Die Unbefleckte Empfängnis

von antimodernist2014

    Am 11. Februar feiert die Kirche das Fest der Erscheinungen der Unbefleckten Empfängnis in Lourdes, die sich dort im Jahr 1858 zugetragen haben, 100 Jahre vor der Wahl Angelo Roncallis zum ersten „Konzilspapst“. Aus diesem Anlaß wiederholen wir hier einen kleinen Auszug aus unserem Beitrag „Signum magnum apparuit“, in welchem wir einige Aussagen des heiligen Papstes Pius X. zur Unbefleckten Empfängnis zusammengefaßt haben, die etwa in der Hälfte jener hundert Jahre anzusetzen sind, nämlich im Jahr 1904. Sind auch seither weitere über hundert Jahre vergangen, so sind die Worte dieses großen Papstes doch von bleibender Aktualität und gerade für uns ein Ansporn und ein Trost.

Zum 50jährigen Jubiläum des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis erscheint das Apostolische Rundschreiben Papst Pius‘ X. „Ad diem illum laetissimum“ vom 2. Februar 1904, in welchem er das Lob der Unbefleckten verkündet und sich ganz auf den Spuren des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort und seiner wahren Andacht zu Maria bewegt und so diesem marianischen Propheten und seinen Schriften gewissermaßen päpstliche Anerkennung zollt. Darin spricht er von seiner „zur allerseligsten Jungfrau gehegten dankbaren Liebe, welche Wir als ein Gnadengeschenk von ihrer ganz besonderen Güte alle Zeit hindurch gepflegt haben“.

Er verleiht seinem Verlangen Ausdruck, „daß nun bald jene großen Hoffnungen und Erwartungen erfüllt würden, zu denen Unser Vorgänger Pius (IX.) sowie sämtliche Bischöfe nicht grundlos veranlaßt wurden, sobald einmal die Wahrheit der Unbefleckten Empfängnis feierlich als Glaubenssatz ausgesprochen wäre“. Gegen jene, die es beklagen, „daß sich diese Hoffnungen bis auf den heutigen Tag nicht erfüllt haben“, weist er auf die „verborgenen Gnadenschätze“ hin, „welche Gott infolge der Vermittlerschaft der Jungfrau diese Zeit hindurch der Kirche gewährt hat“. „Wenn aber jemand hiervon absehen möchte, so denke man doch etwa an das Vatikanische Konzil, das ganz zum richtigen Zeitpunkt abgehalten wurde; man denke an die Erklärung über das keines Irrtums fähige Lehramt der Päpste als des höchst angemessenen Mittels gegen die bald darauf zum Ausbruch kommenden Irrtümer. Und erleben wir etwa nicht das Schauspiel eines neuen und nie dagewesenen Liebeseifers, mit welchem aus allen Ständen und aus allen Teilen der Welt die Gläubigen schon seit geraumer Zeit zusammenströmen, um dem Stellvertreter Christi öffentlich Verehrung und Huldigung zu erweisen? Oder muß man nicht die Vorsehung Gottes an jedem von beiden Unserer Vorgänger, Pius und Leo, bewundern, welche in sturmerfülltester Zeit währen einer Regierungsdauer, wie sie kaum einem anderen verliehen war, die Kirche derart ehrfurchtgebietend und gewissenhaft verwaltet haben?“

In diesem Zusammenhang sieht der heilige Papst auch die Erscheinungen Unserer Lieben Frau von Lourdes: „Kaum hatte Pius (IX.) die Wahrheit der Unbefleckten Empfängnis Mariens als verpflichtenden Glaubenssatz ausgesprochen, als in dem Städtchen Lourdes sich durch die Jungfrau selbst Wunder zu ereignen begannen und der mächtige und prachtvolle Bau des Heiligtums der Unbefleckten Gottesgebärerin errichtet wurde, bei dem auf die Fürbitte der Gottesmutter Wunderzeichen geschehen, welche hervorragend geeignet sind, den Unglauben der Menschen der Jetztzeit abzutun.“

Pius X. fährt fort: „So viele und so große Erweise von Güte hat Gott auf die milde Fürbitte der Jungfrau im Laufe dieser fünfzig Jahre erteilt! Sollen wir nun also nicht hoffen können, daß unsere Rettung näher ist als damals, da wir gläubig geworden sind? Und dies umso mehr, da es erfahrungsgemäß der Göttlichen Vorsehung eigen zu sein scheint, daß die befreiende Hilfe gerade dann am nächsten ist, wenn die Übel am äußersten und höchsten sind.“ So sieht er in diesem „signum magnum“ ein Hoffnungszeichen, einen wahren Regenbogen.

„Der Hauptgrund aber, weshalb Wir wünschen, daß die fünfzigjährige Jubelfeier des Tages der Erklärung der Unbefleckten Empfängnis der Gottesgebärerin als Glaubenssatz im christlichen Volk einen neuen, ungewöhnlichen Eifer anregen möchte, ist Unser, in Unserem früheren Rundschreiben ausgesprochenes Verlangen, alles in Christus zu heiligen (instaurare omnia in Christo). Denn wer hält es nicht für gewiß, daß es keinen sichereren und leichteren Weg gibt als durch Maria, alle mit Christus zu vereinigen und durch Ihn die vollkommene Annahme als Kinder zu erlangen, damit wir heilig und makellos vor Gott seien?“ Das ist auch der Grundsatz des heiligen Ludwig Maria und sein ständiges Gebet: „Adveniat regnum Mariae, ut adveniat regnum tuum. – Es komme das Reich Mariä, damit dein Reich komme, o Gott!“ Ganz in diesem Sinne fragt der Papst: „Gibt es denn einen mächtigeren und sichereren Beistand zur Erkenntnis und Liebe Christi als sie? Sind nicht ein trauriger Beweis für diese Wahrheit gerade jene, die – betört durch die List des bösen Feindes oder irregeführt durch falsche Vorurteile – meinen, an der Jungfrau als Helferin vorübergehen zu können? Diese Armen und Unglücklichen! Sie geben vor, Maria unbeachtet zu lassen, um Christus die Ehre zu geben, und sie wissen nicht, daß das Kind nicht anders zu finden ist als mit Maria, seiner Mutter.“

Der Papst betont die Wirkung des Glaubenssatzes von der Unbefleckten Empfängnis auf die Tugenden, insbesondere die Tugend des Glaubens. „Womit setzen denn tatsächlich die Hasser des Glaubens den Anfang bei der Verbreitung ihrer schweren Irrtümer nach allen Seiten, wodurch dann gerade bei vielen der Glaube zum Wanken gebracht wird? Sie leugnen, daß der Mensch durch die Sünde gefallen ist und aus seiner ehemaligen Würde verstoßen wurde.“ Diese Leugnung ist enthalten in der liberalen Auffassung von der allen Menschen von Geburt an eigenen und unverlierbaren „Menschenwürde“, während der Mensch doch in Sünde geboren wird und der Taufe bedarf, um seine Würde wiederzugewinnen.

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