Die Revolution rollt

von antimodernist2014

1. Revolution bedeutet im eigentlichen und tiefsten Erhebung gegen Gott und manifestiert sich im Aufstand gegen Seine Gebote. Dabei werden die Gebote Gottes nicht einfach nur gebrochen wie bei jeder Sünde, sondern es sollen die Gebote selbst aufgelöst und beseitigt werden. Die Sünde wird nicht mehr verboten, sondern erlaubt, ja bisweilen gar glorifiziert, sie wird zum „Menschenrecht“.

2. Am wirkungsvollsten läßt sich dieser Aufstand proben im 6. Gebot, welches die Ehe heilig halten und schützen soll. Wir befinden uns hier in jenem Bereich, welcher durch die Erbsünde am nachhaltigsten und zutiefst geschädigt ist. Denn da die Erbsünde durch die Geschlechtlichkeit fortgepflanzt wird, liegt in dieser sozusagen ihr Krankheitsherd, wie der heilige Thomas sagt. Nirgendwo ist die verwundete menschliche Natur anfälliger, weshalb nach Aussage vieler Heiliger und Geisteslehrer die meisten Seelen der Verworfenen wegen Sünden auf diesem Gebiet das ewige Leben verloren haben. Zwar gibt es andere Sünden, die schwerer und gewichtiger sind, wie etwa Mord, Sakrileg oder Blasphemie. Auch die heute weithin üblich gewordene Mißachtung des Sonntagsgebots, beispielsweise in der Landwirtschaft, wiegt weitaus schwerer als Ehebruch. Deshalb nennt Unsere Liebe Frau von La Salette die Verachtung der Sonntagsheiligung als einen der ersten Gründe, die den Zorn Gottes herabrufen und den Arm ihres göttlichen Sohnes „so schwer werden“ lassen. Dennoch sind die Sünden gegen das 6. Gebot meist schwere Sünden, und es gibt kaum Sünden, die den Menschen so blind für das Geistige machen und ihn so sehr an das Niedere und den Schmutz binden. Der heilige Paulus warnt: „Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch begeht, ist außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen seinen eigenen Leib“ (1 Kor 6,18).

Da also die Sünden gegen das 6. Gebot die „populärsten“ und verbreitetsten sind, andererseits diejenigen, die den Menschen am meisten von Gott entfernen und dem Sinnlichen versklaven, werden wir kaum eine Revolution finden, die diesen Punkt ausläßt. Im Gegenteil wird er immer ein besonderer Schwerpunkt ihrer subversiven Bestrebungen sein. Die kommunistische Revolution beispielsweise ließ es sich besonders angelegen sein, die geltende Ehemoral zu beseitigen und in diesem Zusammenhang ein Recht auf Abtreibung zu proklamieren. Die berühmte 1968er Bewegung setzte gleich alle anderen Zwecke und Vorwände beiseite und erklärte sich ganz zur „sexuellen Revolution“. In ihr stecken wir noch mittendrin, wenngleich sie bereits weit fortgeschritten ist.

3. Etwa zur gleichen Zeit, in den 1960er Jahren, fand bekanntlich auch eine kirchliche Revolution statt: das „II. Vatikanische Konzil“. Aus ihr ging eine neue Sekte, die „konziliare Kirche“ hervor. Noch bei keiner schismatischen oder häretischen Gemeinschaft, die sich von der Kirche abgespalten hat, ist dies ohne Schaden für deren Ehe- und Geschlechtsmoral vor sich gegangen. Ehescheidung war das mindeste, was in der Regel über kurz oder lang zugestanden wurde (wenn es nicht gleich am Anfang stand wie bei Heinrich VIII. und seinen „Anglikanern“), und im Lauf der Jahrzehnte oder Jahrhunderte währenden Trennung von der Kirche kam es zu immer größeren und verheerenderen Zerstörungen auf diesem Gebiet. Der desolate Zustand so mancher protestantischer Gemeinschaft unserer Tage in dieser Hinsicht war oft genug der Grund, der ernsthaft Gläubige oder Suchende aus ihnen vertrieb und deren Konversion zur katholischen Kirche beförderte.

Darin fand sich eine besondere Schwierigkeit, denn nun sollte auch den Katholiken, die bisher die Reinheit der Lehre und der Sitten, insbesondere der ehelichen Moral, gewöhnt waren und es sich von ihrer Kirche auch gar nicht anders vorstellen konnten, ein neues und revolutionäres Verständnis beigebracht werden; denn sie waren ja die Klientel, die man für die neue „konziliare Kirche“ zu gewinnen hatte. Dank der seit Jahrhunderten und in den Jahrzehnten des ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders intensiv betriebenen Unterwanderung der Kirche war es gelungen, auf dem „II. Vatikanum“ neue und umstürzlerische Lehren unterzubringen, die zwar einigen Widerstand hervorriefen, aber von den meisten Katholiken letztlich brav geschluckt wurden, kamen sie doch vom Papst und den Bischöfen. Selbst eine neue und revolutionäre Liturgie wurde vom größten Teil noch gehorsam hingenommen. Im sensiblen Bereich der Moral und namentlich des Geschlechtlichen lag das Problem wesentlich diffiziler. Hier revolutionäre Änderungen durchzuführen und die Katholiken in ihrer Mehrheit mitzunehmen, war eine heikle Angelegenheit.

4. Zwar hatte man schon auf dem „II. Vatikanum“ vorsichtig die Ehezwecke vertauscht, doch da dies in der Praxis vorderhand kaum Auswirkungen zeigte, verursachte es keinen Aufruhr. Wohl wurden in der Zeit nach dem „Konzil“ vielfach die Dinge sehr viel lockerer gehandhabt und etwa die Annullierungen von Ehen durch die diözesanen Gerichte oft recht schnell und leichtfertig durchgeführt. Das erregte freilich manchen Unmut, konnte aber als Einzelfälle abgetan werden. Der erste große Sturm gegen die kirchliche Ehelehre tobte bei Beginn der 1968er Revolution mit der Forderung auf Freigabe der künstlichen Verhütung. Eine Kommission, die Paul VI. zur Prüfung dieser Frage eingesetzt hatte, votierte mehrheitlich dafür. In einem geradezu heroischen Akt entschied sich der „selige“ Montini dagegen und veröffentlichte seine Enzyklika „Humanae Vitae“, die den „konservativen“ bis heute als „Magna Charta“ der katholischen Ehelehre gilt, während sie den „progressiven“ ein ständiger Stein des Anstoßes blieb und bei den Liberalen den ihm nach wie vor anhaftenden Ruf Pauls VI. als eines starrsinnigen leibfeindlichen Kirchenpotentaten begründete. Dabei war ihnen allen entgangen, daß in Wahrheit die Revolution, wenn auch vorsichtig und zögernd, bereits Eingang in dieses Dokument gefunden hatte.

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