Seliger Irrtum

Nun, wir wissen nicht ganz, was dadurch bewiesen werden soll. Wenn sich die Sache wirklich so verhalten hat, so zeigt sie nur einmal mehr, daß der Papst sein Amt durch Abfall vom Glauben verliert und es sich somit um mehr als eine „theologische Meinung“ handelt. Vielmehr können wir davon ausgehen, eine sichere Lehre der Kirche vor uns zu haben, selbst wenn einige vereinzelte Theologen eine abweichende Meinung vertreten. Da obendrein die Häresien des „II. Vatikanums“ und des daraus hervorgegangenen „konziliaren Lehramts“ offen vor aller Augen liegen, können wir nicht nur zu einer „Meinung“, sondern sogar zu einem sicheren Urteil gelangen, welches freilich ein privates Urteil ist, d.h. ein Urteil, welches unser Handeln bestimmt, und nicht ein öffentliches, rechtsverbindliches Urteil sein kann. D.h. wir können nicht verbindlich eine „Sedisvakanz“ erklären, wir können aber etwa die Nennung der „konziliaren Päpste“ im Kanon der Hl. Messe unterlassen und ihre Autorität sowie jede Gemeinschaft mit ihnen und ihrer „konziliaren Kirche“ zurückweisen.

Es ist nicht an uns, zu Gericht zu sitzen und ein amtliches Urteil zu fällen, das können wir getrost Gott und der Kirche überlassen. Um ein persönliches Urteil als Grundlage für unser Verhalten und Handeln kommen wir freilich nicht herum. Dazu genügt es jedoch, daß wir uns an die für uns sichtbaren Fakten halten. Und darum ist für uns jemand, der fortwährend Irrlehren verkündet, ein Häretiker, und wir brauchen nicht zu rechten, ob formell oder materiell, wie schuldhaft oder nicht, und ein Lehramt, welches Häresien verbreitet, ist nicht das Lehramt der Kirche, ohne daß wir herumfeilschen müssen, ob es dazu auch noch Unfehlbarkeit in Anspruch nimmt oder nicht.

11. Ihr Fazit, was man denn nun vom Sedisvakantismus halten solle, fassen die Herren Doctores so zusammen: „Es ist eine Position, die theoretisch nicht bewiesen ist, und es ist unklug, sie praktisch einzunehmen (eine Unklugheit, die sehr ernste Konsequenzen haben kann – denken wir vor allem an Leute, die sie selbst der Sakramente berauben unter dem Vorwand, daß sie keinen Priester finden können, der dieselbe ‚Meinung‘ hat wie sie). Das ist der Grund, warum Erzbischof Lefebvre nie diesen Pfad betreten hat und sogar den Priesters einer Gemeinschaft verboten hat, den Sedisvakantismus zu bekennen. Wir sollten seiner Klugheit und seinem theologischen Sinn vertrauen.“

Da sind wir meilenweit von dem eingangs behaupteten Irrtum entfernt; denn eine Unklugheit ist per se kein Irrtum, schon gar nicht einer der Kategorie wie der Modernismus, dieses „Sammelbecken aller Häresien“. Der ursprünglich beabsichtigte Nachweis ist den studierten Herren also nicht gelungen. Wir sind aber wieder bei der „Klugheit“ Mgr. Lefebvres, wonach Praxis vor Theologie geht, und das heißt Praxis vor Glauben. Tatsächlich geht jedoch der Glaube vor, und das auch und gerade beim Empfang der Sakramente. Oder hätte etwa ein heiliger Hermenegild geirrt, als er die „Unklugheit“ beging, die Eucharistie aus der Hand eines arianischen Bischofs zurückzuweisen, und sich so selbst der Osterkommunion beraubte? Haben die Katholiken Englands geirrt, als sie von anglikanisch gewordenen Priestern keine Sakramente mehr annehmen wollten, oder die französischen Katholiken, die sich weigerten, von den konstitutionellen Priestern weiterhin die Sakramente zu empfangen? Und das nur, weil diese arianischen, anglikanischen, konstitutionellen Priester nicht dieselbe „Meinung“ hatten wie sie? Nein, sie alle haben lieber auf die Sakramente verzichtet, haben Entbehrung, Verfolgung, ja den Martertod auf sich genommen, als „theologische“ Kompromisse zu machen, sprich den Glauben zu verraten.

12. Wir stellen in unserem Fazit fest, daß der ganze ursprünglich von den Predigerbrüdern groß postulierte, wie der Modernismus zu meidende und zum Schisma führende „Irrtum“ der „Sedisvakantisten“ letztlich einzig auf die „Unklugheit“ zusammenschrumpft, außerhalb der Kirche keine Sakramente empfangen zu wollen. O selige Unklugheit! O seliger Irrtum! Denn zum Glück ist der Liebe Gott kein „Tradiland“-Dominikaner und sieht daher die Dinge so, wie sie wirklich sind, und nicht durch eine ideologisch getönte Brille. „Ei, du guter und getreuer Knecht! Über weniges bist du treu gewesen, über vieles will Ich dich setzen. Gehe ein in die Freuden deines Herrn!“ (Mt 25,21.23).

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