Informelles Treffen

von antimodernist2014

1. Ein „Internet-Gerücht“ hat wieder für einigen Wirbel in „Traditionalisten“-Kreisen gesorgt: Papst Franziskus habe irgendwann in den vergangenen Monaten den Generaloberen der „Piusbruderschaft“, Mgr. Fellay, im Vatikan empfangen. Der Blog „Rorate Coeli“ war offensichtlich der erste, der dieses Gerücht streute. „I.Media“ wußte daraufhin gleich noch Genaueres zu berichten. Demnach habe sich der „Pius-General“ zusammen mit seinen beiden „Assistenten“ vor einigen Monaten zu einem Treffen mit der Glaubenskongregation in den Vatikan begeben. Die beiden „Assistenten“ hätten einer Privatmesse des Papstes beigewohnt (ohne freilich zu konzelebrieren, wie eigens betont), bei einem anschließenden Mittagessen im Speisesaal des Gästehauses St. Martha, in welchem bekanntlich auch Franziskus residiert und speist, sei es zu einer kurzen Begegnung zwischen dem Papst und Mgr. Fellay gekommen.

2. Während die hochwürdigen und hochwürdigsten Herren der „Piusbruderschaft“ gewöhnlich gar nicht reagieren oder solche Dinge einfach mit dem Hinweis auf „Internet-Gerüchte“ abtun, folgte diesmal auffallenderweise umgehend ein offizielles Dementi des „Pius“-Generalhauses, das sogleich von „DICI“ und den regionalen Webseiten der verschiedenen „Pius“-Distrikte verbreitet wurde. Darin wurde vor allem darauf hingewiesen, daß die Herren „Assistenten“ des Generaloberen keineswegs an einer Papstmesse teilgenommen hätten (wieso eigentlich nicht?). Ferner habe sich die ganze Angelegenheit folgendermaßen zugetragen: „Am 13. Dezember 2013 begab sich Mgr. Fellay mit seinen beiden Assistenten auf Anfrage der Kommission Ecclesia Dei für ein informelles Treffen nach Rom. Am Ende dieser Unterredung lud Erzbischof Guido Pozzo, Sekretär der Kommission, die Gesprächsteilnehmer zum Mittagessen in das Gästehaus Santa Marta ein, wo sich ihnen Bischof Augustine Di Noia, der beigeordnete Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, beigesellte.“ Da in diesem „großräumigen Refektorium“ zufällig auch der Papst seine Mahlzeiten einzunehmen pflege und Erzbischof Pozzo darauf gedrängt habe, sei es zu einer kurzen Begegnung zwischen Mgr. Fellay und Franziskus am Ausgang des Speisesaales gekommen, bei dem nur einige Höflichkeiten ausgetauscht wurden, was lediglich „einige Sekunden“ in Anspruch nahm.

Die Stellungnahme wiederholt die Worte Seiner Exzellenz Fellay aus einem Interview mit der Zeitschrift Le Rocher c’est le Christ: „Es gibt eine ‚inoffizielle‘ Annäherung Roms, um mit uns Kontakt aufzunehmen und damit hat es sich. Ich habe nicht um eine Audienz ersucht, wie ich es nach der Wahl Papst Benedikt XVI. machen konnte. Zur Zeit liegen für mich die Dinge sehr einfach: wir bleiben, wie wir sind. Gewisse Leute wollten aus den näheren Kontakten mit Rom im Jahre 2012 schliessen, dass ich die Notwendigkeit einer kanonischen Anerkennung als höchstes Prinzip erachte. Die Bewahrung des Glaubens und unserer katholischen traditionellen Identität ist aber erstrangig und bleibt unser erstes Prinzip.“

Ein Treffen zwischen dem gesamten „Generalrat“ der „Piusbruderschaft“ und beiden Sekretären der Kommission „Ecclesia Dei“ samt kurzer Papst-Begrüßung als „informell“ und „’inoffizielle‘ Annäherung Roms“ zu bezeichnen, scheint uns gelinde gesagt ein „Understatement“. Im übrigen erinnert uns die Begebenheit an jenes kurze Treffen zwischen dem Generaloberen und Papst Wojtyla im Jahr 2000, das ebenfalls erst im nachhinein aufgrund von „Gerüchten“ zugegeben wurde und den Auftakt zu jenem „Prozeß der Annäherung und Verständigung“ (P. Frey) mit dem „konziliaren Rom“ bildete, der 2012 um ein Haar ans Ziel gelangt wäre.

3. Warum wundert uns das Ganze nicht? Erstens, weil es nie die mindesten Anzeichen gab, daß die Führung der „Piusbruderschaft“ ihr Ziel eines Aufgehens in der „konziliaren Kirche“ aufgegeben hätte, ganz im Gegenteil; zweitens, weil der „Rosenkranz-Kreuzzugs-Aufruf“ des Hochwürdigsten „Pius“-Generals vom Dezember vorigen Jahres – wie es der Zufall will also gerade um die Zeit der jüngsten vatikanischen Begebenheit – jeden hellhörig machen mußte, der die Geschichte dieser „Pius-Kreuzzüge“ kennt. Ein solcher „Kreuzzug“ wurde jeweils ausgerufen, wenn ein konkreter politisch-taktischer Schachzug bevorstand, dessen Ergebnis bereits so gut wie sicher war, um dieses den einfältigen Gläubigen als durch eifriges Rosenkranzgebet erlangtes Wunder zu präsentieren. So ließ man etwa das brave Volk für die „Freigabe der alten Messe“ beten, als man bereits sehr präzise wußte, was im bevorstehenden „Motu proprio“ Papst Ratzingers stehen würde, man ließ sie um „Aufhebung der Exkommunikation“ in besonderer Eile beten, als das betreffende Dekret bereits auf dem Schreibtisch des Papstes lag. Jedesmal traf das Ergebnis – welch Wunder! – prompt ein. So rief man denn zum größten aller „Kreuzzüge“ auf, diesmal in zwei Zügen zu je 12 Millionen Rosenkränzen und mit dem „Triumph des Unbefleckten Herzens“ als Motto, welcher nach Planung der Generalität im Sommer 2012 hätte eintreffen müssen. Irgendetwas ging damals schief.

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