Terror des Geschwätzes

„Wenn wir jedoch den Menschen betrachten, so gibt es hier eine Änderung und etwas Neues. Als am sechsten Tag im Bericht der Genesis der Mensch erschaffen wird, gibt Gott dem menschlichen Wesen eine andere Autonomie, eine Autonomie, die verschieden ist von derjenigen der Natur, nämlich die Freiheit. Und er befiehlt dem Menschen, alles zu benennen und durch die Geschichte voranzugehen. Das macht ihn verantwortlich für die Schöpfung, so daß er sie beherrschen kann, um sie zu entwickeln bis zum Ende der Zeit. Darum muß der Wissenschaftler, und vor allem der christliche Wissenschaftler, den Denkansatz übernehmen, sich Fragen zu stellen, welche die Zukunft der Menschheit und der Erde ins Auge fassen, und, da frei und verantwortlich, zu helfen, sie zu bearbeiten und zu bewahren, die Gefahren für die Umwelt sowohl der natürlichen als auch der menschlichen Natur zu beseitigen. Aber gleichzeitig muß der Wissenschaftler motiviert sein durch das Vertrauen, daß die Natur in ihren evolutionären Mechanismen Möglichkeiten zu entdecken und zu realisieren enthält für Erkenntnis und Freiheit, um die Entwicklung zu erreichen, die im Plan des Schöpfers ist. Somit ist, obwohl begrenzt, die Tätigkeit der Menschheit Teil von Gottes Kraft und ist fähig, eine Welt zu errichten, die seinem doppelten, körperlichen und geistigen, Leben entspricht; eine menschliche Welt für alle menschlichen Wesen zu errichten und nicht für eine Gruppe oder Klasse privilegierter Personen. Diese Hoffnung und dieses Vertrauen in Gott, den Schöpfer der Natur, und in die Fähigkeit des menschlichen Geistes kann dem Forscher eine neue Energie und tiefe Gelassenheit gewähren. Aber es ist ebenso wahr, daß das Handeln der Menschheit – wenn Freiheit Autonomie wird – was nicht Freiheit ist, sondern Autonomie – die Schöpfung zerstört und der Mensch den Platz des Schöpfers einnimmt. Und dies ist die schwere Sünde gegen Gott, den Schöpfer.“

Wenn wir versuchen, in diesem Gedankenwirrwarr ein wenig Ordnung zu schaffen, so dürfen wir also annehmen, daß Bergoglios „Schöpfer“ die Dinge nicht quoad substantiam, gemäß ihrer ganzen Substanz, aus nichts hervorgebracht hat – denn das wäre ja der „katholische Gott“, den es nicht gibt, in Bergoglios Augen ein „Demiurg“ oder „Zauberer“ – sondern vielmehr ihnen „Sein“ und „Autonomie“ gegeben hat, damit sie sich entwickeln unter den wohlwollenden Blicken seiner „dauernden Gegenwart“ (Wie steht es so schön auf dem Dollar-Schein: Annuit coeptis). Dem Menschen hat der Schöpfer sodann noch eine ganz besondere „Autonomie“ verliehen, nämlich die „Freiheit“, damit er verantwortlich „durch die Geschichte“ vorangehe und als „Teil von Gottes Kraft“ die „Entwicklung“ erreiche, die „im Plan des Schöpfer ist“, nämlich die Errichtung einer „menschlichen Welt“, in der „alle menschlichen Wesen“ ihren Platz haben und nicht nur „eine Gruppe oder Klasse privilegierter Personen“. Etwas unklar bleibt, was Herr Bergoglio mit dem Orakel meint, „daß das Handeln der Menschheit – wenn Freiheit Autonomie wird – was nicht Freiheit ist, sondern Autonomie – die Schöpfung zerstört und der Mensch den Platz des Schöpfers einnimmt“. Hatte er nicht oben selbst die menschliche Freiheit als die dem Menschen eigene „Autonomie“ bestimmt? Nun plötzlich sollen Freiheit und Autonomie verschiedene Dinge sein? Wir können uns nur ungefähr vorstellen, daß er hier auf das Abweichen der menschlichen „Autonomie“ vom göttlichen „Entwicklungsplan“ abzielt.

