Und ein ewiges Leben. Amen.

von antimodernist2014

1. Im November betrachten wir die „Letzten Dinge“: Tod, Gericht, Fegefeuer, Himmel und Hölle. Mit letzteren beiden wollen wir uns hier beschäftigen anhand der Erklärungen, die uns der heilige Thomas von Aquin zum Glaubensbekenntnis gibt. Er schreibt: „Es ist zweckmäßig, an das Ende des Glaubensbekenntnisses das Ziel aller unserer Wünsche, nämlich das ewige Leben, zu setzen; daher heißt es am Schluß: ‚Ein ewiges Leben. Amen.’“

2. Es gibt Gegner dieser Wahrheit, solche, die „annehmen, das Dasein der Seele höre mit dem Dasein des Körpers auf“. Jedoch: „Wenn dies wahr wäre, so befände sich der Mensch im gleichen Zustand wie die Tiere.“ Exakt das denken ja die „aufgeklärten“ Evolutionisten unserer Tage. „Die menschliche Seele ist jedoch in ihrer Unsterblichkeit Gott ähnlich, in ihrer Sinnenhaftigkeit aber den Tieren. Wenn also einer glaubt, die Seele sterbe zugleich mit dem Körper, so gibt er die Ähnlichkeit mit Gott auf und wird wie ein Tier.“ Eine Erklärung für den traurigen Zustand vieler heutiger Seelen. Im Buch der Weisheit klagt Gott: „Sie kennen nicht die göttlichen Geheimnisse. Nicht hoffen sie auf einen Lohn für die Gerechtigkeit; nicht schätzen sie die Ehre heiliger Seelen. Zur Unvergänglichkeit schuf Gott den Menschen und machte ihn zu Seines eigenen Wesens Bild“ (Weish 2,22f).

3. Wir wollen nun betrachten, „was das ewige Leben eigentlich ist, und da ist zu sagen, daß es vor allem in vier Dingen besteht“. Erstens besteht das ewige Leben in der „Verbindung des Menschen mit Gott“, denn „Gott selbst ist das Ziel und der Lohn all unserer Mühen“. „Ich selbst bin dein Beschützer und dein übergroßer Lohn“ (Gen 15,1). Gott, das höchste Gut, das Gut aller Güter, was für ein gewaltiger Lohn und Siegespreis! Wir verstehen, warum der heilige Paulus die Korinther ermahnt: „Wißt ihr nicht, daß die Läufer in der Rennbahn zwar alle laufen, jedoch nur einer den Preis erlangt? Lauft so, daß ihr ihn erhaltet! Jeder, der im Wettkampf steht, enthält sich von allem. Diese tun es, um einen vergänglichen Kranz zu empfangen, wir aber um eines unvergänglichen willen“ (1 Kor 9,24f). Der Aquinate weiter: „Diese Vereinigung mit Gott besteht aber in der vollkommenen Schau.“ Wie der heilige Paulus schreibt: „Jetzt sehen wir gleichnishaft, wie in einem Spiegel, dann aber von Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13,12). Und der Heiland offenbart: „Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh 17,3).

Zweitens besteht das ewige Leben in „höchstem Lobpreis und in der vollkommenen Erfüllung aller Wünsche“. „Wir werden schauen, lieben und loben“, sagt der heilige Augustinus (De civ. Dei XXII), und der Prophet Isaias: „Freude und Frohlocken finden sich darin, Danksagung und Lobgesang“ (Is 51,3). Der heilige Thomas erklärt: „Dort wird jedem Seligen über alles Erwünschte und Erhoffte hinaus gegeben: in diesem Leben kann nämlich keiner sein Sehnen ganz erfüllen, und auch kein geschaffenes Gut sättigt des Menschen Verlangen. Nur Gott allein sättigt es unendlich, und daher findet es Ruhe nur in Gott. So sagt auch der heilige Augustinus: ‚Du hast uns für Dich geschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir‘ (Conf. 1,1).“ Weil aber nun die Heiligen „in der ewigen Heimat Gott vollkommen besitzen, so ist offenbar, daß dort ihr Sehnen gestillt und von der Herrlichkeit noch übertroffen sein wird“, denn Gott ist immer größer als alles Sehnen und Erwarten und Wünschen des Menschen sein kann. Darum die Worte des Heilands, die der Richter zu den Guten sprechen wird: „Gehe ein in die Freud deines Herrn“ (Mt 25,21). In den Psalmen hören wir: „Ich werde gesättigt, wenn Er erscheint in Seiner Herrlichkeit“ (Ps 16,15), und: „Mit Segen erfüllt Er dein Verlangen“ (Ps 102,5).

„Denn was immer es Erfreuliches gibt, findet sich dort in Überfülle“, fährt der engelgleiche Lehrer fort. „Dort findet sich der höchste und vollkommenste Genuß, nämlich der Genuß an dem höchsten Gut, an Gott.“ „Dann wirst du ob des Allmächtigen überfließen vor Lust“ (Job 22,26). „Sucht einer Ehren, so findet er dort ihren Inbegriff“, denn nicht umsonst heißt es: „Du hast uns zu einem Königtum und zu Priestern gemacht für Gott“ (Off 5,10). „Oder sucht einer Wissenschaft, so findet er dort die vollkommenste, denn die Natur aller Dinge und jegliche Wahrheit werden wir wissen, und alles, was wir haben wollen, werden wir im ewigen Leben besitzen.“ So lesen wir im Buch der Weisheit: „Mit ihr kamen mir alle Güter zugleich“ (Weish 7,11). Und im Buch der Sprüche: „Den Gerechten wird gegeben, was sie begehren“ (Spr 10,24).

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