Auchkatholiken

Nachdem Scheeben diese katholischen Unmöglichkeiten aufgezählt hat, kommt er nochmals auch das Thema der Heiligkeit der Kirche zurück. Er schreibt: „Die Kirche, die katholische, sollte den Namen katholisch, diesen Ehrennamen, ihren Namen, den ihr allein zukommenden Namen noch länger von sogenannten Auchkatholiken mißbrauchen, entehren, beschimpfen lassen? Nein, nein, die Kirche Jesu Christi, unseres Gottes, diese heilige Kirche, wird das nicht tun. ‚Sie duldet zwar unter dem Weizen auch Unkraut und duldet Vieles, aber nie heißt sie das gut und nie schweigt sie zu dem und nie übt sie das, was wider den Glauben und die Moral streitet.‘ (‚Ecclesia Dei, inter multam paleam multaque zizania constituta, multa tolerat, et tamen, quae sunt contra fidem vel bonam vitam, non approbat, nec tacet, nec facit.‘ (S. August. ep. 119 ad Januar. cap. 19)).“ Unter diesen hier beschriebenen Auchkatholiken sind nicht nur die heutigen Modernisten und Postmodernisten, sondern auch viele viele Traditionalisten. Diese haben sich noch mehr und noch expliziter, also ausdrücklicher und wohlüberlegt, damit abgefunden, daß ihre Kirche, also das, was sie auch noch katholische Kirche nennen, voller Fehler, ja krank ist.

Hören wir ein paar Sätze eines solchen Traditionalisten. Zunächst werden wir darüber belehrt, daß „dieses Konzil der feste Entschluß ist, etwas Neues zu machen“. „Und es handelt sich nicht um eine oberflächliche Neuheit, sondern um eine tiefgehende Neuheit, die im Gegensatz, im Widerspruch zu der Predigt, ja sogar zu den Verurteilungen der Kirche steht“. Das Konzil bringt also eine tiefgehende Neuheit mit sich – der Lehre, der Sakramente, des Kirchenrechts, die im Gegensatz, um Widerspruch zur bisherigen Lehre der Kirche steht, ja von der Kirche schon verurteilt worden ist. Obwohl es diese tiefgehende Neuheit in der Lehre, den Sakramenten, des Kirchenrechts gibt, gibt es „dennoch … auch einen ganzen Organismus, und diesem Organismus müssen wir einerseits die Heiligkeit zuschreiben, und andererseits entrüstet er uns und skandalisiert uns so sehr, daß wir nur eines sagen möchten: Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun! Dies paßt nicht zusammen, es geht nicht! Kirchenmänner, die die Christen, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen … Es paßt nicht zusammen!“ Eine sicherlich evidente, spontane Einsicht für jeden Katholiken, die Kirche paßt nicht mit der Irrlehre des Modernismus zusammen, der ein Sammelbecken aller Häresien ist. Genauso wenig paßt zusammen: Kirchenmänner, die die Christen, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen. Wer das meint, der fällt seinerseits vom Glauben ab, weil er zwei Lehren, die im kontradiktorischen Gegensatz stehen, gleichzeitig für wahr halten möchte – oder geht das doch? Erstaunt hört man nämlich auf einmal Folgendes: „Wenn man das ablehnt, was nicht paßt, darf man nicht alles ablehnen. Sie bleibt die eine, heilige, katholische apostolische Kirche. […] Wenn man das Übel ablehnt, das sich in der Kirche befindet, darf man nicht schließen, daß dies nicht mehr die Kirche ist. Es gibt zwar große Teile, die nicht mehr Kirche sind, ja, aber nicht alles!“

Wie der verehrte Leser wohl auch bemerkt hat, verwirren sich nun allmählich die Gedanken. Wenn man die Konzilskirche mit ihren vielen Irrtümern ablehnt, dann darf man doch nicht alles ablehnen, denn es bleibt die eine, heilige, katholische apostolische Kirche. Also die Konzilskirche bleibt trotz der modernistischen Irrtümer, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen, die heilige Kirche! Trotzdem sie eine in sich schlechte Liturgie hat, wie die Sprachregelung der Gemeinschaft unseres Traditionalisten lautet, trotz zweifelhafter Sakramente, trotz unheiliger Heiliger bleibt es die heilige Kirche?! – das ist schlicht und einfach absurd! Wie nicht anders zu erwarten kommt unser Traditionalist aus dieser Absurdität auch nicht mehr heraus, er behauptet doch schlichtweg: „Der liebe Gott läßt zu, daß sie krank ist. Daher versuchen wir, uns diese Krankheit selber nicht zuzuziehen. Aber ohne zu sagen, daß wir dadurch eine neue Kirche bilden. […] Die Krankheit ist die Krankheit, sie ist aber nicht die Kirche. Sie ist in der Kirche; diese bleibt aber was sie ist. […] Selbstverständlich muß man gegen die Krankheit kämpfen. Diese kranke Kirche ist aber doch diese, die durch unseren Herrn gegründet wurde. Diese hat die Versprechen des ewigen Lebens.“ Daß manche der Hochw. Herren Traditionalisten mit Bildern und Gleichnissen nicht umgehen können, erlebt man wieder und wieder. Diese Bild ist aber schon eine außerordentliche Fehlleistung. In der katholischen Theologie spricht man niemals von einer kranken Kirche, sondern immer nur von kranken Gliedern in der Kirche. Nicht die Kirche ist krank und sie kann im eigentlichen Sinne niemals krank sein, sondern nur manche ihrer Glieder. Es kann sogar sein, daß diese Glieder nur noch tote Glieder sind, wenn sie in der Todsünde leben, oder gar keine Glieder mehr, wenn sie sich durch die Sünde der Häresie, also des Unglaubens von der Kirche trennen. Wenn man dagegen das Kranksein auf die Kirche überträgt, fällt man selber in den Irrtum, weil man damit die Heiligkeit und makellose Reinheit der Kirche implizit leugnet. Dies führt dann zu einer Aussage wie dieser: „Diese kranke Kirche ist aber doch diese, die durch unseren Herrn gegründet wurde.“ So wie der Satz dasteht, ist er eine Blasphemie!

