Der hl. Alfons Maria von Liguori

von antimodernist2014

Eigentlich sollte man sich beständig wenigstens mit einem Heiligen beschäftigen, liegen doch in einem solchen Bemühen um Verständnis eines wahrhaft heiligen Lebens viele Gnaden verborgen. Denn das Leben eines Heiligen regt nicht nur unsere Glaubenskenntnis an, es bewegt auch unseren Willen, das Erkannte zu tun. Denn bekanntlich erhellen Gedanken, Beispiele aber reißen hin!

Ein aus seiner Zeit besonders herausragender Heiliger war Alfons von Liguori. Dieser Heilige lebte von 1696 bis 1787, also während der sog. Aufklärung. Die Philosophie der Aufklärung ist die geistige Grundlage unserer modernen Zeit. Darum hat uns der hl. Alfons auch heute noch viel zu sagen, gelten doch seine Einsichten in die damals aufkommenden Gefahren für den Glauben in gleicher Weise auch noch heute. Der hl. Alfons war Gründer der Kongregation des Allerheiligsten Erlösers, auch Redemptoristen genannt, später Bischof von S. Agata di Goti und zu allen Zeiten ein unermüdlicher Schriftsteller. Neben seiner zeitraubenden und aufreibenden Arbeit als Gründer der Redemptoristen, als Missionar und als Bischof findet dieser Mann immer noch Zeit, Bücher über Bücher zu schreiben, um der Glaubensnot der Zeit entgegenzuwirken. Der hl. Alfons hatte nämlich erkannt, daß einer der Hauptgründe für den mehr und mehr um sich greifenden Verfall des Glaubens die Unwissenheit ist. So drängt es ihn unermüdlich, die Wahrheiten des Glaubens in eine verständliche und ansprechende Form zu fassen. Er bemerkt besonders in seiner Tätigkeit als Volksmissionar, wie wenige Bücher es gibt, die dem Verständnisvermögen des einfachen Volkes entsprechend sind. Es fehlt zwar nicht an gelehrten Werken, aber an allgemein verständlichen, kürzeren Schriften für das Volk. Der hl. Alfons war, wie einer seiner Biographen schreibt, „geboren zum Wohle aller durch sein Leben, sein Wirken und seine Feder“.

Lassen wir diesen Heiligen zunächst ein wenig lebendig werden.

Aus dem Leben des hl. Alfons Maria von Liguori

Der Biograph Antonio Maria Tannoia beginnt seine dreibändigen „Memoiren“ (Erinnerungen) über den hl. Alfons Maria folgendermaßen: „Im Jahre des Heils 1696, am 27. September, dem Tag, der den glorreichen Märtyrern Kosmas und Damian geweiht ist, wurde zur dreizehnten Stunde in einem Wohnsitz seiner Familie zu Marianella, einem neapolitanischen Marktflecken, Alfons von Liguori geboren. In jener Zeit leitete Seine Eminenz Kardinal Cantelmi die Kirche von Neapel, saß Innozenz XII. auf dem päpstlichen Stuhl und regierte Leopold August, der erste dieses Namens unter den römischen Kaisern, segensreich das Heilige Römische Reich deutscher Nation und dieses Königreich. Nach Neapel gebracht, wurde Alfons am 29. desselben Monats, einem Samstag, unter dem Schutz des Erzengels Michael in der Pfarrei Santa Maria delle Vergini aus der Gnade wiedergeboren… Man stellte den Neugeborenen insbesondere unter den Schutz der Allerseligsten Jungfrau, damit sie ihm in allen Nöten als Fürsprecherin und Mutter beistehen möge; daher erhielt er die Vornamen Alfons Maria. Dies war die Geburt des Alfons von Liguori.“

Alfons Maria wurde als erstes von acht Kindern in eine der ältesten und einflußreichsten Familien Neapels hineingeboren. Der Jesuit Julien Bach, ein gewissenhafter Geschichtsschreiber, schreibt: „1696 wurde ein Kind geboren, das später zu einem Großen der Kirche werden sollte und dessen Wiege ehrenvoll in der Geschichte des hl. Francesco de Geronimo aufscheint. Seit undenkbarer Zeit war in den Adelsfamilien des Königreichs Neapel eine sehr rührende Zeremonie üblich. Drei Tage nach der Geburt eines Kindes fand ein großer Empfang statt. Die Mutter lag in einem Paradebett, umgeben von Ehrendamen und all ihren Bediensteten in Livree. Die Herren wurden nacheinander vorgelassen, um ihre Glückwünsche auszusprechen, und gingen, nachdem sie ihre Aufwartung gemacht hatten, in den angrenzenden Korridor oder einen Salon zu den anderen Freunden des Hauses, die dieselbe Pflicht erfüllt hatten. Die christlichen Familien, ob arm oder reich, wünschten aber auch den Besuch eines heiligen Mannes in der Vorstellung, daß dieser den Segen Gottes auf das Kind herabrufe.“

