Sprachspiele

von antimodernist2014

Seit dem Amtsantritt von Jorge Mario Bergoglio mühen sich vor allem die halbkonservativen Auchkatholiken ab, des neuartigen Phänomens „Franziskus“ Herr zu werden. Daß freilich dieses Bemühen vergeblich ist, wird einem dann sofort klar, wenn man die allzu kurz greifenden geistigen Grundlagen derselben betrachtet. Wer schon den Modernismus nicht richtig aufgearbeitet hat und darum diesen auch nicht wirklich verstehen kann, wie soll der mit dem Postmodernismus und seinen breit gestreuten Erscheinungsbildern zurechtkommen, wobei der Postmodernismus zumindest in manchen Bereichen noch um einiges anspruchsvoller daherkommt und darum schwerer zu greifen und zu beurteilen ist als der Modernismus? Und Jorge Mario Bergoglio ist ganz gewiß, genauso wie sein Vorgänger, kein Modernist der alten Schule mehr – wenigstens nicht, wenn man über einen ersten, oberflächigen Eindruck hinausgeht. Wer dies übersieht, wird sicherlich seine liebe Not mit ihm haben – und immer an ihm vorbeiurteilen. Zur Zeit beweisen viele der halbkonservativen Auchkatholiken dieses Urteil. Ihre Unfähigkeit, Bergoglio recht einzuschätzen, zeigt sich in so manchen Stilblüten, die momentan über Bergoglio alias Franziskus kreiert werden.

Bergoglio in den Augen der Auchkatholiken

Jorge Mario Bergoglio macht es den halbkonservativen Auchkatholiken auch deswegen besonders schwer, weil er sich von ihnen nicht einfach in ihre Tradi-Schubläden einordnen läßt, oder soll man vielleicht passender sagen, einzwängen läßt. Solch vergeblichen Versuchen entwindet sich Franziskus jeweils mühelos und mit großer Leichtigkeit. Sein Auftreten ist einfach zu bizarr, zu skurril, zu regenbogenfarbenschillernd und unberechenbar – eben Bergoglio.

Wenn da ein halbkonservativer Auchkatholik mit seiner Tradimeßlatte daherkommt, um sie an den ständig sich wandelnden Bergoglio anzulegen, ist leicht vorherzusehen, daß er fehlmißt und deswegen im Nachhinein ständig nachbessern muß, greift doch seine Tradimeßlatte immer zu kurz, niemals erfaßt sie ihn ganz. Aber dieses „nicht ganz“ ist für diese Leute sodann sofort wieder die Beruhigungspille, mit der sich trösten, denn jedem „nicht ganz“ können sie ein erleichtertes „immerhin“ folgen lassen – immerhin hat er dies und das auch noch gesagt, wobei dies und das immerhin noch ein wenig katholisch klingt! Und damit ist der Auchkatholik dann auch schon wieder zufrieden! Ja, im Laufe der Zeit – dieser nun schon so lange währenden Nachkonzilszeit – sind die Auchkatholiken recht anspruchslos geworden. In ihren Augen muß etwas nur noch ein klein wenig katholisch klingen, das reicht ihnen schon, um auch katholisch zu sein. Aber mit mehr würden sie sich in der nachkonziliaren Menschenmachwerkskirche auch nicht mehr zurechtfinden.

