Kirchliche Verwandlung mit Gaspedal und Bremse

5. Unlängst äußerte sich Bergoglio erneut in einem „Interview“. Diese Art der Lehrverkündigung ist bekanntlich auch in „traditionalistischen“ Kreisen beliebt. Sie hat unter anderem den großen Vorteil, daß man hinterher immer sagen kann, man sei falsch wiedergegeben worden. Bergoglio seinerseits bekümmert sich um solche Details allerdings nicht. Er überläßt es anderen, darüber zu streiten, wie authentisch seine „Interviews“ tatsächlich sind und freut sich über den Qualm und Nebel, unter welchem er wieder kräftig die Dinge in Bewegung gebracht hat. So auch diesmal.

Nach einem Bericht von „kath.net“ ging es natürlich auch um die Frage des Kommunionempfangs von „wiederverheirateten Geschiedenen“. Bergoglio habe seine „Position weiter offen“ gelassen, behauptet der Artikel, aber gesagt: „Das allein kann keine Lösung sein, die Lösung ist die Integration.“ Er habe davon gesprochen, ob man nicht den Ausschluß jener „Wiederverheirateten“ von Ämtern wie Taufpaten oder Kommunionhelfer überdenken müsse, und es beklagt, daß sie wie Exkommunizierte behandelt würden, ohne es doch zu sein. „Zum Vorschlag des deutschen Kardinals Walter Kasper, den bisherigen Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion zu überdenken, sagte der Papst, Kasper habe Thesen aufgestellt, die ‚einige Theologen‘ erschreckt hätten“, so „kath.net“. „Sie hätten eine Zulassung zur Eucharistie abgelehnt, gleichzeitig jene zur geistlichen Kommunion jedoch befürwortet. Wörtlich fuhr der Papst fort: ‚Sagen Sie mir: Braucht man die Gnade Gottes nicht, um die geistliche Kommunion zu empfangen?’“

Kurz darauf fand sich prompt ein weiterer Artikel in „kath.net“, in welchem wir lesen: „Das jüngste Interview von Papst Franziskus wurde von der KNA und der KATHPRESS beim Thema ‚wiederverheiratete Geschiedene‘ offensichtlich verzerrt wiedergegeben.“ Ein „konservativer“ Moraltheologe hatte sich die Frage gestellt: „Ist es denkbar, dass der Papst einen derartigen Vorschlag gemacht hat? Wie könnte es von der Sache her vertretbar sein, dass eine Person, die selber wegen eines irregulären Zustandes am Kommunionempfang gehindert ist, als Kommunionspender tätig ist?“ Natürlich war dies nicht „denkbar“, denn was nicht sein darf, kann ja auch nicht sein. Er hatte daraufhin die Sache untersucht und war zu folgendem Ergebnis gelangt: „Der Papst hat gar keinen solchen Vorschlag ausgesprochen! Wahr ist einzig dies, dass Papst Franziskus Beispiele aufgezählt hat, woran wiederverheiratete Geschiedene gemäß kirchlichem Recht oder aus anderen Gründen gehindert sind (Patenamt, Dienste als Lektoren und Kommunionhelfer, katechetische Aufgaben etc.). Daraus hat er jedoch nur die allgemeine Folgerung abgeleitet, sie müssten besser ins kirchliche Leben integriert werden. Eine Zulassung zum Patenamt für solche Personen unter bestimmten Voraussetzungen kann er sich vorstellen; nicht jedoch verlangt Papst Franziskus eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener als Kommunionspender. Das wäre ja auch, insofern für jene Personen ein grundsätzliches Hindernis für den Kommunionempfang besteht, in sich widersprüchlich. Eben deshalb könnte es auch der Papst gar nicht fordern – und wie die Recherche zeigt, er hat dies auch nicht getan!“ Damit ist „Franziskus“ wieder einmal gerettet und der Schwarze Peter einmal mehr der „verzerrten Wiedergabe“ gewisser Presseagenturen zugeschoben.

