Ich glaube an die Kirche

von antimodernist2014

1. Es scheint bisweilen, daß infolge der Aufweichung durch den Protestantismus und dann den Ökumenismus selbst viele Katholiken vergessen haben, daß auch die Kirche zu unserem Glauben gehört, nicht weniger als die Dreifaltigkeit oder die Gottheit Jesu Christi und Sein Erlösungswerk. Der heilige Thomas von Aquin schreibt in seiner Erklärung zum Glaubensbekenntnis: „Wie in einem Menschen eine Seele und ein Leib sind und doch verschiedene Glieder, so ist auch die katholische Kirche ein Leib mit verschiedenen Gliedern. Die Seele aber, die diesen Leib belebt, ist der Heilige Geist. Deshalb müssen wir nach dem Glauben an den Heiligen Geist auch den Glauben an eine heilige katholische Kirche bekennen.“

Der Begriff „Kirche“, so unser Lehrer, besagt soviel wie „Versammlung“, „und die heilige Kirche ist daher die Versammlung der Gläubigen, und jeder Christ ist gleichsam ein Glied dieser Kirche“. Sie ist freilich nicht irgendeine Versammlung, sondern eine besondere, die vier Kennzeichen aufweist: „sie ist einig, heilig, katholisch – das heißt allgemein –, und sie ist stark und fest“.

2. Ihre Einigkeit unterscheidet sie von den „verschiedenen Sekten, die die verschiedenen Irrlehrer gestiftet haben“. Diese gehören der Kirche nicht an, denn „jene sind in Parteien gespalten, während die Kirche eins ist“. Ihre Einheit sieht der Aquinate durch die drei göttlichen Tugenden gewirkt: erstens durch die Einheit des Glaubens. „Denn alle Christen, die zum Leib der Kirche gehören, glauben dasselbe.“ Wie der Apostel schreibt: „Es ist nur ein Gott, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,5). Daraus ergibt sich im Umkehrschluß, daß nicht zur Kirche gehört, wer nicht den Glauben hat.

Zweites Bindeglied ist die Einheit in der Hoffnung. „Denn alle stützen sich auf die eine Hoffnung, das ewige Leben zu erlangen.“ Wiederum der heilige Paulus: „Seid ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Auserwählung.“ Die Kirche ist eine ganz auf das Himmlische, auf das ewige Leben hingeordnete Versammlung.

Das Dritte ist die Einheit der Liebe. „Denn alle sind eins in der Liebe Gottes und miteinander durch die gegenseitige Liebe verbunden.“ So sagt der Heiland selbst: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh 13,35). Der heilige Thomas: „Wenn diese Liebe echt ist, offenbart sie sich dadurch, daß die Glieder umeinander besorgt sind und aneinander Anteil nehmen. Und so soll ein jeder mit der ihm von Gott geschenkten Gnade dem Nächsten dienen.“ Das ist sicherlich ein Punkt, an dem jeder Christ sich öfters prüfen sollte, ob er wirklich in dieser Einheit der Kirche ist.

Und in dieser Einheit zu verbleiben, ist von größter Bedeutung. Denn keiner soll „jene Kirche verachten noch verschulden, daß er von ihr getrennt werde; denn es gibt nur eine Kirche, durch die die Menschen gerettet werden können, wie auch außerhalb der Arche Noes niemand gerettet werden konnte“. Diese fundamentale Wahrheit muß gerade in der heutigen Zeit immer wieder betont werden, da selbst viele Katholiken meinen, die Religionszugehörigkeit oder Konfession eines Menschen sei nicht so wichtig. Hingegen war der feste und lebendige Glaube an diese Einheit der Kirche stets der mächtigste Antrieb zu allen Werken der Mission.

3. Die Kirche ist also einig, und sie ist zweitens heilig. „Wohl gibt es auch eine andere Versammlung, nämlich die der Bösen, von der es heißt: ‚Ich hasse die Versammlung der Bösen‘ (Ps 25,5); diese Versammlung aber ist böse, während die Kirche Christi heilig ist.“ „Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“, sagt der heilige Paulus (1 Kor 3,17). Die Heiligkeit der Kirche trennt sie scharf von der unheiligen Afterkirche oder „Synagoge Satans“. Diese ist die „Hure Babylon“, jene aber die heilige und makellose Braut Christi.

Vier Dinge sind es, die der heilige Thomas aufzählt, durch welche die Gläubigen der Kirche geheiligt werden. Erstens durch die Abwaschung. „Denn wie eine Kirche bei der Einweihung durch wirkliches Wasser abgewaschen wird, so sind die Gläubigen gewaschen worden durch das Blut Christi.“ „Er hat uns geliebt und uns in Seinem Blute von unseren Sünden erlöst“ (Apk 1,5; vgl. Hebr 13,12). Auf den Altären der Kirche fließt unaufhörlich das Blut Christi und reinigt die Seelen, namentlich durch die Sakramente der Taufe und der Buße.

Zweitens werden die Gläubigen geheiligt durch die Salbung. „Wie eine Kirche gesalbt wird, so empfangen die Gläubigen geistige Salbung, damit sie geheiligt werden; anders wären sie keine Christen, den ‚Christus‘ heißt ‚der Gesalbte‘. Diese Salbung aber ist die Gnade des Heiligen Geistes.“ So spricht auch der Völkerapostel von „Gott, der … uns gesalbt hat“ (2 Kor 1,21) und sagt: „Ihr seid geheiligt … im Namen unseres Herrn Jesus Christus, durch den Geist unseres Gottes“ (1 Kor 6,11). Darum wird bereits der Täufling mit Chrisam gesalbt und abermals der Firmling und der Priester.

Drittens geschieht die Heiligung durch die Einwohnung der Dreifaltigkeit. „Denn wo immer Gott wohnt, der Ort ist heilig.“ „Deinem Haus geziemt Heiligkeit, o Herr“, heißt es im Psalm (Ps 92,5), und der heilige Paulus: „Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr“ (1 Kor 3,17), „Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euer selbst seid?“ (1 Kor 6,19). Wie eng diese Einwohnung der heiligsten Dreifaltigkeit mit der Einheit der Liebe verbunden ist, sagt uns der Heiland selbst: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und in ihm wohnen“ (Joh 14,23).

Seiten: 1 2