Seliger Irrtum

Das von den studierten Herren angeführte Argument, wonach die fehlende bzw. ungültige Bischofsweihe eine Sedisvakanz begründe, ist ein unter „Sedisvakantisten“ höchstens selten benutztes Nebenargument. Es dient jedoch den Herren Dominikanern dazu, einmal mehr die Gültigkeit der „neuen Weihen“ zu behaupten. Darüber haben wir an anderer Stelle bereits ausführlich gehandelt und brauchen hier nicht weiter darauf einzugehen. Dazu nur soviel: Bekanntlich kann auch ein katholischer Laie (aber kein Häretiker!) gültig zum Papst gewählt werden und genießt danach sofort die höchste Jurisdiktion in der Kirche. Er ist allerdings gehalten, sich baldmöglichst die bischöfliche Weihe erteilen zu lassen, da er ja nicht nur höchster Lehrer und Richter, sondern auch höchster Priester der Kirche und zudem Bischof von Rom ist. Stephan II., welcher im Jahr 752 nur 4 Tage regierte und vor seinem plötzlichen Ableben die Bischofsweihe nicht mehr empfangen konnte, wird aus diesem Grund vielfach nicht als Papst gezählt.

8. Damit kommen wir zur „a posteriori“-Begründung. Die „Sedisvakantisten“, so unsere Experten, schlössen aus der Tatsache, daß ein Konzil, das eigentlich unfehlbar sein müßte, Irrtümer wie die Religionsfreiheit verkündet habe, es müsse in diesem Moment Paul VI. aufgehört habe, Papst zu sein. Wäre dies der Fall, setzen sie hinzu, so müßte man jedoch sagen, daß in diesem Moment die katholische Kirche aufgehört habe zu existieren und somit die „Pforten der Hölle“ sie doch überwältigt hätten. Somit sei es einfacher anzunehmen, daß das „II. Vatikanum“ kein unfehlbares Lehramt gewesen sei, wie es die gelehrten Dominikaner übrigens bereits in einer früheren Studie pflichtgemäß dargelegt haben. In der Tat habe das „II. Vatikanum“ nicht für sich in Anspruch genommen, Lehren vorzulegen, welche fest und für immer festzuhalten wären. Es habe seine Lehren nicht als heilsnotwendig vorgestellt, und somit seien sie nicht mit jener Autorität vorgelegt worden, welche Unfehlbarkeit beansprucht. Dasselbe gelte für liturgische und kanonische Gesetze („Neue Messe“, jüngere Heiligsprechungen, neues Kirchenrecht). Sie seien nicht durch Unfehlbarkeit gedeckt, was sie normalerweise sein sollten.

Zu diesem Thema wäre natürlich sehr viel zu sagen, ist schon sehr viel gesagt worden und wird noch viel mehr zu sagen sein. Es scheint insofern allzu lässig, es in einem „Katechismus“ mit wenigen Sätzen abzuhandeln. Damit bleibt uns nichts übrig, als es ebenso zu halten, und darum wollen wir im wesentlichen nur einen Satz entgegenstellen: „Eine Autorität, welche den Irrtum lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, ist überhaupt keine Autorität mehr” (Dom Guéranger). A fortiori gilt das natürlich für die Kirche, welche mit unfehlbarer Lehrautorität ausgestattet ist. Ist es wirklich „einfacher“, anzunehmen, das Lehramt unserer heiligen Mutter, der Kirche, könne uns die abscheulichsten Irrtümer lehren, solange es sich außerhalb der angeblich so engen Grenzen seiner Unfehlbarkeit bewege, als schlicht und einfältig zu glauben, daß es sich bei einem solchen irrigen „Lehramt“ gewiß nicht um das der reinen Braut Unseres Herrn Jesus Christus handeln kann? Wir jedenfalls weigern uns, einer „Kirche“ anzugehören, deren höchste Lehrautoritäten, Papst und ökumenisches Konzil, grauenhafteste Irrtümer verkünden können, weil sie zwar vielleicht theoretisch noch irgendwie unfehlbar sind, man praktisch aber nie weiß, ob sie es überhaupt sein wollen; weil sie selbst da, wo sie „normalerweise“ unfehlbar sein sollten, es dann eben doch nicht sind. Eine solche „Kirche“ mit solchen Autoritäten ist sicher nicht unsere heilige und makellose Mutter Kirche.

