Das Geheimnis Mariä

Diese Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen umfaßt zwei Bereiche:

Sie wendet sich einerseits persönlich an jeden Katholiken, denn Maria fordert die von allen zu übende Sühneandacht, deren einfachste Form Unsere Liebe Frau am 10. Dezember 1925 in Pontevedra der Seherin Lucia offenbarte und mit einer Verheißung bekräftigte: „Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten, und teile mit, daß ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosenkranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten.“

Anderseits wendet sich die Gottesmutter aber auch besonders an den Papst und alle Bischöfe der Weltkirche, indem sie von ihnen einen ganz besonderen Akt des Glaubens und des übernatürlichen Vertrauens in ihre fürbittende Allmacht verlangt, wie Unsere Liebe Frau Schwester Lucia am 13. Juni 1929 in Tuy, Spanien, mitteilte: „Es ist der Augenblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen. Er verspricht, sie durch dieses Mittel zu retten.“ Maria bringt mit dieser Forderung zum Ausdruck, daß alle natürlichen Mittel in diesem endzeitlichen Kampf unzureichend sind und deswegen sicher versagen müssen. Es gibt deswegen nur noch ein einziges, übernatürliches, vom Himmel gewährtes und gefordertes Mittel, um die Katastrophe zu verhindern. Dieses letzte Mittel ist ein vollkommener Akt des Glaubens der Kirche, der öffentlich zu leisten ist von ihren verantwortlichen Vertretern (also dem Papst und den Bischöfen, welche die Jurisdiktion über die Kirche inne haben, also die von Gott gegebene Rechtsvollmacht, die Kirche zu leiten). Dieser vollkommene Akt des Glaubens ist die Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Mit dieser Weihe zeigen der Papst und die Bischöfe vor der ganzen Welt, daß sie dem Unbefleckten Herzen Mariens zutrauen, die Feinde der Kirche und des Glaubens zu besiegen.

Wie erschütternd ist die Tatsache, der Papst und die Bischöfe haben nicht auf die Bitten der allerseligsten Jungfrau gehört, sie haben diese Weihe nicht vollzogen! Als unmittelbare Folge dieses verweigerten Glaubensaktes trat das ein, was Maria prophezeit hatte: Es kam ein weiterer, noch schlimmerer Krieg, und Rußland ging daran, seine Irrlehren in der ganzen Welt zu verbreiten. Das war jedoch nur der weltliche Teil der Katastrophe. Durch den 2. Weltkrieg wurde Europa nicht nur politisch neu geordnet, es wurde zudem im Untergrund der Modernismus weiter vorangetrieben und sehr bald nach dem Weltkrieg wurden die Weichen für das 2. Vatikanum gestellt.

Doch müssen wir nochmals kurz zurückschauen, um richtig verstehen zu können, welche weiteren furchtbaren Folgen die Weigerung der Päpste und Bischöfe für die Kirche hatte. Wie wir gesehen haben, hat Maria, die Schlangenzertreterin, alles versucht, den Zusammenbruch noch einmal zu verhindern. Schwester Lucia hatte „Mariens Wunsch, die Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens jetzt vorzunehmen“, sogleich „ihrem Beichtvater Francisco Rodriguez S.J.“ mitgeteilt, „der ihn nach Rücksprache mit dem Bischof von Leiria nach Rom weiterleitete“.„Als der damalige Heilige Vater Pius XI. aber bis zum Jahre 1931 mehrere auffallend günstige Gelegenheiten, diese Weihe zu vollziehen, verstreichen läßt – darunter z.B. das 1500-jährige Jubiläum des ‘marianischen’ Konzils von Ephesus von 431, da erhält Schwester Lucia im August 1931 in Rianjo, einer kleinen portugiesischen Küstenstadt nahe Pontevedra, die erschreckende Mitteilung, daß das Papsttum gleich den Bourbonen untergehen wird, da es sich geweigert habe, Rußland zu weihen. So wie letztere sich in der Gestalt Ludwigs XIV. 1689 geweigert hatten, ihr Land auf den Hinweis der hl. Margareta Maria Alacoque hin dem Heiligsten Herzen Jesu zu weihen – und einhundert Jahre später ihres Thrones verlustig gingen – , so würde auch das Papsttum aufgrund seiner Weigerung, Rußland dem Unbefleckten Herzen zu weihen, untergehen“ (aus: „Petrus und die Herodianer“ von Helmut Waldmann; vgl. Ferdinand Baumann SJ, Fatima und die Rettung der Welt).

