Sonntagspflicht

von antimodernist2014

1. „Du sollst jeden Sonn- und Feiertag eine heilige Messe mit Andacht hören“, so lautet das Gebot unserer heiligen Mutter, der Kirche, und so haben wir Katholiken es einst gelernt. Zwar gibt es eine Reihe Entschuldigungen und Ausnahmen, doch an sich ist die Verpflichtung eine strenge, sodaß es eine schwere Sünde wäre, ohne angemessenen Grund die Sonntagsmesse zu versäumen. „Von der Anhörung der heiligen Messe entschuldigt jeder mittelmäßig schwerwiegende Grund, wie er vorliegt bei bedeutendem Ungemach oder bei leiblichem oder geistigem Schaden, den man selbst oder ein anderer erdulden müßte“, lesen wir im Handbuch von Jone, doch abgesehen davon spricht auch dies von einem „schwer verpflichtenden“ Gebot.

Das haben die Katholiken aller Zeiten verinnerlicht, zumal – besonders in katholischen und ländlichen Gegenden – zur familiären Gewohnheit auch der soziale Druck hinzukam. Wer sonntags nicht zur Kirche ging, stellte sich außerhalb der Gesellschaft. Erst die Verstädterung, Industrialisierung und konfessionelle Durchmischung führte zu einer lockereren Auffassung vieler Katholiken vom Sonntagsgebot, der zunehmend auch in die Kirche eindringende Liberalismus und vollends die „konziliare“ Revolution taten ihr übriges. So liegt heute selbst in manchem bayerischen Dorf der sonntägliche Gottesdienstbesuch oft bei mageren 15 bis 20 Prozent der katholischen Einwohner. Laut einer Statistik sank die durchschnittliche Anzahl der katholischen Gottesdienstbesucher in Deutschland von 1950 bis 2012 von beinahe 12 Millionen auf 2,9 Millionen, wobei der stärkste Einbruch zwischen 1965 (11,7 Mio.) und 1985 (6,8 Mio.) geschah. 2013 waren es sogar nur noch 2,6 Millionen oder 10,8 Prozent der angeblichen Katholiken, welche regelmäßig eine Sonntagsmesse besuchten.

Abgesehen von „engagierten Basiskatholiken“, die sich gerne in pseudoliturgischen Funktionen als „Lektor_innen“, „Kommunionhelfer_innen“ etc. hervortun, sind es vor allem ältere Leute, die es von Jugend an nicht anders kennen, und solche, die ihren Glauben noch oder wieder ernst nehmen, darunter neben „Konservativen“ viele Bekehrte oder Konvertiten, welche den armseligen Rest der regelmäßigen Gottesdienstbesucher bilden. Und hier stoßen wir leider auf ein an Tragik kaum zu überbietendes Drama.

2. Der „Novus Ordo“, die sog. „Neue Messe“ Pauls VI., stammt aus der Häresie und führt in die Häresie, wie wir ohne Übertreibung sagen können. Wer regelmäßig solchen Messen beiwohnt, wird kaum ohne Schaden für seinen Glauben davonkommen. Nun sind es aber oftmals gerade diejenigen, wie wir gesehen haben, welche noch Glauben haben, die sich diesem dauernden Bombardement aussetzen. Hier zeigt sich ein wahrer Teufelskreis: Weil sie noch glauben, gehen sie zur Sonntagsmesse, und weil sie dort hingehen, verlieren sie allmählich den Glauben.

Meist finden wir bei den noch gläubigen Katholiken naturgemäß einen eher konservativen liturgischen Geschmack. An liturgischen Experimenten und Entgleisungen haben sie in der Regel keine Freude. Sie bevorzugen daher Priester, die „würdig“ die Messe feiern, möglichst noch die Mundkommunion anbieten und „papsttreu“ sind. Oftmals finden sie dann auch den Weg in die „alte Messe“. Dennoch besuchen sie, wenn es denn nicht anders möglich ist, sonntags eine „Novus Ordo“-Veranstaltung mit allen nur denkbaren Sakrilegien und Greueln. Sie nehmen zwar großes Ärgernis daran, nehmen gleichwohl alles in Kauf, nur um ihrer Sonntagspflicht zu genügen. Sie bringen es einfach nicht über sich, sonntags keine Messe zu besuchen. „Lieber ein Kasperltheater als gar keine Sonntagsmesse“, so hat es einst ein Gläubiger ausgedrückt.

Hier tut sich ein Dilemma auf, ein typisch katholisches Defizit, möchte man sagen. Der Katholik neigt ja dazu, die Gebote unhinterfragt zu befolgen. Der allzu brave Gehorsam, der nichts weiter untersucht, sondern folgsam tut, was man von oben sagt, hat bekanntlich die „legale Revolution“ des „II. Vatikanums“ erst ermöglicht. Jedes Gebot hat einen Sinn, und darum kann es auch unwirksam werden oder sich sogar in sein Gegenteil verkehren, wenn es diesen Sinn aus irgendwelchen Gründen nicht mehr erfüllt. Doch nach dem Sinn der Gebote zu forschen, scheint manchem guten Katholiken fast schon ein Frevel.

3. Wir wollen diesen Frevel gleichwohl wagen und uns der Mühe unterziehen, den Sinn des Kirchengebotes herauszufinden. Warum schreibt uns die Kirche an Sonn- und Feiertagen die Teilnahme an der Heiligen Messe vor? Der Sonntag ist der Tag des Herrn. Die Feiertage sind diesem nachgebildet. Es sind dies Tage, die ganz Gott geweiht sind, die in erster Linie Seiner Ehre und Verherrlichung dienen. Ihr Nebenzweck ist die körperliche Erholung und geistige Erbauung des Menschen. Das heilige Meßopfer ist der höchste Akt der Gottesverehrung, den wir üben können. Das ist der Grund, warum die Kirche am Tag des Herrn diesen Kultakt öffentlich und feierlich vollzieht und allen Gläubigen die Teilnahme daran befiehlt. Zugleich gibt es nichts, was den Seelen mehr geistigen Nutzen und Erbauung bieten könnte als gerade die Heilige Messe.

Wie sieht es nun mit der sog. „Neuen Messe“ aus? Als Entstellung und geradezu Karikatur der wahren Hl. Messe Unseres Herrn Jesus Christus kann sie in den Augen Gottes nur ein Greuel sein. Mag der eine oder andere noch subjektiv der Auffassung sein, mit dieser „Messe“ Gott die Ehre zu erweisen, so ist dies objektiv jedenfalls nicht mehr gegeben. Auch wird die nach wahrer geistiger Nahrung durstende Seele in diesen „Mahlfeiern“ kaum auf ihre Kosten kommen, wenn sie nicht überhaupt statt Erbauung nur Ärgernis daraus zieht. Wie sinnvoll also kann es sein, durch den Besuch einer „Novus Ordo“-Messe zu versuchen, den Sonntag zu heiligen? Den eigentlichen Sinn des Kirchengebotes wird man gerade verfehlen.

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