Als der Gottmensch nach Seinem Kreuzestod im Grabe lag, dachten viele, Freund und Feind, es sei mit Ihm vorbei. Doch am dritten Tag erstand Er vom Grab wieder auf, und das war Sein vollständiger Sieg über Teufel, Sünde und Tod. Aus ihrer tiefsten Erniedrigung wird auch die Kirche durch die Kraft Gottes glorreich wieder auferstehen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigt haben. Der Heiland sagt einmal zur sel. Anna Katharina Emmerich, Er werde selbst dann noch die Kirche glanzvoll wieder erstehen lassen können, wenn nur ein einziger Katholik noch übrig sei. Solange die Kirche also aus gleich was für einem armseligen Rest durch die ihr innewohnende göttliche Kraft wieder erweckt werden kann, hat die Kirche nicht aufgehört zu exisiteren und haben die Pforten der Hölle sie nicht überwältigt.

Es folgen Ausführungen unserer Herren Dominikaner zur „Cassiciacum These“, und wir staunen, was sie alles in ihren „kleinen Katechismus“ hineingepackt haben und wie sie sich nicht scheuen, die komplexesten Themen in einigen simplen Sätzen abzufertigen. Wir unsererseits lassen dieses Thema hier lieber beiseite, weil es zu speziell ist und unsere Abhandlung ihrerseits allzu weitschweifig werden lassen würde. Stattdessen wenden wir uns gleich dem nächsten Punkt im „Katechismus“ zu, der Frage des „una cum“.

9. Die „Sedisvakantisten“, so werden wir belehrt, weigerten sich, im Kanon der Heiligen Messe den Namen des Papstes zu nennen, also die Messe in Gemeinschaft mit („una cum“) einem Häretiker zu feiern. Dabei, so wissen unsere Gelehrten, bedeute der Ausdruck „una cum“ in der Hl. Messe gar nicht, daß man sich „in Gemeinschaft“ mit der Person des Papstes und seinen irrigen Ideen befinde, sondern vielmehr, daß man für die Kirche „und für“ den Papst beten wolle. Dies begründen sie zum einen mit den Rubriken im Missale, wonach ein zelebrierender Bischof gehalten ist, sich selbst im Kanon zu nennen, was ja wohl nicht bedeuten könne, daß er sich als in Gemeinschaft mit sich selbst bezeichne, und zum anderen, ganz dominikanermäßig, mit dem hl. Thomas von Aquin. Dieser nämlich setze in seiner „Summa“, III q. 83 a. 4, wo er über die Gebete der Hl. Messe handelt, das „una cum“ mit dem Ausdruck „et pro – und für“ gleich. Auch würde der hl. Thomas nicht verbieten, im Meßkanon für einen Häretiker zu beten, nur trete die Wirkung dann nicht ein.

Es ist ja über das „una cum“ ebenfalls schon viel Tinte geflossen. Wir stellen hier nur fest, daß an der betreffenden Stelle im Kanon der Hl. Messe der zelebrierende Priester nicht einfach „für den Papst betet“, sondern vielmehr bezeichnet, wem das Opfer, das er im Begriff ist zu vollziehen, nach dem Willen der Kirche zugute kommen soll, und das ist zunächst und vor allem die Kirche selbst, in deren Namen und Auftrag er die Messe feiert. Die Kirche wird sodann näher bestimmt durch ihr Oberhaupt, den Papst, den Bischof der Teilkirche, in welcher die Messe stattfindet, sowie „alle Rechtgläubigen und alle, die den katholischen und apostolischen Glauben fördern“. Es ist klar, daß ein Häretiker, welcher nicht zur Kirche gehört, hier keinen Platz hat. Im anschließenden „Gedächtnis der Lebenden“ nennt der Priester einige konkrete Personen sowie „alle Umstehenden“, d.h. alle, die an der Messe teilnehmen, „deren Glauben und Opfergesinnung Du (Gott) kennst“, für welche das Opfer dargebracht wird und die es selbst „für sich und alle die Ihrigen“ opfern. So scheint es auch der heilige Thomas zu sehen, denn er schreibt in der genannten q. 83 a. 4: „Dann [nach der Präfation] erwähnt der Priester zunächst im Stillen jene, für welche dieses Opfer dargebracht wird, nämlich für die gesamte Kirche und für jene, die ‚in Hoheit sind‘ (1 Tim 2,2) [d.h. die Obrigkeiten; früher wurde hier auch der christliche König genannt], und besonders für solche, die opfern und für die geopfert wird.“

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