Die drei Zeitalter

3. Dieses Zeitalter währt also nun schon gut zweitausend Jahre. Was aber ist dann mit dem „tausendjährigen Reich“? Und spricht nicht auch der heilige Ludwig Maria in seinem „Flammengebet“ prophetisch von einer noch kommenden Zeit, wenn er sagt: „Wann wird diese Feuerflut der reinen Liebe kommen, die Du auf der ganzen Erde entzünden und sanft und mächtig anfachen wirst, damit alle Völker, die Türken, die Götzendiener, ja selbst die Juden davon erfaßt und sich zu Dir bekehren werden? Non est, qui se abscondat a calore ejus (Ps 18,7, ’niemand kann sich vor seiner Glut verbergen!’“? Und weiter: „Accendatur: Dieses göttliche Feuer, das Du, o Jesus, auf diese Erde bringen willst, möge sich entzünden, bevor Du das Feuer Deines Zornes senden wirst, das alles in Asche verwandeln wird. Emitte Spiritum tuum, et creabuntur, et renovabis faciem terrae (Ps 103,30), ’sende aus Deinen Geist und sie werden erschaffen werde, und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern!‘ Ja, sende diesen feurigen Geist auf die Erde, um Priester zu schaffen ganz voll Feuereifer, durch deren Dienst das Angesicht der Erde erneuert und Deine Kirche wiederhergestellt wird.“

Nach der Sicht des heiligen Ludwig Maria findet jedes dieser Zeitalter in einer „Flut“ seinen Abschluß und Höhepunkt. Die Sündflut, die nicht zufällig der Entstehung der Erde ähnelt, als diese ebenfalls ganz von Wasser umflutet war, ist in gewisser Weise eine Neuschöpfung, welche das Böse vom Angesicht der Erde tilgt (wenngleich nicht aus dem Herzen der Menschen, wie sehr schnell an Cham zeigte) und so den Boden für Christus bereitete. Abschluß und Höhepunkt des Werks unseres Heilands war Sein heilbringender Tod am Kreuz, als Er Sein Blut für uns vergoß und uns erlöste, „in welchem wir die Erlösung haben durch Sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7). Steht das Wasser für die Schöpfung und den Vater, das Blut für den Sohn und die Erlösung, so das Feuer für den Heiligen Geist und die Vollendung. „Denn nach ihrem eigenen Willen ist ihnen dies verborgen, daß von alters her Himmel waren und eine Erde, entstehend aus Wasser und im Wasser durch das Wort Gottes, durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging. Die jetzigen Himmel aber und die Erde sind durch sein Wort aufbewahrt, für das Feuer behalten auf den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen“ (2 Petr 3,5-7).

4. Das Reich des Hl. Geistes findet demnach seinen Abschluß in einer Feuerflut, dem Weltenbrand am jüngsten Tag, „an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Krachen, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden“ (2 Petr 3,10). Zuvor aber sieht der heilige Ludwig Maria noch eine andere Feuerflut kommen, eine gewisse Vollendung oder der Höhepunkt des Zeitalters der Kirche. Er sieht eine Zeit voraus, in welcher „alle Völker, die Türken, die Götzendiener, ja selbst die Juden“ sich zu Christus und zur Kirche bekehren werden. Er prophezeit überdies, daß „gerade für die letzten Zeiten Gott beschlossen“ hat, „im Verein mit seiner heiligen Mutter Heilige großzuziehen, welche die Mehrzahl der anderen Heiligen an Heiligkeit soweit übertreffen werden, als die Zedern des Libanon über das niedere Gesträuch emporragen“. Eben das wird das überragende Werk des Heiligen Geistes sein.

„Gott der Heilige Geist, unfruchtbar in der Gottheit, insofern er keine andere göttliche Person hervorbringt, ist fruchtbar geworden durch Maria, welche er sich vermählt hat. Mit ihr, in ihr und von ihr hat er sein Meisterwerk hervorgebracht, welches ist der menschgewordene Sohn Gottes. Auch heute noch bringt er in gleicher Weise die Auserwählten hervor und wird sie als Glieder jenes anbetungswürdigen Hauptes auch in Zukunft hervorbringen bis zum Ende der Zeiten.“ „Maria hat im Verein mit dem Heiligen Geiste das Größte hervorgebracht, was es je gegeben hat und geben wird, nämlich den Gott-Menschen. Daher wird sie auch die größten Dinge hervorbringen, wenn die letzten Zeiten kommen werden. Die Bildung und Erziehung der großen Heiligen, welche gegen das Ende der Zeiten auftreten werden, ist ihr vorbehalten. Denn nur diese einzig wunderbare Jungfrau kann im Verein mit dem Heiligen Geiste diese einzigartigen und außerordentlichen Geschöpfe hervorbringen.“ Wir nennen darum dieses letzte Zeitalter des Heiligen Geistes auch das „marianische Zeitalter“.

In diesen großen Heiligen der Endzeit, diesen „einzigartigen und außerordentlichen Geschöpfen“, findet gewissermaßen das Schöpfungswerk des Vaters, das Erlösungswerk des Sohnes und das Heiligungswerk des Heiligen Geistes, also das gesamte Heilsgeschehen seinen krönenden Höhepunkt und Abschluß. Es wird dies gewiß ein „goldenes Zeitalter“ sein, wenn alle Völker in der einen Kirche Christi geeinigt sein werden, wenn diese großartigen Heiligen nach den Worten der Apokalypse „herrschen“ werden und obendrein der Satan „gebunden“ sein wird, wie uns die Offenbarung des heiligen Johannes verrät. „Tausend Jahre“ nennt er diese Zeit nicht wegen ihrer wirklichen Zeitdauer, sondern wegen ihrer Vollkommenheit. Sie kann auch wesentlich kürzer sein, was auch wahrscheinlich ist.

5. Da jedoch die erbsündliche Gefallenheit des Menschengeschlechtes bestehen bleibt und daher das Streben des menschlichen Herzens weiterhin böse ist von Jugend an (Gen 8,21), werden Lauheit, Bosheit, Sünden und Laster wieder zunehmen und Gott veranlassen, den Satan noch einmal für kurze Zeit freizulassen, um die Menschen ein letztes Mal zurechtzuweisen, bevor Sein Zorn sich im Weltgericht entlädt, vor dem niemand wird fliehen können.

Davor jedoch dürfen wir uns noch auf jene goldenen „tausend Jahre“ freuen, den Triumph Mariens und das Zeitalter des Heiligen Geistes. Und diese Erwartung ist wichtig für uns, da wir bis dahin sicher noch ein gerüttelt Maß an Todesschatten und Tal der Tränen zu durchschreiten haben. Möge der Tröster, der Heilige Geist, und Seine heiligste Braut Maria uns sicher hindurchgeleiten. Und halten wir den Blick tapfer nach vorne gerichtet, auf eine herrliche Zukunft: den Triumph Mariens und der Kirche, und endlich den neuen Himmel und die neue Erde.