Ein Schulbeispiel in dieser Hinsicht ist bei „katholisches.info“ mit dem Artikel „Papst Franziskus: ‚Wind von Pfingsten‘ möge über Bischofssynode wehen, damit sie den ‚Schrei des Volkes‘ hört“ vom 5. Oktober 2014 veröffentlicht worden. Nach einer kurzen Einleitung zum Thema folgt gleich zu Beginn der doch recht merkwürdige Satz: „Daraus ergeben sich zwei Fragen: Was sagte der Papst? Und vor allem: Was meinte der Papst damit genau?“ Immerhin haben diese Auchkatholiken inzwischen bemerkt, daß das, was ihr „Papst“ sagt, nicht unbedingt das sein muß, was er meint, oder vielleicht auch umgekehrt – aber über die Brisanz dieser Aussage geben sie sich natürlich keinerlei Rechenschaft – wobei im Laufe des Textes, wie wir sehen werden, sich dem Leser unwillkürlich die Frage aufdrängt: ob denn unsere Auchkatholiken nun wirklich so genau herausgefunden haben, was Herr Bergoglio nicht nur gesagt, sondern wirklich gemeint hat. Zugegebenermaßen ist das aber auch gar nicht so leicht bei jemanden, der gar nicht sagt, was er meint.

Was also tatsächlich will und denkt Jorge Mario Bergoglio mit seiner Synode in Rom? Gehen wir dem Ganzen einmal inhaltlich auf den Grund.

Zunächst dokumentiert der Artikel anhand der Predigt Jorge Mario Bergoglios beim Pontifikalamt im Petersdom einen durchaus schlüssigen Gedankengang:

1. „Das ist die Aufgabe der Führenden im Volk: den Weinberg mit Freiheit, Kreativität und Fleiß zu pflegen.“
2. „Und um diese Gier zu befriedigen, laden die schlechten Hirten den Menschen unerträgliche Lasten auf die Schultern, die zu tragen sie selber aber keinen Finger rühren (vgl. Mt 23,4).“
3. Dann meinte der Papst an die Synodenväter gerichtet: „Wir sind alle Sünder, und auch für uns kann es die Versuchung geben, aus Gier, die in uns Menschen immer vorhanden ist, den Weinberg ‚an uns zu reißen‘. Der Traum Gottes kollidiert stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. Wir können den Traum Gottes ‚vereiteln‘, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen.“

Es gilt also, den Weinberg mit Freiheit, Kreativität und Fleiß zu pflegen, wobei es besonders wichtig ist, den Menschen keine unerträgliche Lasten auf die Schultern zu laden, weil man dadurch zu einem Heuchler würde, der den Traum Gottes verunmöglicht. Also müssen wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen. Wenn man die vorbereitenden Maßnahmen zur Synode in Erwägung zieht, dann ist das von Bergoglio gewünschte Ergebnis, so meinen wir, leicht erratbar – daß dieses Ergebnis aber vom Heiligen Geist stammen soll, das ist uns jedenfalls ganz neu.

Auch unser Autor wird durch diesen Gedankengang verunsichert und meint deswegen zwischenfragen zu müssen: „Was aber meint Papst Franziskus, wenn er sagt, sich vom ‚Heiligen Geist leiten lassen‘?“ Diese Frage ist sicherlich grundlegend, ja entscheidend. Die Antwort darauf wird nicht an der Sache selbst, sondern mit folgenden Sprachspiel Bergoglios gegeben: „Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über das reine Wissen hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten.“

Ist es Ihnen aufgefallen, sind Sie darüber gestolpert, wie Bergoglio hier mit den Begriffen spielt? Was ist hier mit „Weisheit“ gemeint? Was ist eine „Weisheit, die über das reine Wissen hinausgeht“ und was soll dieses „reine Wissen“ eigentlich genau sein? Ja gibt es ein „reines“ Wissen? Kein Begriff in dem Wortspiel hat eine klare Bedeutung, weshalb das, was hier letztlich gemeint ist, das dunkle Geheimnis Bergoglios bleibt. Wenn dieses Vorgehen aber Absicht ist, wenn der Zuhörer gar nicht erfahren soll, was Bergoglio genau und auf den Punkt gebracht meint, wenn dieses bergogliosche postmoderne Sprachspiel dazu dient, die Wahrheit zu umspielen, um sie um so effektiver leugnen und zerstören zu können, dann ist etwas Furchtbares passiert. Was ist, wenn es Bergoglio gar nicht mehr um die Wahrheit geht, weil er schon lange nicht mehr an sie glaubt? Es versteht sich von selbst, daß diese erschreckende Einsicht weit außerhalb der geistigen Reichweite der halbkonservativen Auchkatholiken befindet, denn wie soll diese in eine ihrer Traditiönchenschubladen passen! (Übrigens hatte die Stelle in einer ersten vom Vatikan verbreiteten Übersetzung so gelautet: „Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über die Lehre hinausgeht, um großherzig …“ Sofort gab es Proteste, weshalb „die Lehre“ dann in das „reine Wissen“ umgewandelt wurde. „Und das ist ein großer Unterschied zu der vom Vatikan veröffentlichten falschen deutschen Version. Somit sprach der Papst wie sein Vorgänger, wie der heilige Thomas, wie der heilige Augustinus, wie der heilige Paulus, wie….“, so kommentierte treuherzig ein „Konservativer“.)

