muß der Mensch wissen, was zu einem rechten Leben erforderlich ist. Wenn er aber diese notwendige Kenntnis ganz durch eigenes Bemühen erwerben müßte, würde er entweder gar nicht dazu gelangen oder erst sehr spät. Der Glaube aber lehrt alles, was zu einem rechten Leben nötig ist.“ Was nämlich lehrt uns der Glaube? Er lehrt, „daß es einen Gott gibt, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft, daß es ein anderes Leben nach dem Tode gibt und dergleichen mehr, was uns behilflich ist, das Gute anzustreben und das Böse zu vermeiden: ‚Der Gerechte lebt aus dem Glauben‘ (Hab 2,4).“ Wir sehen gerade hier, wie sehr der Glaube heute überall fehlt. Die meisten Menschen wissen nicht mehr recht zu leben. „Wieviel der Glaube uns lehrt, geht auch daraus hervor, daß kein Philosoph vor der Ankunft Christi mit all seiner Bemühung so viel von Gott und von dem, was zum ewigen Leben notwendig ist, zu wissen vermochte, wie nach der Ankunft Christi ein altes Weiblein durch den Glauben weiß.“ Erst recht gilt das für die moderne, gottlose Wissenschaft, die uns trotz all ihrer beeindruckenden Erkenntnisse und Ergebnisse nichts darüber sagen kann, was zum ewigen Leben notwendig ist.

Viertens endlich hilft uns der Glaube bei der Überwindung der Versuchungen, die gerade heute wie Heuschreckenschwärme auf uns einstürmen. Jede Versuchung nämlich kommt „entweder vom Teufel oder von der Welt oder vom Fleische“, wie uns der heilige Thomas sagt. „Der Teufel versucht, uns vom Gehorsam gegen Gott und von der Unterwerfung unter Seinen Willen abzuziehen.“ Diese Versuchung überwindet der Glaube, indem er uns lehrt, daß „Gott der Herr aller Dinge ist und daß Ihm daher Gehorsam gebührt“. So hat auch der Heiland in der Wüste den Versucher abgeschmettert: „Geh hinweg, Satan! denn es steht geschrieben: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen’“ (Mat 4,10). Die Versuchung durch die Welt besteht darin, „uns durch Glück zu verlocken und durch Unglück abzuschrecken“. Dagegen zeigt uns der Glaube ein „anderes, besseres Leben“ im Himmel und läßt uns die Güter der Welt geringachten und ihre Übel nicht fürchten, „zumal er uns andere, größere Übel vorstellt, nämlich die der Hölle“. „Das Fleisch schließlich versucht uns, indem es uns zu den augenblicklichen Freuden des gegenwärtigen Lebens hinzieht. Aber der Glaube zeigt uns, daß wir, wenn wir ihnen ungebührlich nachhängen, die ewigen Freuden verlieren.“

4. Nach Lenin ist bekanntlich die Religion das „Opium des Volkes“. Das Gegenteil ist der Fall. In Wahrheit ist sie dessen Stärkung, Ernüchterung und Ertüchtigung nach dem Wort des heiligen Paulus: „Ziehet an die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels. Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet die ganze Waffenrüstung Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget. Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen“ (Eph 6,11-16). Wie uns der heilige Johannes in der heutigen Lesung sagt: „Das ist der Sieg, der die Welt überwindet: unser Glaube“ (1 Joh 5,4). Darum haben die Menschen heute keine Widerstandskraft mehr gegen die Versuchungen, weil sie keinen Glauben mehr haben.

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