Liturgische Metamorphose – 5. Teil

von antimodernist2014

Was bisher geschehen ist: 1948 hatte Papst Pius XII. unter dem Einfluß der „Liturgischen Bewegung“, die er für ein „gnadenvolles Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche“ hielt, eine Kommission für eine Liturgiereform eingesetzt, deren Sekretär auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes der Lazaristenpater und Freimaurer Annibale Bugnini wurde. Diese arbeitete fortan an einer Transformation der Heiligen Messe in ein Menschenwerk, den „Novus Ordo Missae„. In einer ersten Phase, die bis 1960 reichte, brachte sie u.a. die „Neuordnung der Karwoche“ von 1955 und im gleichen Jahr eine Änderung der Rubriken v.a. für das Breviergebet auf den Weg, in welchen bereits wesentliche Prinzipien und Gestaltungen der „Neuen Messe“ und „Menschenmachwerksliturgie“ umgesetzt wurden. Das Gesamt dieser ersten Reformen erschien 1962 als die „Liturgischen Bücher Johannes‘ XXIII.“ Unterdessen hatte Bugnini Gelegenheit, als Sekretär der Vorbereitenden Liturgiekommission für das „II. Vatikanum“ das Schema zu erarbeiten, das dieses „Konzil“ eröffnen und seine Themen glücklich „präludieren“ sollte: die Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium„. Diese enthält in der Tat alle Grundsätze, nach denen die „Neue Liturgie“ und überhaupt die neue „Konziliare Kirche“ aufgebaut werden sollte: als Versammlung des „Volkes Gottes“ mit „tätiger Teilnahme“ der Gläubigen, die so das allgemeine und eigentliche Priestertum ausüben. Bereits 1963, während das „II. Vatikanum“ noch tagte, wurde Bugnini von Paul VI. beauftragt, die Beschlüsse des „Konzils“ umzusetzen. 1965 erschien das „Übergangsmissale“, welches bereits den zweiteiligen Aufbau des „Novus Ordo“ trägt, die Volkssprache verwendet und Platz für Ergänzungen und Erweiterungen bietet. 1967 wurde der „Meßkanon Lateinisch-Deutsch“ nachgeliefert, 1968 die neuen „Hochgebete“. Damit war man endlich zum Herzen der Heiligen Messe gelangt und hatte ihr innerstes Wesen aufgelöst. Somit war der Weg frei für die letzte Aktion.

Das Werk ist vollendet

Verborgene Reichtümer

Am Gründonnerstag, dem 3. April 1969, erscheint die Apostolische Konstitution des nunmehr „seligen“ Pauls VI. „Missale Romanum“ zur „Einführung des gemäß Beschluß des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuerten Römischen Meßbuches“. Darin lobt „Papst Montini“ zuerst das Missale des heiligen Pius V., um dann fortzufahren: „Seit geraumer Zeit hat sich nun aber im christlichen Volk eine liturgische Erneuerung in steigendem Maße entfaltet, die nach einem Wort Unseres Vorgängers Pius XII. als Walten der Vorsehung Gottes gegenüber den Menschen unserer Zeit und als gnadenvolles Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche (Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Pastoralliturgischen Kongresses zu Assisi am 22.9.1956: AAS 48 (1956), S.712.) anzusehen ist. Diese Erneuerungsbewegung hat weithin deutlich werden lassen, daß die Texte des Römischen Meßbuches einer Überarbeitung und Erweiterung bedürfen. Einen Anfang machte Unser Vorgänger Pius XII. durch die Neuordnung der Osternacht und der Karwoche (Vgl. Ritenkongregation, Dekret Dominicae Resurrectionis vom 9.2.1951: AAS 43 (1951), S.128 ff.; Dekret Maxima redemptionis nostrae mysteria vom 16.11.1955: AAS 47 (1955), S.838 ff.), womit er gleichsam den ersten Schritt tat, um das Römische Meßbuch dem Empfinden unserer Zeit anzupassen.“ Montini war bekanntlich bereits damals unter Pius XII. als Mitglied der Kommission an den liturgischen Reformen beteiligt gewesen und weiß daher, wovon er spricht.

