070707 – der Sieg!

Die tridentinische Messe „gehört“ also nunmehr der „konziliaren“ Kirche. Was hat das für Folgen? Wir werden kaum überrascht sein, wenn wir im Begleitschreiben Papst Benedikts lesen, daß er wünscht, es möchten sich „beide Formen des Usus des Ritus Romanus gegenseitig befruchten“: „Das alte Meßbuch kann und soll neue Heilige und einige der neuen Präfationen aufnehmen. Die Kommission Ecclesia Dei wird im Kontakt mit den verschiedenen Institutionen die sich dem usus antiquior widmen, die praktischen Möglichkeiten prüfen.“ Im Gegenzug kann dann in der Feier der Messe nach dem Missale Pauls VI. „stärker, als bisher weithin der Fall ist, jene Sakralität erscheinen, die viele Menschen zum alten Usus hinzieht“. Siehe da: die „Reform der Reform“! Beide „Formen“ sollen letztlich verschmelzen, indem insbesondere das „alte Meßbuch“ nunmehr, da es ja der „konziliaren Kirche“ untersteht, zu verändern ist. Diese neue Aufgabe kommt nun ebenfalls der Kommission „Ecclesia Dei“ zu.

Auch in diesem Punkt kann uns das Motu aller Proprios nicht überraschen. Es führt nur das durch, was der Kardinal Joseph Ratzinger bereits lange plante und bekanntlich in einem Brief aus dem Jahr 2003 deutlich beschrieb. Er sprach damals von der Möglichkeit einer „begrenzten Wiederzulassung“ des tridentinischen Ritus; „begrenzt“ sei „ja auch die Nachfrage nach der alten Liturgie“. Ist es nicht genau das, was er nunmehr mit seinem Motu proprio verfolgt? Und ist es nicht dasselbe Argument von der „begrenzten Nachfrage“, wenn er in seinem Begleitschreiben die Furcht der Bischöfe vor Spaltungen beschwichtigt und als Trostgrund dafür angibt: „Der Gebrauch des alten Missale setzt ein gewisses Maß an liturgischer Bildung und auch einen Zugang zur lateinischen Sprache voraus; das eine wie das andere ist nicht gerade häufig anzutreffen. Schon von diesen konkreten Voraussetzungen her ist es klar, daß das neue Meßbuch nicht nur von der rechtlichen Normierung, sondern auch von der tatsächlichen Situation der gläubigen Gemeinden her ganz von selbst die Forma ordinaria des Römischen Ritus bleibt“? Wir erinnern uns außerdem an seine Vision von der zukünftigen Verschmelzung der beiden „Formen“ desselben Ritus in einem einzigen „Ritus der Zukunft“, der, „vollständig in der Tradition des überlieferten Ritus stehend“, doch „einige neue Elemente aufnehmen“ könnte, „die sich bewährt haben, wie neue Feste, einige neue Präfationen in der Messe, eine erweiterte Leseordnung – mehr Auswahl als früher, aber nicht zu viel – eine ‘Oratio fidelium’, d.h. eine festgelegte Fürbitt-Litanei nach dem Oremus vor der Opferung, wo sie früher ihren Platz hatte“. Das soll nun zielsicher durchgeführt werden. Etwas salopp könnte man also sagen: Neurom hat den „Traditionalisten“ ihre Messe gestohlen, und diese bedanken sich noch artig und überschwenglich dafür. Das „konziliare“ Rom hat die wahre heilige Messe annektiert, um sie zu verändern und zu zerstören, und die „Traditionalisten“ jubeln darüber. Das ist nun wirklich ein Fortschritt und neu!

5. Fazit: Das Motu proprio „Summorum Pontificum“ von Papst Benedikt XVI. ist ein erweiterter Indult, der als leider gelungener Versuch gewertet werden muß, auf der Linie von „Ecclesia Dei“ die Bewegung der Tradition samt ihrer tridentinischen Messe und überlieferten Liturgie in die „konziliare“ Kirche aufzusaugen. Ihre Messe ist nun die „Messe des seligen Johannes XXIII.“ und die „außerordentliche Form“ des „einen Ritus“, nämlich der Bugninischen Aftermesse, geworden. Das Dokument bietet zwar einige Verbesserungen und Erleichterungen im Vergleich zu seinen Vorgängern – deren Wert sich freilich erst in der Praxis erweisen muß –, aber auf der Basis der „Integration“ der „Traditionalisten“ in die pantheistische „Kirche Gottes“. Ein Geheimnis bleibt die euphorische Reaktion der tödlich Getroffenen. 070707 – ein treffendes Datum für den endgültigen Sieg – nicht der „Traditionalisten“, sondern des post-modernistischen Rom über sie! Und die Besiegten jubeln, als hätten sie ihre Niederlage ersehnt und verlangt…

„Gott, du hast uns verworfen, zerschlagen; du hast gezürnt, nun stelle uns wieder her! Du hast die Erde erschüttert, gespalten; heile ihre Risse, denn sie wankt! Du hast deinem Volke Hartes erwiesen, mit Taumelwein uns getränkt. Deinen Frommen hast du ein Zeichen gegeben, sie sollten fliehen vor dem Bogen. Damit deinen Lieblingen Rettung werde, hilf mit deiner Rechten, erhöre uns!“ (Ps 60,3-7).