070707 – der Sieg!

Unterm Strich wird sich bei all den Unklarheiten und Fußangeln dieses Dokuments an der bisherigen Praxis wenig ändern. Der in Sachen „klassische Liturgie“ sehr engagierte emeritierte Philosophieprofessor und Papst-Vertraute Robert Spaemann erklärte gegenüber der Zeitung „Welt“: „Es werden Probleme bleiben, die das Motu Proprio nicht lösen kann, weil sie tatsächlich weiter vom guten Willen der Bischöfe abhängen. Das Motu Proprio geht als Normalfall davon aus, dass sich innerhalb der Pfarreien ’stabile Gruppen‘ bilden, die um die Alte Messe bitten. Wie soll sich aber eine stabile Gruppe bilden, wenn noch nicht existiert, was die Gruppe stabilisieren kann, nämlich die Feier der alten Messe. Bis jetzt zeigt die Erfahrung, dass solche Gruppen überpfarrlich sind. Es schließen sich Menschen aus verschiedenen Pfarreien mit dieser Bitte zusammen. Das Motu Proprio sieht das vor und spricht davon, dass der Bischof auch Personalgemeinden einrichten kann. Das ist es, was wir jetzt im Wesentlichen haben. Dort, wo die alte Messe existiert, wird das wohl auch die Lösung der Zukunft sein. Was im Motu Proprio als Normalfall erscheint, bleibt eher Ausnahme.“

Damit dürfte er recht haben. Der Bischof von Würzburg hat bereits an seine Priester geschrieben, daß eine tridentinische Messe auch ohne Gemeinde „nur in Ausnahmefällen“ gefeiert werden soll, daß dafür keine „Meßfeier mit der Gemeinde ausfallen“ darf und daß „sicher nicht alle Priester des Bistums Würzburg“ für diese Aufgabe in Frage kämen. Erzbischof Zollitsch von Freiburg betont in einem Brief an seine „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, die „Feier der Heiligen Messe in und mit Gemeinde“ werde „wie bisher in der ‚ordentlichen Form‘ geschehen, d. h. in der gewohnten Weise nach dem nach der Liturgiereform erneuerten Messbuch“. „Darauf lege ich großen Wert“, so der Erzbischof. „Den Gläubigen ist diese Form durch die letzten Jahrzehnte vertraut, und die meisten haben sie schätzen gelernt.“ Der Augsburger Bischof Mixa hat erklärt, daß die bereits jetzt in seinem Bistum exisitierenden drei Indultmessen den Vorschriften des Motu proprio durchaus genügen und allenfalls um eine vierte erweitert werden sollen. Die „außerordentliche Form“ wird und soll außerordentlich bleiben.

Es bleibt also im Prinizp alles beim alten. Von einer „klaren rechtlichen Regelung“, wie im Begleitbrief behauptet, kann keine Rede sein. Auch Erzbischof Zollitsch stellt fest, daß „einige Fragen offen“ bleiben, „wie z. B., was geschieht, wenn ein Priester sich nicht in der Lage sieht, entsprechend den Bitten von Gläubigen die Heilige Messe nach dem Römischen Messbuch von 1962 zu feiern? Oder, ab welcher Größenordnung ist eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren Liturgie anhängen, gegeben? Oder, was heißt das, dass eine solche Gruppe ‚dauerhaft existiert‘.“ Letztlich bleibt es doch wieder den Bischöfen überlassen, wie sie die Dinge handhaben wollen. Daran wird auch die päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ nichts ändern, die „die Autorität des Heiligen Stuhls ausüben“ soll, „indem sie über die Beachtung und Anwendung dieser Anordnungen wacht“. Wenn man weiß, mit welchem Einsatz und Mut diese Kommission ihr Wächteramt in den letzten zwei Jahrzehnten gegenüber den traditionsfeindlichen Bischöfen ausgeübt hat, wird man wenig Hoffnung haben können.

