Zur Oktav der Apostelfürsten Petrus und Paulus

von antimodernist2014

Das Fest der hll. Apostel Petrus und Paulus ist ein ganz und gar katholisches Fest, ein Fest, das unser katholisches Herz spontan anspricht und bewegt, wenn auch leider heutzutage eher schmerzlich als feierlich und freudig. Das liegt freilich nicht an den beiden Apostelfürsten, die zu feiern immer eine große Freude ist, sondern an den widrigen Umständen dieser papstlosen Zeit. Eigentlich müßte man heute gewissermaßen die Fahnen auf Halbmast hängen. Denn wie trostlos ist diese Zeit ohne Papst, d.h. etwas genauer, präziser ausgedrückt: Wie trostlos ist es in dieser Zeit der illegitimen Päpste. Denn wenn es gar keine Päpste gäbe, dann wäre ja wenigstens die Sachlage klar, so aber gibt es auch noch darüber Streit, ob denn die Konzilspäpste und ihre Nachfolger überhaupt legitime Päpste sein können oder vielleicht doch nur schlechte Päpste sind, schlechte Päpste, aber immerhin Päpste.

Machen wir uns also ein wenig Gedanken über den hl. Petrus und versuchen wir daraus Gewinn für unseren Glauben zu ziehen. Die hl. Liturgie wählt zum Fest der hll. Apostelfürsten das Evangelium der Amtsverheißung an Petrus. Es ist durchaus wert, diese etwas eingehender zu betrachten, denn die göttliche Vorsehung hat darin einige Erkenntnisse verborgen, die heute wichtig sind. Das Wort Gottes ist erfüllt vom Geist der Wahrheit, der oft ganz überraschend tief und umfassend unter einem sehr einfachen Äußeren verborgen ist.

Der hl. Evangelist Matthäus, der uns diesen Bericht aufgeschrieben hat, gestaltet ihn ungewöhnlich kunstvoll und feierlich. Einleitend erwähnt der den genauen Ort, an dem dieses Gespräch stattfand, es war bei Cäsarea Philippi. Es war durchaus kein Zufall, daß der göttliche Lehrmeister ganz und gar eins mit der göttlichen Vorsehung diesen Ort auswählte. Der Ort hieß ursprünglich Paneas, benannt nach dem Gott der Unterwelt „Pan“, weil sich in der Nähe ein Berg erhob, der am Fuß eine Höhle hatte, die man als Grotte des Pan, ja als Eingang zur Unterwelt, also als Pforte des Hades bezeichnete. Damals stand oben auf diesem Berg ein Tempel, den der Vierfürst dieses Gebietes, Herodes Philippus, dem Kaiser Augustus hatte erbauen lassen. Die römischen Kaiser fingen nämlich mit Augustus an, sich göttliche Ehren erweisen zu lassen. Philippus hatte in kriecherischer Verehrung der Gottheit des Kaisers den Ort Paneas zur „Kaiserstadt“ („Cäsarea“ heißt ja nichts anderes als Kaiserstadt) ausbauen und dann noch diesen Tempel des Augustus auf den Berg über der Höhle errichten lassen.

Das ist also sozusagen die Kulisse unseres heutigen Evangeliums: Der Tempel auf dem Fels über einer Höhle, die schauervoll als „Pforte des Hades“ bezeichnet wurde. Angesichts der heidnischen Götzen stellt Jesus Seinen Jüngern die Frage: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Die Jünger, die predigend umhergezogen waren und schon einige Zeit bei Ihm waren, konnten darauf eine klare Antwort geben. Sie haben es selbst oft gehört und erlebt, was die Leute sagen und welche Gerüchte umhergingen: „Die einen für Johannes den Täufer, die andern für Elias, wieder andere für Jeremias oder einen der Propheten.“

An sich, genau genommen, sind es recht eigenartige Meinungen, welche sich die Menschen von Jesus gebildet haben. Sie meinten, einer der großen Propheten sei wiedererstanden, von Johannes dem Täufer angefangen, über Elias und Jeremias oder einen andern gehen die recht wirren Vermutungen. Der hl. Thomas von Aquin kommentiert diese Stelle in seinem „Catena Aurea – Goldene Kette“ genannten Kommentar: „Er fragt entsprechend: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Denn weil sie vom Menschensohn reden, so sind sie Menschen; die aber, welche seine Gottheit erkennen, heißen nicht Menschen, sondern Götter.“ Das sind also die Menschenmeinungen, die Meinungen jener, die ihren Geist nicht bis zur Höhe der Gottheit erheben können oder auch wollen.

Als der Herr sich dagegen an Seine Apostel wendet, und die Frage stellt: „Ihr aber, für wen haltet ihr Mich?“ – da fordert Er sie auf, Größeres von Ihm zu halten. Er sagt gleichsam zu ihnen: „Seid ihr mit dieser Auskunft einverstanden? Ist das die ganze Wahrheit? Ihr, die ihr die Wunder gesehen habt, die ihr meine Worte gehört habt, meine Weisheit bestaunt habt, was haltet ihr von Mir?“ Nein, ihr sollt nicht wie die Menschen urteilen, die nur das Äußerliche sehen und oberflächlich denken, ihr sollt wie Götter urteilen – also wie Menschen, die nicht nur eine menschliche, sondern eine göttliche Einsicht erlangt haben. Da tritt Petrus hervor und bekennt vor allen: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Hören wir dazu zunächst nochmals den Kommentar des hl. Thomas von Aquin: „Petrus leugnete, dass Jesus etwas von dem sei, wofür ihn die Juden hielten, aber er bekannte: Du bist Christus, was die Juden nicht wußten, sondern, was noch mehr ist: der Sohn des lebendigen Gottes, der auch durch die Propheten gesagt hatte: Ich lebe, sagt der Herr; darum sagte er lebendig, aber im höchsten Sinn, weil er über alles Lebendige hinausragt, weil er allein die Unsterblichkeit hat, und die Quelle des Lebens ist, was eigentlich Gott der Vater heißt. Das Leben ist der gleichsam von der Quelle hervorgehende, welcher sagte (Jo 11): Ich bin das Leben.“ Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes. Ein unglaubliches Bekenntnis für einen Juden, für einen, der den wahren, einzigen Gott bekennt, der in unzugänglichem Licht wohnt, vor dem die Cherubim und Seraphim erzittern und ununterbrochen ihr „Sanctus, Sanctus, Sanctus“ singen.

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