Der „Moraltheologe“ übersieht dabei ein kleines, und zwar die durchaus korrekte Feststellung Bergoglios, daß eine geistliche Kommunion nur im Stand der Gnade empfangen werden kann, ebenso wie die sakramentale. Das Argument Kaspers, welches auf den „konservativen“ Ratzinger zurückgeht, welcher den „wiederverheirateten Geschiedenen“ zur geistlichen Kommunion geraten hatte, wenn ihnen schon die sakramentale verwehrt sei, beruht nämlich gerade darauf: Wer geistlich kommunizieren kann, befindet sich im Stand der Gnade, und dann gibt es kein wesentliches Hindernis mehr, ihn auch sakramental kommunizieren zu lassen. Und warum sollte er dann nicht auch das „konzilskirchliche“ Amt des „Kommunionhelfers“ ausüben dürfen? Bergoglio ist auch hier also ganz konsequent und läßt seine Position in keiner Weise offen. Natürlich befürwortet er eine volle „Integration“ der „wiederverheirateten Geschiedenen“ mit Zulassung zur Kommunion und allen Ämtern. Und dies will und wird er auch erreichen. Aber auf seine Art. Eben durch „kirchliche Verwandlung“.

6. Schon laufen die Vorbereitungen für die nächste „Familiensynode“ im Jahr 2015. Von „konservativer“ und „traditionalistischer“ Seite wurde Bergoglio verdächtigt, unliebsame Personen entfernt zu haben, so vor allem den „erzkonservativen“ und halb-“traditionalistischen“ amerikanischen „Kardinal“ Raymond Leo Burke, der bei der jüngsten „Familiensynode“ ein Hauptvertreter des „konservativen“ Widerparts gewesen ist. Tatsächlich wurde dieser im November von seinem bisherigen Posten als Präfekt der Apostolischen Signatur entfernt und zum Kardinalpatron des Malteserordens ernannt. Bergoglio bestreitet in seinem Interview, daß dies eine „Strafversetzung“ gewesen sei.

Auf „Aleteia“ fand sich dazu ein interessanter Artikel. Der Autor meint, man müsse die Dinge in ihrem Zusammenhang sehen. „Ist Papst Franziskus Befürworter einer liberaleren Sichtweise in gewissen Fragen? Die Antwort ist zweifelsfrei ja. Prallen seine Ansichten mit denen Kardinal Burkes zusammen? Wie es scheint, abermals ja. Steht seine Art zu lehren und die Liturgie zu feiern im Gegensatz zu dem mehr konservativen und ‚High Church‘-mäßigen Stil Kardinal Burkes? Unbestreitbar. Weicht die Sichtweise von Franziskus in Fragen der Politik und der Wirtschaft von der des Kardinal Burke ab? Das ist möglich. Gibt es einen kulturellen Schock zwischen dem nordamerikanischen Kardinal aus der Vorstadt und dem Südamerikaner der Elendsviertel? Wahrscheinlich. Aber bedeutet dies, daß die beiden Männer wirklich im Konflikt sind? Ist Kardinal Burke bereit, ein traditionalistisches Schisma anzuführen? Gibt es ein von Franziskus geführtes Komplott, um die Kirche von Konservativen zu reinigen? Nein, und hier der Grund.“

Der Autor führt aus: „Jene, welche die Theorie einer Fehde bestreiten, unterstreichen, daß, wenn Kardinal Burke aus seiner Funktion entlassen wurde, Papst Franziskus damit nicht auf die von Burke in der Synode angeführte Opposition reagierte. Diese Umbildung des Vatikan war bereits seit Monaten vorgesehen. Es handelt sich wohl um einen Teil des umfangreicheren Richtungswechsels, welchen der Papst plant, wie es P. Mark Drew in einem exzellenten Artikel im britischen Catholic Herald dargestellt hat. Gleichzeitig ist Kardinal Burke am Ende jener fünf Jahre Amtszeit angelangt, welche traditionell für die Präfekten der Apostolischen Signatur vorgesehen sind. Jene, die angesichts der Fehde-Gerüchte die Schultern zucken, sagen: ‚Viel Lärm um nichts. Die Versetzung stand an.‘ Als Antwort auf jene, welche die Versetzung Burkes für einen überlegten Versuch seitens Franziskus halten, seine Feinde zum Schweigen zu bringen, antworten dieselben: ‚Burke zum Schweigen gebracht? Sein neuer Posten als Patron des Malteserordens überträgt ihm zwar so gut wie keine Verantwortung, liefert ihm aber eine Basis in Rom und die Zeit zu reisen, zu lesen, zu schreiben und seinen Gesichtspunkt darzustellen und zur Geltung zu bringen.‘ Statt Kardinal Burke zum Schweigen zu bringen, ist es wohl eher so, daß Franziskus ihm ermöglicht, sich zu äußern und damit die ‚loyale Opposition‘ des Kardinals in gesunder Weise fördert.“

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