Damit wir uns nicht noch länger mit solchen absurden Ansichten herumplagen müssen, lassen wir sie beiseite und wenden uns nochmals dem großen Scheeben zu: „Wohl wahr: Die Heiligkeit der Kirche fordert nicht, daß alle ihre Glieder schon gleich subjektiv heilig seinen: aber das fordert sie, daß die Kirche als Anstalt alles tue, um Irrungen im Glauben und im Leben abzuhalten und abzuweisen und ihre Glieder zu immer größerer Heiligkeit zu führen. In dem Augenblicke, in welchem die Kirche als Anstalt religiöse Irrtümer dulden würde, die bereits in alle Schichten der Gesellschaft gedrungen sind, und die ganze Kirche nach Innen zu beschädigen und nach Außen hin in Verruf zu bringen drohen, in dem Augenblicke, wo die Kirche solche religiösen Irrtümer duldet, hörte sie auf, heilig zu sein. Der Flecken der Unreinheit würde sie selber treffen, sie hörte auf, die reine makellose Braut Jesu Christi zu sein, und all die Schönheit und all der Reiz und all der Schmuck, durch welche sie die Völker der Erde anzieht, wäre dahin. Doch das ist unmöglich; denn die Kirche ist wesentlich heilig und als Kirche bleibt sie durch die Jahrhunderte der Jahrhunderte, was sie wesentlich ist, die immerdar heilige, die unvergänglich heilige. Darum wird sie den Schmutz entfernen, mit dem eine hochmütige Wissenschaft ihre Glieder beflecken will; sie wird ihren Namen, den katholischen Namen, durch eine schärfere Fassung der Kriterien der Katholizität den Auchkatholiken gegenüber zu Ehren bringen, und indem sie ihr unbeflecktes Panier angesichts der Völker erhebt, wird sie alle verbesserlichen und edleren Elemente an sich ziehen, und man wird von diesem Tage nicht mehr von Auchkatholiken zu reden haben, sondern nur von Katholiken und Akatholiken.“

Haben Sie es aufmerksam gelesen? „In dem Augenblicke, wo die Kirche solche religiösen Irrtümer duldet, hörte sie auf, heilig zu sein … Doch das ist unmöglich; denn die Kirche ist wesentlich heilig und als Kirche bleibt sie durch die Jahrhunderte der Jahrhunderte, was sie wesentlich ist, die immerdar heilige, die unvergänglich heilige.“ Aus dem Gesagten kann man eines mit vollkommener Sicherheit folgern: Die Konzilskirche mit ihren Irrtümern, ihren neuen Sakramenten, ihrem häretischen Kirchen- recht, ihren unheiligen Heiligen kann niemals die katholische Kirche sein. Daraus folgt aber auch weiter, der Vorsteher dieser akatholischen Gemeinschaft kann niemals wahrer Papst sein. Jedem Katholiken, der noch kein Auchkatholik geworden ist, ist das sicherlich evident, also unmittelbar und leicht einsehbar und einleuchtend. Etwas anders ausgedrückt: Wer einen Papst verteidigt, der den Glauben zerstört, der zerstört das Papsttum, er zerstört Wesen und Sinn des Papstamtes. Darum kann nur derjenige heute das Papsttum verteidigen, der diese Einsicht annimmt und ernst nimmt. Weigert er sich dagegen, diese Evidenz anzuerkennen, muß er sich einen Papst und eine Kirche zusammenbasteln, die mit der wahren Kirche Jesu Christi rein gar nichts mehr gemein hat. Daß mit der gewonnen Einsicht nicht alle Fragen beantwortet und alle Schwierigkeiten gelöst sind, das ist ebenfalls für jeden vernünftigen Menschen evident. Aber denken wir daran, Gott ist treu. Wenn Er eine solche Prüfung zuläßt, dann schenkt Er auch jedem die Gnade, in der Prüfung zu bestehen.

Vertrauen wir uns also in dieser schweren Zeit ganz besonders dem hl. Josef, dem Schutzpatron der hl. Kirche und seiner heiligsten Braut, der Siegerin in allen Schlachten Gottes, an, von der es am Fest Maria Himmelfahrt im Offertorium heißt: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinen Sprossen und ihrem Sohn.“