Erstaunlicher Weise endet das Gedankenspiel des Artikels hier noch nicht, der Schreiber setzt noch ein Highlight oben drauf, indem er auf die Rede Bergoglios bei der Gebetsvigil auf dem Petersplatz für einen guten Verlauf der Bischofssynode zu sprechen kommt. Folgen wir nochmals aufmerksam den Darlegungen des Autors – oder nein, vielleicht doch gleich besser den Sprachspielen Bergoglios. Dieser sagt also: „Bereits das convenire in unum um den Bischof von Rom ist ein Gnadenereignis, in dem sich die bischöfliche Kollegialität auf einem Weg der geistlichen und pastoralen Urteilsfähigkeit manifestiert.“ Hört sich das nicht toll an, „in dem sich die bischöfliche Kollegialität auf einem Weg der geistlichen und pastoralen Urteilsfähigkeit manifestiert“? – aber wieder einmal gefragt: was heißt es genau und auf den Punkt gebracht? Dieses Wortspiel klingt jedenfalls wortlautgemäß sehr nach dem „2. Vatikanum“, was Jorge Mario Bergoglio damit wirklich sagen will, werden wir aber womöglich niemals erfahren, so ist zu befürchten.

Jorge Mario Bergoglio spricht in dieser Ansprache von drei Gaben – er möchte damit womöglich an die sieben Gaben des Heiligen Geistes anspielen, wobei er jedoch keine dieser Gaben des Heiligen Geistes erwähnt, sondern es vorzieht, ganz neue zu erfinden. Die erste seiner Gaben ist die Gabe des Hörens. Die Synodenväter sollen „auf das Volk hören, bis sie den Willen einatmen, zu dem Gott uns ruft“. Bei Bergoglio hört man, bis man einatmet, wir dachten immer, man hört, bis man versteht.

Aus dieser Gabe des Hörens fließt sodann die „Bereitschaft zu einem ehrlichen, offenen und brüderlichen“ Dialog, „der uns dazu führt, uns mit pastoralem Verantwortungsbewußtsein der Fragen, die dieser Epochenwandel mit sich bringt, anzunehmen. Lassen wir es zu, da sie sich in unser Herz ergießen, ohne je den Frieden zu verlieren, sondern mit der gelassenen Zuversicht, da der Herr zu gegebener Zeit es nicht daran fehlen lassen wird, zur Einheit zurückzuführen. Berichtet uns die Kirchengeschichte, wie wir wissen, nicht vielleicht von vielen ähnlichen Situationen, die unsere Väter mit beharrlicher Geduld und Kreativität zu überwinden wußten?“ Wenn diese Worte kein Sprachspiel erster Güte sind! Sprachspiel, damit ist gemeint: die hohe Kunst, viele, kuriose, Aufmerksamkeit haschende, Geist vernebelnde, möglichst nichtssagende Worte zu machen, nach denen die Leute staunend meinen, wie gebildet und lichtvoll und anrührend dieser gelehrte Herr doch gesprochen hat.

Seiten: 1 2 3