Herzenssache

von antimodernist2014

Die wahre Religion kann nur etwas Besonderes sein, etwas Außerordentliches, denn sie ist notwendigerweise etwas Göttliches. Das wird jeder sofort einsehen, der sich nur einen einigermaßen klaren Gottesbegriff bewahrt hat. Die wahre Religion muß das Siegel der Echtheit an sich tragen. Dies muß man heute extra hervorheben, weil nicht nur die Kenntnis des wahren Gottes, sondern auch die Kenntnis der falschen Götter fast ganz verloren gegangen ist – und das, obwohl die falschen Götter heute wieder Legion sind, also sehr sehr viele. Der heidnische Götterhimmel hat sich die letzten Jahrhunderte sozusagen allmählich wieder gefüllt, die Dämonen sind in ihre alten Heimstätten zurückgekehrt, weil sie durch den Un- und Irrglauben der Menschen zurückgerufen wurden. Das ist insofern nicht verwunderlich, weil jede Sünde die Dämonen anzieht, wohingegen die Heiligkeit sie vertreibt. Je mehr darum die Sünde überhand nimmt, desto mehr Macht erhalten die Dämonen. Wenn man heutzutage allein die Sünden gegen das fünfte und sechste Gebot in Rechnung stellt, so muß die Dämonisierung der Welt inzwischen fast vollständig sein. Jedenfalls hat eine Welt – und damit ist die ehemals katholische Welt gemeint –, die einen Roncalli alias Johannes XXIII. und einen Karol Wojtyla alias Johannes Paul II. als Heiligen verehrt, notwendigerweise jegliches Wissen über die wahre Heiligkeit verloren, und es ist zu befürchten, daß sie die bösen nicht mehr von den guten Geistern unterscheiden kann.

Die Dämonen haben zu allen Zeiten ein erstes Ziel angestrebt, wenn möglich zerstören sie das Verhältnis des Menschen zu Gott, indem sie die ungeordneten Leidenschaften zwischen den Menschen und Gott stellen. Diese Strategie war zu allen Zeiten sehr erfolgreich, warum sollten die Dämonen heutzutage von ihr abweichen? Die Dämonen wissen, wie sehr die ungeordneten Leidenschaften des Menschen seine Vernunft verdunkeln und seinen Willen schwächen können, sodaß die Erkenntnis Gottes verloren geht und die Liebe erkaltet. Dem leidenschaftlichen Menschen erscheint Gott als Gegner seiner ungeordneten Wünsche und Begierden, weshalb er Schritt für Schritt unfähig wird zur Wahrheit. Diese Entwicklung ist inzwischen großteils abgeschlossen, der moderne Mensch ist unfähig geworden, göttliche Wahrheit von dämonischer Lüge zu unterscheiden. Das Ergebnis ist die neuheidnische Gesellschaft, die sich um einiges degenerierter präsentiert als die des alten Heidentums. Jeder moderne Mensch wird von diesem neuheidnischen Geist beeinflußt, und viele sind von ihm inzwischen durch und durch geprägt. Deswegen ist die Religion seit Jahrhunderten allgemein am Sinken, die wahre katholische Religion ist damit natürlich gemeint. Wo man hinschaut, begegnet man Verwirrung, Unsicherheit, Irrtum und Mißständen. Es fehlt allgemein am Herz – aber Religion ist Herzenssache. Das ist nicht im modernistischen Sinne gemeint, als wäre die Religion ein Gefühl, ein irrationaler, unerkennbarer Akt der Seele. Sondern es ist damit gesagt, daß die Religion eine grundlegende Entscheidung einer geistigen Person ist, eine Entscheidung, die alles einfordert, den ganzen Menschen mit allen seinen Kräften. Gerade das fällt dem modernen Menschen so schwer, Gott ganz ernst zu nehmen, Ihm mit allen Kräften zu dienen.

Unser göttlicher Lehrmeister sagt, wir müssen Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten, denn solche Anbeter sucht der Vater im Himmel. Wir müssen also Gott mit klarem Verstand, mit lichter Erkenntnis und in der Kraft der Heiligen Geistes anbeten. Getragen von den übernatürlichen Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe – erkennen wir Gott als unseren höchsten Herrn, Schöpfer und Erlöser an und wenden Ihm unser Herz im Heiligen Geist zu. Die Gnade, die unsere Seelen verwandelt, läßt uns Anteil nehmen am göttlichen Leben, sie ermöglicht zwischen uns und Gott eine wahre Herzensgemeinschaft, von einer Tiefe und Innerlichkeit, die nur die Heiligen ganz verstehen, wir aber nur dunkel ahnen.

