Ich glaube an Gott

von antimodernist2014

1. Der Dreifaltigkeitssonntag erinnert uns an den Einen, wahren, dreifaltigen Gott. Ihn bekennen wir zuerst und vor allem in unserem Glaubensbekenntnis. So sagt der heilige Thomas von Aquin in seiner Erklärung: „Das erste von allem, was die Gläubigen zu glauben verpflichtet sind, ist, daß es einen Gott gibt.“

2. „Gott“ bedeutet nach dem heiligen Thomas „soviel wie ‚Herrscher und Leiter‘ aller Dinge“. „Derjenige glaubt also an Gott, der glaubt, daß alle Dinge dieser Welt von Ihm regiert und geleitet werden.“ Wie weit ist damit der wahre Glaube von jenem deistischen „Gottglauben“ der Freimaurer entfernt, die nur einen „großen Baumeister aller Welten“ kennen, der danach sein Werk mehr oder weniger sich selbst überlassen hat. Wer solches glaubt, glaubt nicht an Gott, wie uns der heilige Thomas versichert.

Er fährt fort: „Wer aber meint, daß alles aus Zufall geschehe, der glaubt nicht, daß es einen Gott gibt.“ Damit ist der „Urknall“-Glaube abgetan und erledigt. „Niemand ist aber so töricht“, meint der Aquinate, „zu bestreiten, daß die Dinge der Natur regiert, geleitet und geordnet werden, denn sie vollziehen sich in einer bestimmten Ordnung und zu bestimmten Zeiten. So sehen wir die Sonne, den Mond, die Sterne und alle anderen Naturkörper einen bestimmten Zeitlauf einhalten, was nicht geschehen würde, wenn sie nur aus Zufall da wären. Wer daher vermeinte, es gäbe keinen Gott, wäre töricht.“ Das hätte sich der heilige Thomas damals nicht vorstellen können, daß einmal eine Zeit kommen würde, in welcher der dominierende Teil der Menschheit genau so töricht sein und sich dabei noch überaus gescheit und überlegen dünken würde und jene für Toren ansehen, die nicht ihre Dummheit teilen. Dabei heißt es schon in der Heiligen Schrift: „Es spricht der Tor in seinem Herzen: Es ist kein Gott“ (Ps 13,1).

So dumm also waren die Menschen im Mittelalter nicht. Wohl aber gab es einige, die zwar glaubten, „daß Gott die Dinge der Natur regiert und ordnet“, jedoch leugneten, „daß Gott auch die Handlungen der Menschen vorhersieht; als ob die Handlungen der Menschen nicht der Vorsehung Gottes unterlägen“. Dagegen gilt, was der heilige Paulus sagt: „Alles liegt bloß und enthüllt vor Seinen Augen“ (Hebr 4,13). Und im Psalm heißt es: „Der Herr sieht’s nicht; nicht merkt es Jakobs Gott! – Ihr Albernen im Volke, werdet klug! Ihr Törichten, wann wollt ihr das begreifen? Nicht hören sollte, der das Ohr erschafft? Nicht sehen, der das Auge bildet? … Die menschlichen Gedanken kennt der Herr“ (Ps 93,8-11).

3. Interessant ist die Begründung, die jene, welche die Vorsehung leugnen, nach dem heiligen Thomas vorbringen: „Sie begründen dies damit, daß sie in dieser Welt oft die Guten leiden und die Bösen glücklich sehen, was eine göttliche Vorsehung in bezug auf die Menschen auszuschließen scheint.“ In der Tat ist das bis heute ein probates Argument der Atheisten und oftmals eine Versuchung für den Glauben der Katholiken. Doch was sagt uns der engelgleiche Lehrer dazu?

„Dies ist aber sehr töricht. Wenn ein der ärztlichen Kunst Unkundiger sieht, wie der Arzt dem einen Kranken Wasser und dem anderen Wein verordnet, nach den Regeln der Heilkunde, könnte er auch meinen, es geschähe aus Zufall, weil er eben die ärztliche Kunst nicht versteht, die aus guten Gründen dem einen Wasser und dem anderen Wein verordnet.“ Ebenso aber handelt Gott: „Er verfügt aus guten Gründen und nach Seiner Vorsehung dasjenige, was den Menschen not tut, und so läßt Er manchmal die Guten leiden und die Bösen glücklich sein. Wer nun meint, dies geschehe aus Zufall, ist wahrlich ein Tor und kann nur deshalb so denken, weil er den Grund und die Feinheit der göttlichen Fügungen nicht erkennt.“ Und wäre es nicht wirklich sehr töricht, zu meinen, man könne und müsse diese erkennen? Spricht doch der Heilige Geist selbst: „Denn so hoch wie der Himmel über die Erde, so hoch sind Meine Wege über eure Wege und Meine Gedanken über eure Gedanken“ (Is 55,9).

Darum folgt: „Wir müssen also fest glauben, daß Gott nicht nur die Dinge der Natur regiert und leitet, sondern auch die Handlungen der Menschen. Denn Er sieht alles, die Gedanken und den verborgenen Willen; deshalb sind die Menschen verpflichtet, das Gute zu tun, denn alles was sie denken oder tun, ist dem göttlichen Blick offenbar.“ Der Glaube führt eben unweigerlich zu praktischen Folgerungen, und das ist oft der eigentliche und tiefere Grund, warum die Menschen lieber Toren bleiben wollen. Das ist der Rückfall ins Heidentum, von dem es im Buch der Weisheit heißt: „Die Menschen alle waren Toren von Natur, weil ihnen die Erkenntnis Gottes fehlte. Denn sie vermochten nicht, aus sichtbaren Vollkommenheiten auf den Seienden zu schließen, und fanden nicht den Künstler bei Betrachtung Seiner Werke… Denn aus der Größe und der Schönheit der Geschöpfe ist durch Vergleiche deren Schöpfer zu erkennen“ (Weish 13,1.5). Heute glaubt man stattdessen lieber an die „Evolution“.

4. Auch die Einheit Gottes folgt für Thomas notwendig aus dem Begriff Gottes als Herrscher und Leiter aller Dinge. „Ferner müssen wir glauben, daß Gott, der alles regiert und leitet, nur Ein Gott ist. Schon die menschlichen Angelegenheiten werden am besten durch Einen regiert und geleitet; denn wenn viele herrschen, entsteht oft Zersplitterung und Verwirrung. Da nun die göttliche Herrschaft die menschliche weit überragt, kann offenbar die Welt nicht durch viele Götter, sondern nur durch Einen Gott regiert werden.“ Das bedeutet Monarchie, und diese ist heute kein populärer Gedanke.

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