3. „Die Päpstliche Kommission ‚Ecclesia Dei‘, die von Johannes Paul II. im Jahr 1988 errichtet wurde, fährt fort mit der Erfüllung ihrer Aufgabe“, heißt es in Artikel 11 des Dokuments. Damit ist die Kontinuität mit jenem Motu proprio Johannes Pauls II., dem besagte Kommission ihren Namen verdankt, hergestellt. Wie wir bereits in einem früheren Beitrag gesehen haben, versucht jenes Dokument von vor 19 Jahren das „Schisma“ von 1988 zu überwinden, d.h. die letzten antimodernistischen und katholischen Gläubigen und Priester in jene „Ecclesia Dei“ zu überführen, die wir als die evolutionistische und ökumenistische „Kirche“ des pantheistischen „Gottes“ kennengelernt haben. Dazu wurde ein „Fahrplan“ aufgestellt, der drei Etappen umfaßt: Es soll, so sagten wir, zum einen der allzu rasante und einseitige progressistische Kurs gebremst und gemäßigt werden, es soll das „konservative“ Element wieder mehr Raum und Betonung finden; es soll sodann zweitens eine falsche „Kontinuität“ zwischen der „vorkonziliaren“ und der konziliaren Kirche hergestellt oder vorgetäuscht werden. Drittens wird den Katholiken, die zur Treue entschlossen sind, die Alternative von „Zuckerbrot und Peitsche“ vor Augen gehalten, d.h. man macht ihnen verlockende Angebote, aber nur unter der Voraussetzung, daß sie die Prinzipien der „Ecclesia Dei“ annehmen und sich dieser unterwerfen; andernfalls droht eben die „Peitsche“ der rechtlichen Folgen wie Suspension, Exkommunikation etc.

Es fällt nicht schwer, diese drei Punkte in unserem Motu aller Proprios wiederzufinden – wie übrigens bereits vorhergesagt. In seinem Begleitschreiben spricht Benedikt XVI. von „kaum erträglichen Entstellungen der Liturgie“, die sich nach dem „II. Vatikanum“ angeblich in Folge einer falsch verstandenen Liturgiereform durch „eigenmächtige“ Abweichungen eingestellt haben, indem „das neue Missale vielerorts nicht seiner Ordnung getreu gefeiert“ wurde. Demgegenüber wollte schon Johannes Paul II. den „gerechtfertigten Wünschen“ solcher Gläubiger entgegenkommen, die „um diesen Usus des Römischen Ritus baten“, d.h. um die Feier der Messe des heiligen Pius V., pardon: des „seligen Johannes XXIII..“. Dies sei nun umso mehr notwendig, als „in manchen Gegenden durchaus nicht wenige Gläubige den früheren liturgischen Formen“ mit „großer Liebe und Empfindung“ anhingen und „dies weiterhin“ tun, und obendrein „sich inzwischen gezeigt“ habe, daß auch „junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden“.

Der „Vatikanexperte“ Ludwig Ring-Eifel sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk u.a., das Motu proprio werde „vielleicht Auswirkungen dann auch auf die moderne Form haben, dass man dann sagt, na ja, vielleicht konnte man die moderne Form ja auch wieder etwas würdiger, etwas heiliger, etwas anspruchsvoller gestalten und nicht so, wie es in manchen Gemeinden leider hier und da auch eingerissen ist“. Und: „Es gibt … da unterschiedliche Geschmäcker, und in sofern hat die Zeitung schon Recht, die neulich titelte, der Papst erlaubt jetzt mehr Möglichkeiten. Es gibt eine größere Pluralität, nur dass eben diese Pluralität auch mal in Richtung auf die Konservativen geht.“ Wie wir schon sagten, es soll der allzu rasante und einseitige progressistische Kurs gebremst und gemäßigt werden und das „konservative“ Element wieder mehr Raum und Betonung finden.

Die falsche Kontinuität wird vorgespiegelt durch die geradezu unverfrorene Lüge, es handle sich lediglich um „zwei Ausdrucksformen“ der einen „lex orandi“. Die Messe Unseres Herrn Jesus Christus, die Messe des heiligen Petrus und des heiligen Pius V., sowie die Pseudomesse Pauls VI., die Aftermesse Annibale Bugninis seien „zwei Anwendungsformen des einen Römischen Ritus“! Es sei „nicht angebracht, von diesen beiden Fassungen des Römischen Meßbuchs als von ‚zwei Riten‘ zu sprechen“, wie es im Begleitbrief heißt. Es handle sich „vielmehr um einen zweifachen Usus ein und desselben Ritus“, die „ordentliche“ und die „außerordentliche“ Form. „Es gibt keinen Widerspruch zwischen der einen und der anderen Ausgabe des Missale Romanum.“ Und dazu haben die „Vertreter der Tradition“ noch applaudiert! Eine größere Schmach könnte man der wahren heiligen Messe kaum antun! Umso unverständlicher der „traditionalistische“ Jubel, sie sei nun „in ihre Rechte wieder eingesetzt“ worden!