Wie weit ist es in der Nacht?

von antimodernist2014

Es ist uns eine große Freude, zum Sonntag „Gaudete“ unseren Lesern erneut eine Abhandlung des ausgezeichneten Theologen Anton Holzer vorlegen zu dürfen: „Die katholische Glaubensregel und der Kanon des hl. Vinzenz von Lérins. Über eine unter Traditionalisten verbreitete Irrlehre“. In der Tat wird in diesen Kreisen, wie Anton Holzer aufzeigt, der sog. „Kanon des hl. Vinzenz von Lérins“ weithin mißverstanden und mißbraucht, um eine verbreitete Irrlehre über die katholische Glaubensregel zu bemänteln.

Bereits im Jahr 2001, als die Abhandlung entstand, zog der Autor aus seinen Überlegungen besorgt den Schluß: „Die FSSPX endet so, ob sie es will oder nicht, ob sie es zugibt oder nicht, – wenigstens materialiter – unaufhaltsam sowohl im Schisma als dissidente Parallel- und Ersatzkirche wie auch in Irrtum und Häresie, sofern und indem sie trotz aller salvatorischen Gegenversicherungen de facto die katholische Glaubenslehre über die kirchliche Autorität, insbesondere über das kirchliche Hirten- und Lehramt sowie beider Unfehlbarkeit durch umdeutende Zusätze oder Einschränkungen fälscht und leugnet. Und das natürlich entgegen dem ursprünglichen Sinn, wie ihn die Kirche festgestellt hat und an dem die Kirche festhält (vgl. DS 3020, 3070).“ Und er stellt die bange Frage: „Wie lange wird es noch dauern, bis die Einsichtigeren der FSSPX sich von diesen Fehlern distanzieren oder bis die Mächtigeren der FSSPX sich mit der häretisch-schismatischen, modernistischen Konzilskirche (so das Urteil von Msgr. Lefebvre über die offizielle nach-konziliare Kirche) (ral-)liieren, wenn man sie nur ohne Quantitätsverlust (der liefe für manche ja auf einen Gesichtsverlust hinaus) als Personaldiözese in einer Seitenkapelle eben dieser Konzilskirche das nach Msgr. Lefebvres Vorbild verlangte Experiment der Tradition ungestört machen läßt?“ Letzteres ist dabei, sich zu erfüllen. Aber wo bleiben die „Einsichtigeren“, die sich distanzieren?

Der Autor legt Wert auf die Feststellung, daß seine Arbeit unvollendet blieb. Sie schließt mit den Worten des Isaias: „Custos, quid de nocte? – Wächter, wie weit ist’s in der Nacht?“ (Is 21,11) – „oder – sensu accomodato: Wann wird’s bei ihnen endlich Tag?! Wann geht ihnen endlich das Licht auf?!“ Die mangelnde Hoffnung auf diesen Tagesanbruch war es, die dem Autor die Feder aus der Hand nahm. Vielleicht mag seine Arbeit dazu dienen, in diesem Advent die Hoffnung wieder aufkeimen zu lassen.

Lesen Sie hier: Anton Holzer: Die katholische Glaubensregel und der Kanon des hl. Vinzenz von Lérins. Über eine unter Traditionalisten verbreitete Irrlehre