Und ein ewiges Leben. Amen.

Drittens besteht das ewige Leben in „vollkommener Sicherheit“. „In dieser Welt gibt es keine vollkommene Sicherheit, denn je mehr einer hat und je mehr er hervorragt, um so mehr fürchtet er und um so mehr begehrt er. Aber im ewigen Leben gibt es keine Traurigkeit, keine Mühe, keine Furcht.“ „In Fülle wird man genießen und hat kein Unglück zu fürchten“, heißt es im Buch der Sprüche (1,33). Der Heiland ermahnt uns deshalb: „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie verzehren und wo Diebe einbrechen und stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie verzehren und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen“ (Mt 6,19f).

Viertens besteht das ewige Leben in „der frohen Gemeinschaft mit allen Seligen“. „Diese Gemeinschaft wird höchste Freude bedeuten, weil jeder teilhat an den Gütern aller Seligen; denn ein jeder liebt die anderen wie sich selbst und freut sich daher über die Güter der anderen wie über seine eigenen.“ Das ist die wahre und höchste „Gütergemeinschaft“. „Und daher wird die Freude und das Glück des Einzelnen vermehrt nach dem Maß der Freude aller.“ Wie das Sprichwort sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid, doch geteilte Freude ist doppelte Freude. Der Psalmist faßt diese Freude in die Worte: „Wie Frohlockende sind alle, die in Dir wohnen“ (Ps 86,7). Der heilige Thomas schließt diesen Abschnitt: „Dieses also und vieles andere, was sich nicht aussprechen läßt, wird der Besitz der Seligen in der ewigen Heimat sein.“

4. Wie jedoch sieht es auf der anderen Seite aus? „Die Bösen aber, die dem ewigen Tode verfallen, werden nicht weniger an Pein und Strafe haben als die Guten an Freude und Herrlichkeit.“ Auch ihre „übergroße Strafe besteht in viererlei“, da sie in allem sozusagen das Gegenteil des ewigen Lebens darstellt. Erstens besteht sie in der „Trennung von Gott und allen Guten“, der sogenannten „’Strafe des Verlustes‘ (poena damni), die ihrer Abkehr von Gott entspricht und die größer ist als die ‚Strafe der Sinne‘ (poena sensus)“. Deshalb heißt es in der Heiligen Schrift: „Den unnützen Knecht werfet in die äußerste Finsternis hinaus“ (Mt 25,30). Der Aquinate: „In diesem Leben haben die Bösen innere Verfinsterung, die durch die Sünde hervorgerufen wird; dort werden sie auch äußere Verfinsterung haben.“ Mehrfach verwendet der Heiland in Seinen Gleichnissen das Bild vom Hochzeitsmahl oder Gastmahl, von welchem die Sünder ausgeschlossen sind und in der „Finsternis draußen“ bleiben müssen, wo „Heulen und Zähneknirschen“ ist.

Zweitens besteht die Strafe in „den Gewissensbissen“. Der Heiland spricht eindringlich vom „Wurm“, der „nicht stirbt“ (Mk 9,44.46.48), vor dem auch Isaias schon gewarnt hat, und meint damit das bohrende Gewissen in der Hölle. „Sie werden vor innerer Angst aufseufzen“, heißt es im Buch der Weisheit (5,3), und doch „wird dieses Seufzen und diese Reue nichts nützen, weil ihr Grund nicht der Abscheu vor dem Bösen, sondern der Schmerz der Strafe ist“, gibt der heilige Thomas zu bedenken.

Drittens besteht ihre Strafe in der „Unermeßlichkeit der sinnenhaften Strafe“. „Das Feuer der Hölle, das Seele und Leib peinigen wird, ist eine überaus harte Strafe, wie die Heiligen sagen; die Bösen werden gleichsam ewig Sterbende sein und doch nie sterben können; deshalb wird dies auch der ‚ewige Tod‘ genannt, denn was der zeitliche Tod in diesem Leben bedeutet – die härteste aller irdischen Strafen –, bedeutet die Hölle für die Ewigkeit.“ Der Heiland spricht vom „nie erlöschenden Feuer“ (Mk 9,43), vom „Feuer, das nicht erlischt“ (Mk 9,44.46.48). Wir können ein wenig erahnen, wieso die Kinder in Fatima beim Anblick der Hölle ein solcher Eifer packte, die Seelen der Sünder vor diesem schrecklichen Abgrund zu retten.

Viertens schließlich besteht die Strafe in „der Verzweiflung am Heil“. Die „Strafe wäre gemildert, wenn sie eine Hoffnung auf Befreiung von ihr hätten“, so wie es im Fegefeuer der Fall ist, wo die Seelen den großen Trost haben, nach Beendigung ihres Leidens den Himmel zu erwarten. Nicht so in der Hölle. Diese ist ewig und hört nie auf. „Da ihnen aber alle Hoffnung genommen ist, ist ihre Strafe die allerschwerste.“ So erblickte der heilige Don Bosco bei seiner Vision der Hölle dort die Aufschrift: Hier ist alle Hoffnung dahin, oder: Laß alle Hoffnung fahren.

5. Der Aquinate beschließt seine Erwägungen: „Daraus erhellt, was für ein Unterschied zwischen guten und bösen Taten besteht. Die guten Taten führen hinauf zum Leben, die bösen ziehen hinab zum Tode“, und deshalb „sollten die Menschen sich dies oft in Erinnerung rufen, weil sie dadurch zum Guten bewogen und vom Bösen abgeschreckt würden“. Die Kirche hat deswegen stets gemahnt, oft der Letzten Dinge zu gedenken, da dies ein mächtiger Antrieb ist, ein gutes Leben zu führen und die Sünde zu meiden. „Daher werden auch sinnvoll an den Schluß des Glaubensbekenntnisses die Worte gesetzt: ‚Ein ewiges Leben‘, damit sie sich immer tiefer unserem Gedächtnis einprägen, zu welchem Leben uns führen möge der Herr Jesus Christus, unser Gott, der hochgelobt sei in alle Ewigkeit. Amen.“