Die drei Zeitalter

von antimodernist2014

1. Der Zisterzienser-Abt Joachim von Fiore (ca. 1130 bis 1202) entwickelte die Lehre von den drei Zeitaltern, die er den drei Personen der heiligsten Dreifaltigkeit zuordnete: dem Zeitalter des Vaters, dem Alten Testament, folgte mit Christus das Zeitalter des Sohnes, das seiner Meinung nach bis gegen 1260 dauern würde. Danach kommt, allerdings erst nach Beseitigung des Antichristen durch eine heilige Person, das dritte Zeitalter des Heiligen Geistes. Dieses Zeitalter, auch „drittes Reich“ genannt, werde ein ausgesprochen glückliches sein, erleuchtet von der „intelligentia spiritualis“, erfüllt mit allen Freuden des himmlischen Jerusalem, wie sie in der Offenbarung des hl. Johannes dargestellt werden. Auch wurde dieses „dritte Reich“ gerne mit den glücklichen „tausend Jahren“ der Apokalypse in Übereinstimmung gebracht, weshalb man auch vom „tausendjährigen Reich“ oder „tausendjährigen Friedensreich“ sprach.

Wie uns allein schon die Ausdrücke „drittes Reich“ und „tausendjähriges Reich“ zeigen, wurde Joachim von Fiore damit zum Ahnherren von bisweilen mehr als zweifelhaften Visionären. Tatsächlich bildet der „Chiliasmus“ (nach dem Griechischen chilia = tausend) oder „Millenarismus“ (nach dem Lateinischen mille = tausend), also die Lehre von einem kommenden glücklichen, tausend Jahre währenden Zeitalter, das Rückgrat so mancher neuzeitlicher Sekte. Er fand in säkularisierter Form als „New Age“ oder „Zeitalter des Wassermanns“ Eingang in die Esoterik und bewegte auch fanatische politische Kräfte. Nicht zuletzt inspirierte die Idee die Väter der „Konzilskirche“, für die mit der Herabkunft des Heiligen Geistes auf dem II. Vatikanum die „Kirche des Neuen Advent“ (nicht zufällig eine Formulierung, die uns an die gleichfalls chiliastischen „Adventisten“ denken läßt) entstand, um das mit dem Jahr 2000 beginnende „neue Zeitalter“ einzuläuten, das vor allem ihr Prophet Wojtyla alias Johannes Paul II. mit aller Kraft beschwor.

2. Also handelt es sich nur um Hirngespinste verworrener Geister? Es mag uns überraschen, wenn wir beim heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort, dessen Schriften im Jahr 1853 durch die römische Ritenkongregation als „von jedem Irrtum, welcher der Heiligsprechung hinderlich sein könnte, frei erklärt“ worden waren, und der am 20. Juli 1947 durch Papst Pius XII. heiliggesprochen wurde, in seinem „Prophetischen Flammengebet“ folgende Zeilen finden: „Das Reich Gottes des Vaters hat gedauert bis zur Sündflut und sein Ende gefunden durch eine Wasserflut; das Reich Jesu Christi fand in einem Strom von Blut seinen Abschluß. Dein Reich aber, o Geist des Vaters und des Sohnes, setzt sich fort in einer Flut von Feuer von Liebe und Gerechtigkeit.“ Sollte es vielleicht doch so etwas geben wie diese „drei Zeitalter“?

Da der dreifaltige Gott der Schöpfer dieser Welt ist, finden sich Spuren der Dreifaltigkeit überall in der Schöpfung. Erst recht dürfen wir erwarten, eine Abbildung der heiligsten Dreifaltigkeit in der Heilsgeschichte zu entdecken. Zwar wirken nach außen alle drei göttlichen Personen stets gemeinsam, dennoch weisen wir gewisse Tätigkeiten oder Äußerungen mehr der einen als der anderen dieser Personen zu, aufgrund des jeweils verschiedenen Ursprungs. Spirago erklärt das in seinem „Volkskatechismus“ so: „Der Vater erzeugt den Sohn (d.h. bewirkt sein Dasein). Daher schreibt man ihm zu das Hervorbringen der vergänglichen Dinge aus Nichts, d.h. das Erschaffen. Man nennt ihn daher ‚den allmächtigen Vater‘ (Apost. Glaubensbekenntnis). Man schreibt ihm auch zu die Barmherzigkeit, weil er uns Sünder wieder zu seinen Kindern annimmt. Er ist der ‚Vater der Barmherzigkeit‘ (2 Kor 1,3). – Der Sohn ist die ewige Erkenntnis des Vaters, die Weisheit. Daher schreibt man ihm zu die Herstellung der schönen Ordnung in der Schöpfung. ‚Alles ist durch ihn gemacht worden‘ (Joh 1,3). Wie der Künstler mit seinem nachdenkenden Verstande den Plan zu einem Werke entwirft, so hat der Vater durch den Sohn die Ordnung in der Welt geschaffen. Auch schreibt man dem Sohne zu die Wiederherstellung der Ordnung durch die Erlösung, und dies umso mehr, weil er hierzu die menschliche Natur angenommen hat. – Der Hl. Geist ist die wechselseitige Liebe des Vaters und des Sohnes. Ihm werden daher alle Wohltaten Gottes zugeschrieben, vor allem die Mitteilung des Lebens bei der Schöpfung. ‚Wie der Vogel über den Eiern ruht, um durch die Wärme in ihnen das Leben zu erwecken, so schwebte bei der Schöpfung der Geist Gottes über den Wassern‘ (hl. Hieronymus). Dem heiligen Geiste wird daher auch die Mitteilung des geistigen Lebens durch die Gnade zugeschrieben, d.h. die Heiligung des Menschen. Ihm, dem ‚Finger an der Rechten Gottes‘, werden zugeschrieben die Wunder; endlich auch das größte Werk der Liebe Gottes, die Menschwerdung.“ Wir sagen daher kurz: „Gott Vater, der uns erschaffen, Gott Sohn, der uns erlöst hat, Gott der Heilige Geist, der uns heilig macht.“

Nun verstehen wir, in welchem Sinn der heilige Ludwig Maria seine drei Zeitalter einteilt. Der Anfang der Schöpfung wird dem Vater zugeschrieben. Mit der Sündflut erhebt sich die Zeit der Wiederherstellung der Schöpfung durch den Sohn. Tatsächlich beginnt mit Noes Sohn Sem die Linie, die schließlich über Abraham, Isaak und Jakob zur Entstehung des Volkes Israel führt und endlich den Sproß des Isai aus dem Hause David und dem Stamme Juda hervorbringt, den Sohn Mariens, Unseren Herrn Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes. Der Heiland erlöst uns durch Seinen Tod am Kreuz und stiftet nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt durch die Herabsendung des Heiligen Geistes auf die Apostel in Gegenwart der allerseligsten Jungfrau Seine Kirche, die dauern wird bis zum Ende der Zeiten. „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,18-20). Das ist das letzte, das dritte Zeitalter, das Zeitalter des Heiligen Geistes, das Zeitalter der Kirche.

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