Weiter heißt es in der Konstitution: „Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der Konstitution Sacrosanctum Concilium die Grundlage für eine allgemeine Erneuerung des Römischen Meßbuches gelegt.“ Es werden die wesentlichen Anordnungen genannt: „Nach seinen Bestimmungen sollen Texte und Riten so geordnet werden, daß sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen (II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium Art. 21.); der Meßordo soll so überarbeitet werden, daß der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen erleichtert wird. (Vgl. ebd. Art. 50.) Damit den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Ferner beschloß das Konzil, daß ein neuer Konzelebrationsritus geschaffen und in das Römische Pontifikale und Missale eingefügt werde. (Vgl. ebd. Art. 57.)“

Die „Erneuerung des Römischen Meßbuches“ sei jedoch „nicht plötzlich und unvorbereitet gekommen“, ihr hätten vielmehr „die Ergebnisse der liturgiewissenschaftlichen Arbeiten während der letzten vier Jahrhunderte den Weg bereitet“. Ebenso wie schon zur „Revision des Römischen Meßbuches“ durch den heiligen Pius V. „das Studium und der Vergleich der alten Handschriften, die sich in der Vatikanischen Bibliothek befanden oder die von überall her hinzugezogen wurden, nicht wenig beigetragen“ habe, so auch jetzt: „Inzwischen sind sowohl älteste liturgische Quellen neu erschlossen und veröffentlicht wie auch Texte der Ostkirchen eingehender untersucht worden. Es ergab sich bei vielen der Wunsch, die dort vorhandenen Reichtümer des Glaubens und der Frömmigkeit nicht länger im Dunkel der Bibliotheken verborgen zu halten, sondern ans Licht zu bringen, um Herz und Sinn der Christen zu erleuchten und zu nähren.“ Hier übersieht „Seine Heiligkeit“, daß es nicht das Anliegen des heiligen Pius V. war, irgendwelche „Reichtümer“ aus irgendwelchen „ältesten liturgischen Quellen“ oder „Texten der Ostkirche“ hervorzuholen und „ans Licht zu bringen“. Ihm ging es um eine wahre Reform, nämlich den römischen Ritus wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen und von ihm wesensfremden „Reichtümern“ zu befreien.

Bedeutendste Neuerung

Sodann wird „die Neuordnung des Römischen Meßbuches wenigstens in den Grundzügen“ wie folgt beschrieben: Zunächst wird auf die „Allgemeine Einführung“ hingewiesen, die „Institutio generalis“, welche uns weiter unten noch beschäftigen wird, „die gleichsam die Einleitung des Buches bildet“. In ihr würden „die neuen Richtlinien für die Feier des eucharistischen Opfers dargelegt, die sich auf die Handlungen und Dienste eines jeden Teilnehmers sowie auf alles, was zur heiligen Feier sachlich und räumlich notwendig ist, beziehen“. Die „bedeutendste Neuerung“ freilich betreffe „wohl das eucharistische Hochgebet“.

In der Tat: „Zwar sind im römischen Ritus für den ersten Teil dieses Gebetes, die Präfation, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Texte geschaffen worden; der zweite Teil hingegen, der Kanon genannt wurde, erhielt in der Zeit vom 4. zum 5. Jahrhundert eine unveränderliche Form. Im Gegensatz hierzu ließen die ostkirchlichen Liturgien eine gewisse Abwechslung von Anaphoren zu. Gemäß Unserer Anordnung ist nun das eucharistische Hochgebet durch eine größere Anzahl von Präfationen bereichert worden, die teils der alten Tradition der römischen Kirche entnommen, teils neu verfaßt sind (!), um so die verschiedenen Aspekte des Heilsmysteriums deutlicher werden zu lassen und zahlreichere Motive der Danksagung anzuführen. Außerdem haben Wir für das Hochgebet drei neue Texte (!) hinzufügen lassen. Aus pastoralen Gründen und zur Erleichterung der Konzelebration haben Wir verfügt, daß die Herrenworte in allen Fassungen des Kanons die gleichen seien. Wir bestimmen also, daß sie in jedem eucharistischen Hochgebet folgendermaßen lauten. Über das Brot: ‚Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.‘ Über den Kelch: ‚Nehmet und trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle (!) [so die offizielle vatikanische Übersetzung; im lateinischen Original heißt es jedoch immer noch „pro multis“] vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.‘ Die vom Priester gesprochenen Worte ‚Geheimnis des Glaubens‘ werden aus dem Kontext der Herrenworte gelöst und als Einleitung einer Akklamation der Gläubigen verwendet.“

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