Terror des Geschwätzes

von antimodernist2014

1. Jorge Mario Bergoglio alias „Franziskus“ redet bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist, und das jeden Tag, und jeder Tag ist für ihn lang. Hier eine kleine Blütenlese vom Monat Oktober.

2. Am 10. Oktober empfing Bergoglio im Vatikan eine „Delegation der anglikanischen Gemeinschaft der Evangelikalen Episkopalkirchen (Altamonte Springs/US- Bundesstaat Florida)“, wie uns „kath.net“ berichtet. Bei dieser Gelegenheit forderte er „mehr Gemeinsamkeit von Katholiken und Evangelikalen“. „Sie sollten zusammen vorangehen, füreinander beten und miteinander Werke der Barmherzigkeit tun“ und nicht erst „warten, bis die Theologen alle Unterschiede aus dem Weg geräumt hätten“. Schließlich sei die „gemeinsame Taufe und der Glaube an den dreieinigen Gott“ wichtiger als „theologische Differenzen“, ja es sei „eine Sünde gegen den Willen Jesu Christi, wenn man sich allein auf die Differenzen der Kirchen und Konfessionen konzentriere“. Auch die Christenverfolger „fragten nicht, ob ihre Opfer Orthodoxe, Pfingstler oder Katholiken seien“, sondern „töteten sie, weil sie an Jesus Christus glauben“. Man könne hier von einer „Ökumene des Blutes“ sprechen.

Nun sind diese Gedanken ja in keiner Weise neu. Wir kennen sie zur genüge aus der „Konziliaren Kirche“ und unserem ökumenistischen Zeitalter – wenngleich sie selten von höchster Stelle so unverblümt und geradezu primitiv ausgedrückt wurden. Interessant ist jedoch der Hinweis auf die „Ökumene des Blutes“. Aus dem Katechismus wissen wir: „Wer des Glaubens wegen getötet wird, heißt Märtyrer oder Blutzeuge, weil er mit seinem Blute, d.h. durch Hingabe seines Lebens seinen Glauben bezeugt hat.“ Hier ist freilich der wahre, der katholische Glaube gemeint, denn der Katechismus fährt fort: „Wer aber für eine Irrlehre stirbt, ist kein Martyrer; denn einem solchen fehlt die Gottesliebe, ohne welche selbst der Martyrertod keinen Wert hat“, gemäß dem heiligen Paulus: „Und wenn ich meinen Leib hingebe zum Verbrennen, doch Liebe nicht habe, nützt es mir nichts“ (1 Kor 13,3). Die Rede ist dabei von der übernatürlichen Liebe, der theologischen Tugend, die ohne die gleichfalls theologische Tugend des Glaubens nicht bestehen kann.

Der heilige Augustinus schreibt in seiner Auslegung der Bergpredigt über die Seligpreisung des Heilands: „Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch alles Böse gegen euch sagen um meinetwillen. Freut euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel“ (Mt 5,11f). Der Kirchenlehrer erklärt dazu: „Es ist nämlich nicht fruchtbar, diese Dinge zu ertragen, sondern sie in Christi Namen nicht nur gleichmütig, sondern sogar mit Freude zu ertragen. Denn viele Häretiker, die im christlichen Namen die Seelen täuschten, haben vieles solches erduldet, sind aber von jenem Lohn ausgeschlossen, weil nicht nur gesagt ist: Selig, die Verfolgung leiden, sondern hinzugefügt ist: um der Gerechtigkeit willen. Wo aber der unversehrte Glaube nicht ist, kann die Gerechtigkeit nicht sein, denn es heißt: Der Gerechte lebt aus dem Glauben. Auch Schismatiker können sich keinen derartigen Lohn versprechen, denn wo die Liebe nicht ist, kann ebenfalls die Gerechtigkeit nicht sein. Die Nächstenliebe tut nämlich nichts Böses, und wenn sie diese hätten, hätten sie den Leib Christi nicht zerrissen, welcher die Kirche ist.“

Es ist also nicht das gleiche, ob man für den wahren katholischen Glauben sein Leben gibt oder für seine eigene christliche Überzeugung, die vom katholischen Glauben abweicht, mag sie noch so gut gemeint sein. Es kommt doch sehr auf die „theologischen Differenzen“ an, denn diese machen den Unterschied, ob man als wahrer Märtyrer stirbt oder nicht. Und dieser Unterschied kann nicht von Theologen „aus dem Weg geräumt“ werden, sondern nur durch die Hinwendung der Seelen zum wahren Glauben und Abkehr von den Irrtümern. Es gibt eben nicht den „gemeinsamen Glauben an den dreieinigen Gott“. Wäre es so, dann gäbe es ohnehin nur Katholiken.

Wir leiden mit allen gemarterten Christen und bewundern ihren Starkmut, der uns beschämt. Wir empfehlen sie alle der Barmherzigkeit Gottes, der dort, wo der wahre Glaube fehlt, wenigstens den guten Glauben sehen möge. Aber wir protestieren energisch dagegen, daß ihre unsäglichen Leiden nun dazu mißbraucht werden, den wahren Glauben zu demontieren, für den immerhin die Märtyrer so vieler Jahrhunderte ihr Leben gegeben haben, und ihn auf eine Stufe mit falschen Annahmen und Häresien zu stellen. Als so viele englische Katholiken einen grausamen Tod sterben mußten, weil sie sich weigerten, ins anglikanische Schisma zu folgen, da taten sie dies zum Zeugnis für die „theologischen Differenzen“ der „Kirchen und Konfessionen“, die eben den Unterschied zwischen der wahren Kirche Jesu Christi und falschen Kirchen ausmachen, und nun müssen sie sich sagen lassen, daß dies „eine Sünde gegen den Willen Jesu Christi“ gewesen sei! Wenn blindwütige Fanatiker gegen alles toben, was den Namen Christi trägt, und dabei keine Unterschiede machen zwischen Katholiken und Nicht-Katholiken, Rechtgläubigen, Schismatikern oder Häretikern, dann gilt unser Mitgefühl unterschiedslos allen Opfern; doch wir wehren uns dagegen, daß sie nun noch ein zweites Mal zu Opfern werden, indem sie als Beweis herhalten müssen, daß kein Unterschied bestehe zwischen wahrem und falschem Glauben!

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