Unser göttlicher Erlöser weist uns im Laufe der Geschichte öfters auf dieses Sein Herz hin – ganz ausdrücklich und besonders aber im 17. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Rationalismus, der Geisteskälte, dem das Jahrhundert der sog. Aufklärung folgen sollte. Also in einer Zeit, in der sich Gott so sehr zur bloßen Idee verflüchtigt hat, daß der Philosoph Emanuel Kant, der bei seinen Zeitgenossen noch als gottgläubig galt, sich sein ganzes Leben und selbst noch auf dem Sterbebett weigerte, auch nur ein einziges Gebet zu seinem „Gott“ zu sprechen. Was muß das für eine Philosophie sein, die nur noch einen „Gott“ kennt, zu dem man nicht mehr beten kann und darf? Und das, nachdem der ewige Sohn des Vaters Mensch geworden ist und 33 Jahre unter uns gewohnt hat! Was ist das noch für ein Christentum – Emanuel Kant galt immerhin noch als protestantischer Christ – das sich weigert, mit Gott zu sprechen? Was ist das für ein Geist, der unfähig geworden ist, die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres am Kreuz für uns gestorbenen Gottes wahrzunehmen? Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Schüler Kants noch etwas konsequenter als ihr Meister einen Schritt weitergingen: ein „Gott“, zu dem man nicht mehr betet, so schlossen sie ganz zurecht, ist kein Gott. Diese nächste Generation hat sich zudem die Frage gestellt, ob im Grunde der von Kant geforderte autonome Mensch nicht selbst Gott ist? Einen Gott, der nur noch ein Postulat oder Platzhalter ist, so sehr nur noch ein Postulat oder Platzhalter, daß man mit ihm nicht mehr sprechen kann, den kann man auch getrost aus dem System streichen – dann aber bleibt der Mensch ganz sich selbst überlassen und ist den Dämonen ausgeliefert.

Der wahre Gott dagegen hat uns nicht nur etwas, sondern sehr viel, ja Entscheidendes zu sagen, die Ewigkeit Entscheidendes. Dieser wahre Gott hat zudem ein Herz, das ein unerschöpfliches Wohlwollen Seinen Geschöpfen gegenüber in sich birgt. Aber gerade deswegen, weil der wahre Gott ein Herz hat, ist er – menschlich gesprochen – auch verletzlich. Er wartet nämlich auf die Seinem Wohlwollen entsprechende Antwort Seiner Geschöpfe, Er verlangt das freie Bejahen dieses Seines Wohlwollens durch sie und die Bereitschaft, sich diesem Wohlwollen hinzugeben. Und gerade diese freie Bereitschaft zerbricht allmählich im Zeitalter der Aufklärung. Der satanische Hochmut ergreift die Seelen und läßt jeden wahren Aufschwung der Seele zu Gott, oder noch besser des Herzens zu Gott ersterben. Mehr und mehr „Gläubige“ werden sog. Deisten, d.h. sie glauben an einen „Gott“, der in dieser Welt nichts mehr zu tun, zu sagen und zu suchen hat. Ihr „Gott“ ist irgendwo im Himmel droben, unendlich weit von unserer Welt entfernt, und sie sind ihrerseits alleingelassen auf dieser einsamen Erde, die nichts anderes mehr ist als ein winziges Staubkorn im unermeßlich großen Weltall. Es gibt also zwei fein säuberlich getrennte Reiche, in denen sich nichts mehr in die Quere kommen kann. So wie man einerseits Gott gleichsam in Seinen Himmel einschließt und Redeverbot für diese Seine Welt erteilt, nimmt man anderseits die Erde autonom, selbständig, gottunabhängig in Besitz und macht die eigene Vernunft zum Maß aller Dinge. Mit anderen Worten, der Mensch beginnt, Gott zu spielen, was ein sehr gewagtes, riskantes, lebensgefährliches Spiel ist, das auch nicht selten tödlich endet – tödlich für die ewige Glückseligkeit!

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