Nachtrag zum Vatertag

von antimodernist2014

Unlängst haben wir ein Gespräch belauscht zwischen einem „Traditionalisten“ und einem „Sedisvakantisten“ über heilige und unheilige Väter, das wir im folgenden protokollieren wollen.

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Was soll dieser ganze Streit um „Sedisvakantismus“ hin oder her? Dabei geht es schließlich nicht um einen Glaubenssatz. Gott wird uns dereinst nicht fragen, ob der Stuhl Petri leer war oder nicht, sondern ob wir den Glauben bewahrt haben. Ansonsten mag jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema haben. Solange er sie nicht fanatisch wie ein Dogma vor sich herträgt und anderen aufzuzwingen sucht, ist es in Ordnung. Ich persönlich bleibe dabei, daß wir einen Papst haben, aber einen schlechten, dem man überall da Widerstand leisten muß, wo er den Ökumenismus und all die falschen Reformen des Konzils lehrt und durchsetzen will.

Du bist also überzeugt, daß wir einen Papst haben? – Ja. Auch wenn ich ganz und gar nicht einverstanden bin mit vielem, was er sagt und tut. Aber er ist doch der Papst. So wie ein schlechter Vater trotzdem der Vater bleibt.

Aber worin erweist sich denn der Papst als unser Vater? Er ist ja nicht unser biologischer Vater. Er müßte eigentlich unser Vater im Glauben sein, oder nicht? – Schon. Aber auch, wenn er darin versagt, so haben wir doch nicht das Recht und die Macht, ihn einfach für abgesetzt zu erklären.

Du meinst also, daß auch ein Häretiker immer noch Papst sein kann? – Ja. Außerdem ist gar nicht sicher, daß die konziliaren Päpste wirklich Häretiker sind, formelle Häretiker meine ich, ob man wirklich von formellen Häresien sprechen kann und ob sie überhaupt schuldhaft irren. Schließlich sind sie ja von der Veränderlichkeit der Wahrheit überzeugt.

Gut, dann versuchen wir, die Sache einmal zu klären. Woher, meinst du, haben wir unseren Glauben? – Von Jesus Christus und den Aposteln, weitergegeben durch die Tradition und die Heilige Schrift. – Richtig. Aber wer bewahrt die Tradition und die Heilige Schrift auf und gibt sie unfehlbar an uns weiter? – Die Kirche. – Abermals richtig. Aber noch etwas genauer: Wer in der Kirche? – Das Lehramt. – Und wer ist das? – Papst und Bischöfe. – Genau. Allerdings müßte man präziser sagen: Der Papst und die mit ihm vereinten Bischöfe. Der Papst verfügt über die persönliche Unfehlbarkeit, während die Bischöfe nur in Gemeinschaft untereinander und mit ihm unfehlbar sind. D.h. daß es beispielsweise nicht möglich ist, daß ein Bischof allein oder gegen den Papst unfehlbar sein kann. – Das ist doch klar! – Offensichtlich nicht so ganz. Denn immer wieder hört man in „Traditionalisten“-Kreisen solche Auffassungen, daß die Unfehlbarkeit der Kirche wenigstens vorübergehend auf einen einzelnen Bischof (und seine Gefolgschaft) übergehen kann und so etwas auch schon vorgekommen ist, z.B. beim heiligen Athanasius. – So ein Quatsch! – Sollte man meinen. Aber nichts ist unsinnig genug, um nicht von irgendwem behauptet zu werden.

Wir bleiben also dabei, daß es der Papst und die mit ihm vereinten Bischöfe sind, denen wir den Glauben verdanken, oder? – So ist es. – Dann ist die Frage aber vielleicht doch nicht ganz so unwichtig, ob wir es bei den konziliaren Päpsten mit wahren Päpsten zu tun haben oder nicht. Denn wenn unser Glaube letztlich vom Papst abhängt und unsere ewige Seligkeit vom Glauben, dann ist das doch eine Sache, die wir nicht einfach beliebigen Meinungen überlassen können, oder was meinst du? – Hmmmmm….

Fragen wir uns also ganz einfach: Geben uns diese Päpste den Glauben oder erhalten oder bestärken sie uns darin? Haben wir unseren Glauben den konziliaren Päpsten zu verdanken? Kann ein Häretiker, auch wenn er vielleicht kein formeller ist oder weniger schuldhaft, uns überhaupt den Glauben geben? Ist also der gegenwärtige „Papst“ wirklich unser Vater im Glauben, unser „Heiliger Vater“? Ist er wirklich unser Glaubenslehrer oder vielmehr ein Glaubenszerstörer? – Manchmal sagt er auch Dinge, die gut sind. – Das tut der Teufel auch. Nochmal ganz konkret: Ist er derjenige, von dem du den Glauben empfängst, ist er DEIN Papst, DEIN Heiliger Vater? – Das ist doch völlig subjektiv. Er ist der Papst, und ich habe nicht das Recht, über ihn zu urteilen.

Du mußt aber urteilen. Zwar nicht öffentlich und rechtsverbindlich, aber für dich. Du mußt urteilen, ob es DEIN Papst ist oder nicht. Denn wenn er dein Papst ist, dann mußt du ihm folgen und gehorchen und kannst dich nicht einfach widersetzen, ohne damit schwer zu sündigen. – Gar nicht wahr. Unbedingten Gehorsam ist man nur Gott schuldig. Der Papst ist trotz allem nur eine menschliche Autorität, und so kann es manchmal nötig sein, Gott mehr zu gehorchen als ihm. – Schön gesagt. Das kann sicherlich bei manchen päpstlichen Befehlen zutreffen. Aber kann es auch dann der Fall sein, wenn er sein eigentliches Lehramt ausübt, wenn er z.B. eine Enzyklika schreibt? – Das kommt darauf an. Wenn er unfehlbar spricht in Ausübung seines außerordentlichen Lehramts, dann natürlich nicht. Aber das ist ja nur ganz selten der Fall. Das meiste ist nicht unfehlbar, wie übrigens auch das Konzil nicht unfehlbar war, weil es ja nur „pastoral“ sein wollte.

Du meinst also, um vom Papst den Glauben zu empfangen, genügt es, daß er hie und da einmal, in ganz seltenen Fällen unfehlbar spricht? Und im übrigen? Woher haben wir all das übrige? Würde es denn genügen, wenn etwa ein Lehrer in der Schule den Schülern so ungefähr jedes Schuljahr einmal einen Satz sagt und sie ansonsten sich selbst überließe? – Dafür haben wir schließlich die Tradition. – Wir haben unseren Glauben also von der Tradition. Aber waren wir nicht übereingekommen, daß wir ihn vom kirchlichen Lehramt haben, das die Tradition bewahrt, auslegt und uns übergibt? – Das sind doch Haarspaltereien! – Keineswegs. Wir haben festgestellt, daß wir nur dann den wahren Glauben haben, wenn wir ihn von der Kirche beziehen, und d.h. vom Lehramt, dem Papst und den mit ihm vereinten Bischöfen. Wenn wir ihn anderswo her beziehen, und sei es aus der Heiligen Schrift oder der Tradition, ist es nicht der gleiche Glaube. – Unsinn! Ihr Sedisvakantisten habt ja auch nur die Heilige Schrift und die Tradition und behauptet trotzdem, den wahren Glauben zu haben!

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