070707 – der Sieg!

von antimodernist2014

Aus historischem Interesse bringen wir hier unseren Beitrag von vor sieben Jahren zum Motu proprio „Summorum Pontificum“.

1. Nun ist es also geschehen, an jenem symbolträchtigen, geradezu biblischen Datum, dem 07.07.07: Die Apokalypse, die Parusie ist eingetreten, das „Motu aller Proprios“, es ist endlich erschienen, die „alte Messe“ ist „freigegeben“! Die „Petrusbruderschaft“ begrüßt freudig „aus ganzem Herzen mit großer Dankbarkeit die schon lange erhoffte Veröffentlichung des Motu Proprios ‚Summorum Pontificum‘ unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI., das die erweiterte Zulassung der überlieferten Liturgie regeln soll“. „Mit besonderer Freude erfüllt“ sie dabei nach den Worten ihres Distriktoberen „die hierin erfolgte Klarstellung über den bedeutenden Platz, den das Missale des seligen Johannes XXIII. im Leben der Kirche einnimmt“. Benedikt XVI. habe „die tridentinische Messe wieder in ihre Rechte eingesetzt“, so jubelt der Generalobere der „Piusbruderschaft“ und freut sich, „daß die Kirche so ihre liturgische Tradition wiederfindet“. Im Namen seiner Gemeinschaft spricht er „für diese große geistige Wohltat“ „dem Obersten Hirten ihre innige Dankbarkeit aus“. „Mit großer Freude und Dankbarkeit“ begrüßen auch „die in den katholischen Vereinigungen Pro Missa Tridentina, Una Voce Deutschland und Pro Sancta Ecclesia zusammengeschlossenen traditionsverbundenen Gläubigen“ das weltbewegende Ereignis. Es sei dies „ein historischer Wendepunkt in der nachkonziliaren Entwicklung“. Der „seit vielen Jahrhunderten gefeierte klassische römische Ritus“ werde „als außerordentliche Form des römischen Ritus anerkannt“ und erhalte „damit endlich nach mehr als 35 Jahren der de-facto-Abschaffung wieder seinen festen Platz in der Kirche zurück“.

Etwas betroffen stehen wir neben dieser geradezu bacchantischen Welle der Euphorie und fragen uns erschrocken, welchem Rauschtrank diese „Traditionsvertreter“ wohl zugesprochen haben. „Auch diese da schwanken vom Wein, sie taumeln vom Rauschtrank; Priester und Propheten schwanken vom Rauschtrank, sind überwältigt vom Wein; sie taumeln vom Rauschtrank, schwanken bei der Schau, wanken beim Schiedsspruch“ (Is 28,7). Oder wie anders ist eine solche Blindheit und Verblendung noch zu erklären? Denn sehen wir nüchtern auf den Befund, so müssen wir feststellen, daß nichts, aber auch gar nichts, eine solche Begeisterung und einen solchen Jubel rechtfertigen kann. Das in Rede stehende Dokument Benedikts XVI. schreibt im wesentlichen nur die Linie seiner Vorgängerdokumente fort, jenes unseligen „Indultes“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1984 und des noch unseligeren Motu proprio „Ecclesia Dei“ von 1988. Und in dem, worin es darüber hinausgeht, liegt letztlich wahrhaft kein Grund zur Freude, wie wir bald sehen werden.

2. Welche „Freiheiten“ wird die „alte Messe“ – pardon: die „außerordentliche Form“ des „einen römischen Ritus“, wie sie nunmehr heißt, oder auch „Messe des seligen Johannes XXIII.“ – also fortan genießen? In den „Messen ohne Volk“ werden die Priester sie feiern dürfen, „und zwar an jedem Tag mit Ausnahme des Triduum Sacrum“. Und dafür braucht der Priester noch nicht einmal eine Erlaubnis, „weder vom Apostolischen Stuhl noch von seinem Ordinarius“ (das gilt übrigens bei jedweder Privatzelebration „nach dem einen oder dem anderen Meßbuch“, sodaß also auch ein Priester beispielsweise der „Petrusbruderschaft“ keine Erlaubnis braucht, um „privat“ die „ordentliche Form“ zu verwenden). An diesen „Messen ohne Volk“ dürfen „entsprechend dem Recht auch Christgläubige zugelassen werden, die aus eigenem Antrieb darum bitten“, sodaß aus diesen „Messen ohne Volk“ merkwürdigerweise dann doch wieder Messen mit Volk werden, aber privat, im Hinterstübchen, ein erlauchter Kreis, ein verschworener Cercle. Welch ein Fortschritt!

Auch sonst gehen die Bestimmungen, jedenfalls in bezug auf die Messe, kaum über das hinaus, was bereits bisher auf der Grundlage des „Indult“ möglich war. In den Pfarreien darf an Werktagen und höchstens einmal am Sonntag eine Messe in der „außerordentlichen Form“ gefeiert werden, aber nur, „wo eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren Liturgie anhängen, dauerhaft existiert“. Außerdem ist selbstredend „darauf zu achten, daß das Wohl dieser Gläubigen harmonisch in Einklang gebracht wird mit der ordentlichen Hirtensorge für die Pfarrei, unter der Leitung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwietracht zu vermeiden und die Einheit der ganzen Kirche zu fördern ist“. Zwar hat der Pfarrer „Gläubigen oder Priestern, die darum bitten“, auch „zu besonderen Gelegenheiten Feiern in dieser außerordentlichen Form zu gestatten, so zum Beispiel bei der Trauung, bei der Begräbnisfeier oder bei situationsbedingten Feiern, wie etwa Wallfahrten“. Jedoch müssen die „Priester, die das Meßbuch des seligen Johannes XXIII. gebrauchen“, dazu „geeignet und dürfen nicht von Rechts wegen gehindert sein“. Somit sind etwa die Priester der „Piusbruderschaft“ – die ja „offiziell“ als zumindest suspendiert gelten – von diesen großzügigen Gnadengeschenken wiederum ausgenommen, zumal der Begleitbrief Benedikts XVI. zu seinem Motu proprio präzisiert, daß „die Priester, die den Gemeinschaften des alten Usus zugehören, selbstverständlich die Zelebration nach den neuen liturgischen Büchern im Prinzip nicht ausschließen“ dürfen (das gilt dann wohl auch für die Herren von der „Petrusbruderschaft“ oder die von den feinen „Instituten“). Damit sind wir wieder bei den alten Einschränkungen des „Indult“, der ebenfalls seine Privilegien nur denjenigen Priestern zukommen lassen wollte, die den „erneuerten Ritus“ nicht etwa grundsätzlich ablehnen.

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