Man kann es kaum fassen, die Päpste und die Bischöfe der Welt haben ihre himmlische Glaubensprobe nicht bestanden! Sie versagten Gott – genauso wie damals Ludwig XIV. 1689 – diesen reinen und übernatürlichen Glauben, wohl vor allem aufgrund diplomatischer Rücksichten. Sie wählten die natürlichen Mittel der weltlichen Klugheit, anstatt das von Gott geforderte übernatürliche Mittel des Vertrauens auf das Unbefleckte Herz Mariens anzuwenden! Gott hat Seinerseits die Konsequenzen aus dieser unfaßbaren Glaubensverweigerung gezogen – und wir stehen sprachlos vor der Erfüllung der furchtbaren Prophezeiung von La Salette: „Die Kirche wird verfinstert. – Rom wird den Glauben verlieren.“

Diese Möglichkeit der Verfinsterung der Kirche wollen viele deswegen nicht sehen und ernst nehmen, weil ihnen diese mit dem Dogma von der Sichtbarkeit der Kirche in Widerspruch zu stehen scheint. In der Zeitschrift „Cahiers de Cassiciacum“ wurde schon vor Jahren sowohl die Schriftgemäßheit als auch die theologisch-spekulative Möglichkeit eines weitgehenden, ja fast vollständigen zeitweiligen Ausfalls der Sichtbarkeit der kirchlichen Hierarchie und damit der Kirche selbst wie folgt dargelegt: „Auf der einen Seite fragt der Herr in der Tat, ob der Glaube in dieser Epoche bestehen bleiben werde (Lk 18,8); auf der anderen Seite kündigt der Prophet Daniel an, daß das immerwährende Opfer – das heilige Meßopfer gemäß der allgemeinen und sich im übrigen aufdrängenden Auslegung – zur Zeit des Antichristen abgeschafft werden werde (Dan 12,11). Solche Bedingungen entsprechen exakt einer Verdunkelung des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und mithin des Lehramts, das normalerweise für das eine wie für das andere Sorge trägt. Diese Abwesenheit des Lehramts wird durch die Tatsache bestätigt, daß die Auserwählten Gefahr laufen werden, durch die falschen Propheten irregeführt zu werden (Mt 24,24). Wäre diese Gefahr möglich für die Auserwählten, wenn das Lehramt da wäre, um sie zu leiten? – Diese in den Tatsachen offenbar werdende Möglichkeit von ‚Verfinsterungen‘ stimmt perfekt mit der katholischen Lehre von der Kirche überein“ („Cahiers de Cassiciacum“ Nr. 3-4, Februar-Mai 1980, 167).

Fassen wir also nochmals zusammen: Rom hat den Glauben verloren und die Kirche ist verfinstert worden. Wir sollten durchaus nicht leichtfertig vergessen, ehe Rom im Sumpf des jeglichen übernatürlichen und natürlichen Glauben zerstörenden Modernismus versunken ist, hatte es den übernatürlichen Glauben an die göttliche Hilfe schon verloren gehabt, den Glauben an den sieghaften Triumph des unbefleckten Herzens Mariens über die Irrtümer des atheistischen dialektischen Materialismus Rußlands! Nur dieses ungläubige Rom konnte nach der Neuausrichtung der vatikanischen Ostpolitik mit diesem Todfeind kooperieren und schließlich den Götzen der ganzen Welt nachlaufen und dienen.