Informelles Treffen

Daher nimmt man nun einen neuen Anlauf und hat die „Intention“ etwas genauer gefaßt, nämlich betet man nun um die „Rückkehr der Tradition in die Kirche“. Das aber bedeutet, wie wir bereits festgestellt haben (Rückkehr der Tradition?), nach dem Sprachgebrauch des hochwürdigsten Herrn Generaloberen nichts anderes als den Anschluß der „Piusbruderschaft“ an das „konziliare Rom“. Dieser steht uns demnach in Bälde, wohl noch diesen Sommer, ins Haus. Was ist vor diesem Hintergrund von den piusbruderschaftlichen Dementis zu halten?

4. Man muß dazu wissen, daß die Oberen der „Piusbruderschaft“ und allen voran ihr Generaloberer das benutzen, was wir „Politiker-Sprech“ nennen. Nehmen wir etwa seine Ausflüchte und Windungen in o.g. Interview mit „Le Rocher“, als es um jene berüchtigte Intention der „Rückkehr der Tradition in die Kirche“ geht. Dreimal spricht ihn der Interviewer auf diese zumindest mißverständliche Formulierung an, und dreimal bekommt er praktisch keine Antwort. Das erste Mal sagt uns der Generalobere nur, was er alles „nicht gesagt“ hat, das zweite Mal beruft er sich auf den gewöhnlichen Sprachgebrauch, als ob die „Rückkehr der Tradition in die Kirche“ eine ebenso selbstverständliche Redewendung wäre wie der „Aufgang der Sonne“ oder die „Wiederkehr des Frühjahres“, das dritte Mal erzählt er uns etwas von Analogie und was „Tradition“ alles bedeuten kann – aber was er wirklich gesagt hat, was bei ihm „Tradition“ nun tatsächlich bedeutet, was also seine Rede sagen wollte und sollte, das sagt er uns nicht.

Ein aufmerksamer Beobachter stellt in einem englischsprachigen Internet-Forum einige Widersprüche bei den Aussagen Mgr. Fellays fest:

1. Er erzählt seit 2012 jedem, daß er nicht mehr für ein Abkommen oder eine Wiedervereinigung mit dem modernistischen Rom arbeitet, während die Bestätigung dieses Treffens mit zwei wichtigen Mitgliedern der Kommission Ecclesia Dei (Bischöfe Di Noia und Pozzo) das Gegenteil nahelegt.
2. Er will uns weismachen, daß sein Treffen mit Papst Franziskus am Ende desselben Treffens gewissermaßen „zufällig“ gewesen ist! Er geht zum Essen an demselben Ort, wo der Papst jeden Tag ißt, und man erwartet nicht, ihn zu treffen… Ist er nur hingegangen, um Spaghetti und einen Capuccino zu bestellen?
3. Er behauptet, das Treffen mit der Kommission Ecclesia Dei war rein „informell“. Worüber haben sie gesprochen? Vielleicht über die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien diesen Juni…?
4. Er sagte in einem Interview mit Le Rocher (April-Mai 2014): „Es gibt eine ‚inoffizielle‘ Annäherung Roms, um mit uns Kontakt aufzunehmen und damit hat es sich.“ „Inoffiziell“? „Damit hat es sich“? Die drei wichtigsten Oberen der FSSPX treffen die zweit- und drittwichtigsten Mitglieder der Kommission Ecclesia Dei, und das ist „inoffiziell“?
5. Bei einem Vortrag, den Mgr. Fellay unlängst in Narbonne hielt (11. Mai), bestätigte er, daß „der Vertreter der Bruderschaft mit dem Papst ein Treffen hatte“, was ebenfalls bestätigt, daß die Gespräche der FSSPX mit Rom auf einer sehr hohen Ebene weitergehen! Der kanonische Berater (P. Ramon Angles) von Bischof Fellay trifft den Papst, und das ist „inoffiziell“?

Das eben ist der „Politiker-Sprech“. Man darf das alles nicht so ernst nehmen. Wie ein Politiker einmal sagte: „Was bekümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ Man beachte auch, daß die im „Dementi“ zitierte Passage aus dem „General“-Interview keineswegs abstreitet, daß er weiterhin an einer Einigung mit dem „konziliaren Rom“ arbeitet. Er behauptet lediglich, daß er „die Notwendigkeit einer kanonischen Anerkennung“ nicht „als höchstes Prinzip“ erachtet. Und sein „wir bleiben, wie wir sind“ ist zumindest mehrdeutig. Wir jedenfalls hatten ohnehin keine Hoffnung, daß sich die Oberen der „Piusbruderschaft“ ändern würden.

Unser Beobachter auf dem Blog stellt fest: „All diese Informationen wurden bekannt allein deswegen, weil sie im Internet veröffentlicht wurden. Sonst hätten die Mitglieder und Gläubigen der Bruderschaft nie erfahren, was zwischen der Neo-FSSPX und dem modernistischen Rom vorgeht. Wir fürchten daher, daß es noch viel mehr Informationen gibt, die von Mgr. Fellay über seine aktuellen Kontakte mit Rom verborgen gehalten werden.“ Wie es eben seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten schon so üblich ist.

5. Es soll trotzdem noch Leute geben, die der Führung der „Piusbruderschaft“ vertrauen. Solchen ist ebensowenig zu helfen wie den Wählern, die immer noch an die Wahlversprechen der Politiker glauben. Wir erinnern uns an eine Wahl in Deutschland, als eine der Parteien im Wahlkampf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 oder 2 Prozent forderte, während eine andere Partei steif und fest behauptete, bei ihr werde es keine Erhöhung der Mehrwertsteuer geben. Beide Parteien wurden gewählt und bildeten gemeinsam eine Regierung, welche die Mehrwertsteuer um 3 Prozent heraufsetzte. Das ist Politiker-Mathematik: 1 oder 2 plus 0 ergibt 3. Oder auch: 1 oder 2 mal 0 ergibt ebenfalls 3. Hier bewährt sich einmal mehr das Sprichwort: „Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“