Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches

von antimodernist2014

1. Wenn wir dieser Tage besonders der Toten gedenken, so dürfen wir nicht außer acht lassen, daß der Tod nicht das letzte Wort ist. Wir glauben gewiß an ihre Auferstehung, und das ist der Grund, warum Christen ihre Toten nicht einfach verbrennen, sondern sie gewissermaßen zur Ruhe betten, sie der Erde übergeben, von der sie genommen sind, damit sie dort der Auferstehung entgegenharren.

Der heilige Thomas von Aquin belehrt uns in seiner Erklärung des Glaubensbekenntnisses: „Der Heilige Geist heiligt die Kirche nicht nur der Seele nach, sondern durch Seine Kraft werden auch unsere Körper auferstehen. Deshalb glauben wir an die künftige Auferstehung der Toten.“ Dabei, so fährt er fort, seien „vier Dinge in Betracht zu ziehen: der Nutzen, der sich aus dem Glauben an die Auferstehung ergibt; die Beschaffenheit der Auferstandenen im allgemeinen; die Beschaffenheit der auferstandenen Guten und Bösen im besonderen“.

2. Zunächst also der „Nutzen, der uns aus dem Glauben an die Auferstehung und aus der Hoffnung auf sie erwächst“. Dieser ist wiederum vierfach. Erstens vertreibt dieser Glaube die „Traurigkeit, in die wir wegen des Todes uns Nahestehender verfallen“. Es wäre durchaus unnatürlich, wenn wir diese Trauer nicht empfinden würden. Der Aquinate: „Es ist nämlich unmöglich, daß der Mensch beim Tod seiner Lieben nicht traure; aber dieser Schmerz wird durch die Hoffnung auf ihre Auferstehung sehr gemildert.“ So tröstet auch der heilige Paulus die Thessalonicher: „Wir möchten euch, Brüder, über die Entschlafenen nicht im Ungewissen lassen. Ihr sollt ja nicht trauern wie die anderen, die keine Hoffnung haben“ (1 Thess 4,23).

Zweitens befreit uns die Hoffnung auf Auferstehung von der Todesfurcht. „Wenn der Mensch nicht auf ein anderes, besseres Leben nach dem Tode hoffen dürfte, wäre der Tod allerdings sehr zu fürchten, und es müßte der Mensch alles – sogar Übles – unternehmen, um dem Tod zu entgehen.“ Genau das ist leider heute weithin der Fall, weil die Menschen vielfach den Glauben an die Auferstehung nicht mehr haben. Weil wir Christen aber „an ein anderes, besseres Leben glauben, in das wir nach dem Tode gelangen, haben wir den Tod keineswegs zu fürchten und brauchen auch aus Furcht vor ihm nichts Übles zu tun“. So ist Unser Herr Jesus Christus nach dem heiligen Paulus deswegen Mensch geworden, „um durch den Tod den zu vernichten, der des Todes Gewalt innehatte, nämlich den Teufel, und alle zu erlösen, die in der Furcht des Todes das ganze Leben hindurch einer Versklavung verfallen waren“ (Hebr 2,14f).

Drittens werden wir dadurch angeeifert „in unserem Streben, Gutes zu tun“. „Wenn es nämlich für die Menschen nur das irdische Leben geben würde, so würden sie sich nicht sehr bemühen, Gutes zu tun; alles käme ihnen gering vor, denn das Sehnen des Menschen geht nicht nur auf ein zeitlich beschränktes Gut, sondern auf ein ewiges.“ Eben das können wir heute überall um uns herum beobachten, wie sich die Menschen nicht mehr sehr bemühen, Gutes zu tun, vielmehr allen irdischen Gütern hinterherjagen, die sie doch nie erfüllen und befriedigen können und daher nur zu immer weiterer Gier antreiben. „Weil wir aber glauben, daß wir durch unser irdisches Tun bei der Auferstehung ewige Güter erlangen, streben wir danach, Gutes zu tun.“ Daher kommt es, daß die Christen oft verlacht, verkannt und verspottet werden, wie der heilige Paulus sagt: „Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen dürften, wären wir erbarmungswürdiger als alle Menschen“ (1 Kor 15,59).

Viertens ist der Glaube an die Auferstehung eine wirksame „Abschreckung von der Sünde“. Denn so „wie uns die Hoffnung auf den Lohn dazu antreibt, Gutes zu tun, so schreckt uns die Furcht vor der Strafe, die, wie wir glauben, den Bösen bevorsteht, von der Sünde ab“. Darum sündigen so viele Seelen heute leichtfertig, weil sie daran nicht mehr glauben. Und doch ist es so, wie der Heiland selbst sagt: „Es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung für das Leben, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung für das Gericht“ (Joh 5,29).

3. Das zweite, was wir in Betracht ziehen sollen, ist die „Beschaffenheit der Auferstandenen im allgemeinen“. Dazu ist nach dem heiligen Thomas wiederum „viererlei zu beachten“. Erstens ist zu beachten die „Gleichheit des auferstandenen Leibes mit dem im irdischen Leben getragenen“. Es ist ganz derselbe Leib, den wir jetzt haben, und der einst auferstehen wird. Das ist der Grund, warum wir Christen diesen Leib, der eines Tages auferstehen soll in Herrlichkeit, auch nach dem Tod nicht zerstören durch Verbrennung oder dergleichen, sondern ihn weiterhin ehrfurchtsvoll behandeln, und dies besonders bei den Leibern der Heiligen, denen wir eine ganz besondere Verehrung zuteil werden lassen. Zwar, so der Aquinate, hätten „einige behauptet, daß der Leib, der auf Erden verwest, nicht auferstehen werde“, diesem widersprächen aber die Worte des Apostels: „Denn dieses Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit“ (1 Kor 15,53), sowie „die Worte der Heiligen Schrift, die besagen, daß durch die Kraft Gottes derselbe Leib zum Leben auferstehen wird“, wie etwa bei Job: „Und wieder werde ich umgeben werden mit meiner Haut und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen“ (Job 19,26).

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