Nun lebte damals in der Stadt der hl. Francesco de Geronimo, den man zu diesem Anlaß ebenfalls geladen hatte. Der hl. Francesco de Geronimo trat also vor die Mutter und entbot seine Glückwünsche. An der Wiege des Kindes sammelte er sich eine Weile und segnete es. Dann nahm er den kleinen Alfons auf den Arm und wandte sich zur Mutter mit den Worten: „Dieses Kind wird alt, sehr alt werden; es wird nicht vor seinem neunzigsten Lebensjahr sterben. Es wird Bischof werden und große Dinge für Gott vollbringen.“

Die Mutter, Donna Anna, nahm diese Worte auf und erwog sie immer wieder in ihrem Herzen, ihr ganzes Leben lang. Aus der Prophezeiung des hl. Francesco de Geronimo schöpfte sie zweifellos ein besonders lebendiges Bewußtsein ihrer schönen Verantwortung als Erzieherin – eines künftigen Heiligen! Tannoia schreibt in seiner Lebensbeschreibung: „Jeder in Neapel kennt die seltenen Qualitäten dieser großen Dame. Eine Frau des Gebets, mild gegen die Armen, hart gegen sich selbst. Sie hatte die Bußübungen des Klosters beibehalten: Fasten, Büßerhemd und Geißelungen. Man durfte sie nicht in Theatern oder beim Damenkränzchen suchen. Sie blieb zuhause, Gott und ihrem Innenleben zugewandt. Hier widmete sie sich häufig der Betreuung ihrer Kinder und ihren Pflichten als Gattin.“

Der Erstgeborene der Familie Liguori war ein hochbegabter Schüler, der schon mit zwölf Jahren sein „Reifezeugnis“ für die Universität erhielt. Gemäß dem Lehrplan der Jesuiten hatte er bei seinem Hauslehrer, dem diplomierten Professor der Grammatik, Humaniora und Poetik, Don Domenico Buonaccia, Grammatik, Literatur und Geschichte, lateinische und italienische Poetik, Französisch, Spanisch, Mathematik, Philosophie, Geographie, Kosmologie, Malerei, Architektur und Musik gelernt. Natürlich konnte Don Domenico nicht alle Fächer allein unterrichten, es kamen dazu die besten Lehrer ins Haus, die man finden konnte. Im Jahre 1708 – also mit 12 Jahren! – wechselt dieses universal begabte Wunderkind an die Universität, um bis zum Jahre 1713 vor allem Rechtswissenschaft zu studieren. Aber Alfons interessiert sich nicht nur für Rechtswissenschaft, er ist zudem ein ausgezeichneter Maler, Musiker und Dichter. Mit nur 16 Jahren beendet Alfons seine Studien, er erhält „einmütig und ohne Gegenstimme“ das Diplom des Doktorates der Rechtswissenschaft, „summo cum honore maximisque laudibus et admiratione“, also ein „sehr gut“ mit höchsten Lob vereint. Weil das Gesetz ein Mindestalter von 20 Jahren forderte, mußte der Vizekönig ihm extra eine Dispens erteilen. Unter den üblichen Zeremonien der Verleihung des Doktorgrades befanden sich auch zwei religiöse Akte. Zunächst legte Alfons in Gegenwart seiner künftigen Standesgenossen kniend das katholische Glaubensbekenntnis ab, und zwar in der sogenannten „tridentinischen“ Form von Papst Pius IV., hierauf legte er ein feierliches Bekenntnis zum damals noch nicht definierten Dogma der Unbefleckten Empfängnis ab. Am Samstag, dem 21. Januar 1713, spricht Alfons Maria von Liguori also folgenden, zwar offiziellen, aber von jedem der Doktoren mit eigener Hand und manchmal sogar mit dem eigenen Blut geschriebenen und unterzeichneten Text: „Ich, Alfons Maria von Liguori, demütigster Diener Mariens, der immerwährenden Jungfrau und Gottesmutter, liege hier zu Füßen der Göttlichen Majestät in Gegenwart der unaussprechbaren Trinität des einen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und rufe als Zeugen an alle Bewohner des himmlischen Jerusalems dafür, daß ich getreu im Geiste glaube, wahrhaft im Herzen empfinde und eindeutig mit meinen Lippen bekenne, daß Du, Mutter Gottes und immerwährende Jungfrau, vom allmächtigen Gott eines absolut einmaligen Vorrechtes teilhaftig wurdest: vom ersten Augenblick Deiner Empfängnis an, d. h. der Vereinigung Deines Leibes mit der Seele, bliebst Du von jedem Makel der Erbsünde frei. Öffentlich und privat werde ich diese Lehre bis zum letzten Atemzug meines Lebens vertreten und alle meine Kräfte einsetzen, damit auch die anderen an ihr festhalten und sie lehren. Dies bezeuge, verspreche und gelobe ich. So wahr mir Gott und diese heiligen Evangelien helfen mögen.“

Seiten: 1 2 3 4