Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches

Zweitens ist zu beachten, daß sich die Leiber der Auferstandenen jedoch „von den irdischen Leibern durch ihre Unverweslichkeit unterscheiden, und zwar sowohl die Leiber der Seligen als auch die der Verdammten, die der Guten immer in der Herrlichkeit, die der Bösen immer in der Strafe“. Letzteres ist freilich eine schreckliche Vorstellung. Der heilige Thomas fährt fort: „Und weil die Leiber unverweslich und unsterblich sein werden, wird es dann auch keinen Gebrauch von Speisen und kein eheliches Leben mehr geben.“ „Denn bei der Auferstehung wird weder geheiratet noch verheiratet, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel“, sagt uns der Heiland selbst (Mt 22,30). Irdische Speisen sind auch nicht mehr nötig, es wird aber mit Sicherheit himmlische Speisen geben, denn nicht umsonst vergleicht der Heiland den Himmel stets mit einem Gast- oder Hochzeitsmahl.

Drittens wird der Leib der Auferstandenen, „sowohl der Guten wie der Bösen“, vollkommen sein, „das heißt, es wird unter den Auferstandenen keinen Blinden, keinen Lahmen und keinen mit irgendeinem anderen Gebrechen Behafteten geben“. Viertens schließlich wird das Alter „das vollkommene sein, das heißt zwei- oder dreiunddreißig Jahre; denn diejenigen, die noch nicht so alt sind, haben das vollkommene Alter noch nicht erreicht, und die Greise haben es schon überschritten“. „Daher wird den Jüngeren und den Kindern das ihnen Fehlende hinzugefügt, und die Greise werden wieder in das vollkommene Alter zurückversetzt, nach den Worten des Apostels: ‚Wir alle gelangen zur vollen Mannesreife, dem Vollmaß der Lebenshöhe Christi‘ (Ehp 4,13).“ Letzteres sehen manche Ausleger freilich anders, die meinen, daß jeder sein eigenes vollkommenes Alter hat und dann sein „Vollmaß der Lebenshöhe Christi“ erlangt hat, wenn er das ihm zubestimmte Maß der Heiligkeit vollendet hat. Daher kann es im Himmel durchaus auch Greise und Kinder geben, allerdings ohne die auf Erden bei ihnen zu findenden Unvollkommenheiten, Gebrechen oder Schwachheiten.

4. An dritter Stelle ist die Beschaffenheit der auferstandenen Guten zu betrachten, und hier „ist zu bemerken, daß ihnen eine besondere Glorie zuteil werden wird, indem ihre verklärten Leiber vier Eigenschaften aufweisen werden“. Die erste dieser Eigenschaften ist die Strahlkraft („claritas“), gemäß den Worten der Heiligen Schrift: „Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters“ (Mt, 13,43). So erschien auch der Heiland auf dem Berge Tabor im Vorgriff auf Seinen Auferstehungsleib Seinen Aposteln ganz strahlend und hell, „Sein Angesicht glänzte wie die Sonne, Seine Kleider aber wurden leuchtend hell wie das Licht“ (Mt 17,2).

Die zweite Eigenschaft ist die Leidensunfähigkeit („impassibilitas“), gemäß den Worten des heiligen Paulus: „Gesät wird der Leib in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit; gesät wird er in Schwachheit, auferstehen wird er in Kraft“ (1 Kor 15,43). Der heilige Johannes faßt es in seiner Offenbarung in die schönen und tröstlichen Worte: „Gott wird jede Träne von ihrem Auge trocknen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Jammer, noch Mühsal: denn das erste ist vergangen“ (Off 21,4). Hinzu kommt drittens die Leichtbeweglichkeit („agilitas“), „nach den Worten der Schrift: ‚Die Gerechten werden wie Funken im Röhricht hin- und herblitzen‘ (Weish 3,7)“.

Die vierte Eigenschaft ist die Vergeistigung („subtilitas“), wie der heilige Paulus sagt: „Gesät wird ein sinnenhaft-irdischer Leib, auferstehen aber ein geistiger Leib“ (1 Kor 15,44). Dies ist nach dem heiligen Thomas so zu verstehen, „nicht als ob er ganz Geist würde, aber doch ganz dem Geiste unterworfen“. Auch dies hat der Heiland nach Seiner Auferstehung den Aposteln eindrucksvoll gezeigt, als Er etwa bei geschlossenen Türen mitten ins Zimmer trat, gleichzeitig Speise zu sich nehmen konnte und sich betasten ließ, um zu zeigen, daß Er kein Gespenst sei, sondern leibhaftig vor ihnen stehe.

5. Was nun schließlich viertens die Beschaffenheit der Bösen anbelangt, so ist „zu bemerken, daß ihr Zustand dem Zustand der Seligen gerade entgegengesetzt sein wird“. Erstens werden ihre Leiber „verfinstert sein, nach den Worten des Propheten: ‚Verbrannt sind ihre Gesichter‘ (Is 13,8)“. Zweitens werden sie „leidensfähig sein und doch nicht sterben können, denn obwohl sie immer im Feuer brennen, werden sie nicht von ihm verzehrt, nach den Worten des Propheten: ‚Ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen‘ (Is 66,24)“. Drittens werden sie beschwert oder „belastet sein, denn ihre Seele wird in ihnen gleichsam in Fesseln liegen“, und viertens werden sie „gleichsam tierisch sein an Seele und Leib“.

Wir sehen an diesen letzten Bemerkungen, was für ein gewaltiger Beweggrund zum Tun des Guten und Meiden des Bösen gerade in der Betrachtung der Auferstehung des Fleische für uns liegt.