Der „Papst“ im Gästehaus

von antimodernist2014

Bekanntlich hat Jorge Mario Bergoglio alias Franziskus einen Sinn fürs Ungewöhnliche, er liebt es, alles ein wenig anders zu machen als die anderen – und mit den anderen sind natürlich vor allem seine entweder verstorbenen oder auch sein zurückgetretener und noch lebender Vorgänger gemeint. Schon vom ersten Auftreten an sorgte Jorge Mario Bergoglio für Überraschungen, von der Kleidung angefangen bis hin zur unvorbereiteten, spontanen Art des Benehmens und der Äußerungen, alles muß irgendwie originell, neu sein, so scheint es, so als müßte er nach fast 2000 Jahren das Papstamt erst noch neu erfinden. Worum geht es Jorge Mario Bergoglio mit seinem Aus-der-Rolle-fallen wirklich? In einem seiner spontanen Einfälle kommt womöglich symbolisch viel mehr zum Ausdruck, um was es Jorge Mario Bergoglio letztlich geht, als man auf den ersten Blick wahrzunehmen bereit ist: Jorge Mario Bergoglio wohnt im Gästehaus – nicht in den päpstlichen Wohnungen wie alle seine Vorgänger! Das scheint uns tatsächlich mehr zu sein als nur ein Geste, genauso wie etwa das Verschenken der Tiara durch Paul VI., der Korankuß von Johannes-Paul II. oder auch der Gott Pan auf der Mitra Benedikts XVI.

In einer recht ausführlichen Artikelreihe haben wir schon auf die Metamorphose des Papstamtes unter den Konzils- bzw. Nachkonzilspäpsten hingewiesen. Wie nicht anders zu erwarten, haben die allerwenigsten Konzilskatholiken diese Verwandlung des Papstamtes vom Lehramt zum Leeramt überhaupt wahrgenommen, genausowenig wie übrigens auch die meisten sog. Traditionalisten. Die Folge davon ist, daß diese letzteren den Männern in Weiß meinen genauso folgen zu können und zu müssen, wie noch einem Pius XII. Weil das jedoch in der Tat unmöglich ist, will man nicht jeglichen katholischen Glauben verlieren, so erfindet jeder eine eigene Ausrede, oder sollte man es mit dem unter Benedikt XVI. zum Modewort aufgestiegenen Ausdruck sagen, eine eigene Hermeneutik des Papsttums. Jeder interpretiert sich die Sache so zurecht, wie sie ihm paßt, bzw. seinem Vorurteil dienlich ist.

Wir wollen darum die Frage ganz einfach einmal umkehren, um womöglich gerade dadurch etwas mehr Licht in die Sache zu bringen: Kann, darf ein Katholik einen „Papst“ ernst nehmen, der nur im Gästehaus wohnt?

Dem unvoreingenommenen Beobachter fällt doch auf, daß Jorge Mario Bergoglio nicht nur nicht in die päpstlichen Wohnungen eingezogen ist, sondern daß er offensichtlich das Papstamt niemals richtig angenommen hat, verhält er sich doch, wie wir schon festgestellt haben, immer anders als die Päpste der Vergangenheit. Ist aber dieses Verhalten einfach nur Nebensache und dem Belieben des einzelnen überlassen? Muß nicht schon ein Firmenchef wenigstens bestimmte Verhaltensweisen einhalten, wenn er als Chef der Firma auch wirklich anerkannt werden möchte? Sollte das für das höchste Amt, das es für einen Menschen auf dieser Erde gibt, nicht genauso sein?

Der Papst ist durchaus nicht nur zu Gast im Vatikan, er ist der Herr des Hauses, nämlich der Kirche Jesu Christi, die er mit göttlicher Vollmacht leiten soll. Bis einschließlich Benedikt XVI. bewahrten selbst die Konzils- und Nachkonzilspäpste immer noch eine gewisse formale Verbindlichkeit, womit sie immerhin noch ein Papsttum vortäuschten, das dem wahren Papsttum ähnlich war. Seit Jorge Mario Bergoglio alias Franziskus die Führung in Rom übernommen hat, ist selbst das anders geworden. Er demontiert systematisch auch die letzten, noch vorhandenen formalen Verbindlichkeiten und löst damit zugleich durchaus gekonnt jede noch vermeintlich feststehende Lehre auf. In seinen freien Reden etwa ist durchaus nicht nur die Form frei, sondern auch der Inhalt. Alles wird nämlich in leichtfertigster Weise der Diskussion überantwortet, oder noch besser gesagt dem Geschwätz. Noch Benedikt XVI. wußte, daß es für einen Chef einer Weltkirche nicht angeht, über wichtige oder sogar wichtigste Themen öffentlich aus dem hohlen Bauch heraus zu reden. Franziskus meint nicht nur, daß das möglich ist, er pflegt diese Art der Verkündigung ganz ausdrücklich und vorwiegend. Nützt er womöglich damit ganz bewußt und gezielt die Möglichkeit aus, im Nachhinein nachbessernd, beschwichtigend Stellung nehmen zu können oder zu müssen und gleichzeitig völlig Neues zu sagen, so daß das Neue zumindest schon einmal gehört und in den Medien verbreitet werden konnte, Franziskus hat dies oder jenes dazu gesagt?

Wenn sich Jorge Mario Bergoglio auch zuweilen wie ein allzu launiges, ungezogenes Kind benimmt, der die Sicherheitskräfte ganz außer Atem bringt, dann ist doch davon auszugehen, daß er dieses ungezogene Kind durchaus nicht ist, sondern daß er es nur spielt. Seine liturgischen Extravaganzen, seine lehrmäßigen Entgleisungen und verbalen Vernichtungsfeldzüge gegen jegliches katholische Dogma wirken nämlich nicht so, als wären sie nur Zufall und einer bloßen Laune entsprungen.

Hierzu ein eindrückliches Beispiel. In der Frühmesse am 17.10.2013 mutete Franziskus seinen Hörern folgendes zu: „In den Ideologien ist Jesus nicht enthalten. Jesus ist Zärtlichkeit, Liebe, Sanftmut, wogegen die Ideologien jedweder Einfärbung immer doktrinär sind. Und wenn ein Christ zum Jünger der Ideologie wird, ist er nicht länger Jünger Jesu, sondern Jünger dieser Denkart… Aus diesem Grunde tadelte Jesus sie: ‚Ihr habt den Schlüssel (der Tür) der Erkenntnis weggenommen‘. (Lukas, 11, 47-54) Die Kenntnis Jesu wird in ein ideologisches und moralistisches Wissen umgewandelt, denn diese haben die Tür mit vielen Vorschriften verschlossen. Der Glaube wird Ideologie, und die Ideologie schreckt ab! Die Ideologie verjagt die Menschen und entfernt die Kirche von den Menschen. Die Krankheit der ideologischen Christen ist sehr schwer. Es handelt sich um eine Krankheit, die keineswegs neu ist.“

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