Da scheint nun ein wenig marxistisches Gedankengut eingedrungen zu sein von der historischen Entwicklung der Welt mit dem Ziel des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft. Auch Hegel läßt natürlich grüßen mit seiner pantheisierenden Geschichtsphilosophie, wonach der Endzweck der Weltgeschichte „die endgültige Versöhnung von Natur und Geist“ ist, verbunden mit der „Herstellung eines ‚ewigen Friedens‘, in dem alle Völker als besondere Staaten ihre Erfüllung finden können“ (Wikipedia). Eines steht fest: Mit der katholischen Schöpfungslehre hat das alles nichts mehr zu tun. Nach katholischer Lehre hat Gott, der Herr, alle Dinge ihrer Substanz nach hervorgebracht, „ein jedes nach seiner Art“ – und nicht so, daß sie sich erst zu dem entwickeln, was sie sein sollen (das gilt auch für die Ausfaltung einzelner Lebewesen zu ihrer vollen Gestalt, denn eben das gehört zum Wesen lebender Dinge, daß sie wachsen, reifen und sich fortpflanzen, nicht aber, daß sie zu irgendetwas anderem werden als zu dem, was sie sind). Den Geschöpfen eignet keine „Autonomie“. Sie sind in ihrem Sein und Handeln vollständig vom Schöpfer abhängig, und das in jedem Augenblick. Wohl hat Gott den Geschöpfen verliehen, tätig zu sein und als Zweitursachen zu wirken; damit besitzen sie aber keine „göttliche Kraft“ und nehmen in keiner Weise an der eigentlichen Schöpfungshandlung teil, sondern können lediglich in und an der bestehenden Schöpfung im Rahmen ihrer natürlichen Kräfte wirken. Der Mensch ist nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen und daher berufen, innerhalb der Schöpfung ihr Herr zu sein, er besitzt darum einen Verstand und einen freien Willen, was ihn selbstverantwortlich macht. Er ist aber dennoch nicht „autonom“, sondern den Gesetzen und Geboten Gottes unterworfen, die er auch dort, wo sie freiwillig zu erfüllen sind, unter Androhung von Strafe gehalten ist zu befolgen. Der Mißbrauch der Freiheit zur „Autonomie“ ist daher tatsächlich eine „Sünde gegen Gott, den Schöpfer“. Das ist das einzige, was an dem Gefasel des Jorge Mario Bergoglio zutrifft, das ansonsten eher dem Chaos des „Urknalls“ ähnelt als der Ordnung des Schöpfers.

5. Fügen wir noch ein Bonmot aus jüngster Zeit an, das uns „Papst Franziskus“ auch als höchst kompetenten Lehrer christlicher Moral empfiehlt und obendrein ein sehr treffendes Selbsturteil enthält. Bei einer Konferenz der italienischen Ordensoberen am 7. November 2014 sagte er laut „kath.net“: „Wenn du was gegen deinen Bruder hast, sag’s ihm ins Gesicht. Vielleicht endest du in einer Rauferei, aber besser dies als der Terror des Geschwätzes.“ Vergleichen wir damit, was der Heiland sagt: „Wenn du daher eine Gabe zum Altare bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!“ (Mt 5,23f). Ach, wenn Herr Bergoglio doch öfters einmal schwiege und uns verschonte mit seinem „Terror des Geschwätzes“! Das sagen wir ihm auch gerne ins Gesicht.

Ein Nachtrag: Das Chaos des Herrn Bergoglio scheint recht ansteckend zu sein, denn nicht nur er versteht es, völligen Unsinn von sich zu geben, sondern auch sog. Traditionalisten. So stand jüngst in einem Blättchen „traditionalistischer“ Provenienz zu lesen: „Ein Rom des Papstes Franziskus, ein modernistisches Rom, ein durch und durch verdorbenes Rom, ein Rom der totalen Ökumene, ein Rom der entdogmatisierten Barmherzigkeit, ein Rom der protestantischen Mahlmesse, ein Rom der Unterhöhlung des Papsttums, ein Rom mit einem Papst, über den ein linkes österreichisches Blatt schreibt ‚Ein Linker, der kein Linker ist, aber wie ein Linker redet‘, ein Rom, das die Franziskaner der Immaculata wegen ihrer Liebe zur tridentinischen heiligen Messe zerschlägt, … ist für unseren Glauben von größter Gefährlichkeit.“ Und dennoch: „Rom war und wird immer der Sitz der katholischen Kirche bleiben. Eine römisch-katholische Kirche kann es ohne Rom und ohne Papst nicht geben. Deshalb werden wir trotz aller Verirrungen nie und nimmer den Weg der Sedisvakantisten einschlagen. Was wir aber tun müssen, ist die Einhaltung einer überlebenswichtigen Distanz.“ Der „Sitz der katholischen Kirche“ ist also „für unseren Glauben von größter Gefährlichkeit“ und zwingt uns zur „Einhaltung einer überlebenswichtigen Distanz“. Das könnte von Luther gesprochen sein – oder eben von Bergoglio.

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