Die Neue Messe – Ein Ritus der Kirche?

von antimodernist2014

Den Katholiken überkommt zuweilen eine tiefe Wehmut, wenn er an vergangene Zeiten denkt, an jene Zeiten, in denen die hl. Kirche noch mit ihrer wunderbaren, von Gott geschenkten Gestalt die Gesellschaft und das tägliche Leben prägte. Diese Prägung des Lebens geschah vor allem durch die hl. Liturgie, also den Tag für Tag gebeteten Glauben, durch den jedem, der es wollte, die himmlischen Gnadenschätze aufgeschlossen werden. Der Katholik ist durch die sieben heiligen Sakramente in die übernatürliche Welt eingebunden, und er wird in dieser übernatürlichen Welt täglich durch seine heilige Kirche gehalten, da diese von Gott dafür die notwendigen Hilfen erhalten hat, allen voran die Gabe der Unfehlbarkeit in allem, was den Glauben und die Sitten, den Kult und die Gesetzgebung betrifft.

Heute muß man ganz nüchtern feststellen, daß es nicht mehr so ist. Die auf dem „2. Vatikanum“ geschaffene Menschenmachwerkskirche kann keinem Katholiken mehr einen übernatürlichen Halt geben, weil sie kein übernatürliches Leben mehr besitzt. Der in ihr herrschende Modernismus hat nämlich den übernatürlichen Glauben zunächst unterhöhlt, haben doch die Modernisten den Marsch durch die Institutionen angetreten und schließlich auch die Spitze der Hierarchie erobert, um ihn dann vollkommen zu zerstören.

Den allermeisten Katholiken ist das gar nicht aufgefallen, weil sie es ganz einfach nicht wahr haben wollten und wollen. Diese Tatsache zeigt sich im jeweiligen Umgang mit der nach dem „2. Vatikanum“ eingeführten und aufgezwungenen neuen Liturgie. Jeder legt sich die Sache wieder anders zurecht, um sich in dieser Menschenmachwerkskirche zurechtzufinden. Seit Einführung der sog. Neuen Messe sind die Lager vielfältig gespalten. Zunächst teilten sich die Katholiken – bzw. diejenigen, die sich noch Katholiken nannten, denn die meisten waren und sind keine mehr – in drei Lager: In die Befürworter der Neuen Messe und deren Gegner und in diejenigen, die einfach mit den Neuerungen mitmachten, auch wenn sie darüber nicht glücklich waren.

Unter den Gegnern der Neuen Messe entstanden im Laufe der Jahrzehnte verschiedenen Gruppen, je nachdem, wie sie sich zur Neuen Messe und zur neurömischen Autorität verhielten. Die einen lasen neben der Neuen Messe auch die jetzt sog. tridentinische Messe, also den eigentlichen katholischen Ritus. Die anderen lasen nur die sog. tridentinische Messe und lehnten die Neue Messe als protestantisierenden Ritus ab – wobei auch diese sich wieder aufteilten in solche, welche die Neue Messe für einen gültigen, und solche, welche ihn für einen ungültigen Ritus hielten. Wobei selbst die ersteren meist noch der Ansicht sind, daß man die Neue Messe auf jeden Fall meiden soll, weil sie die Häresie begünstige, den Glauben gefährde, in sich schlecht sei usw. Zudem gibt es noch die Nuance, daß manche den Ritus im Jahr 1962 einfrieren wollen, andere weiter zurückgehen möchten, weil ihnen der Ritus von 1962 schon als Zwischenstufe auf dem Weg zur Neuen Messe erscheint.

Es zeigt sich also, welche Variationsmöglichkeiten es inzwischen in Hinblick auf die sog. tridentinische Messe gibt, und diese Variationsmöglichkeiten erweitern sich nochmals, wenn man das Verhältnis zum postmodernen Rom hinzunimmt. Die einen akzeptieren die Neue Messe, weil sie im postmodernen Rom immer noch eine legitime Autorität sehen, die anderen meinen diese Autorität zwar anerkennen und dennoch die Neue Messe als in sich schlecht bezeichnen zu können, wieder andere sagen, gerade weil die Neue Messe kein katholischer Ritus mehr sein kann, kann auch die Autorität, welche diesen Ritus für die ganze Kirche vorschreibt, nicht mehr legitim sein. Im Katechismus des hl. Pius X. heißt es auf die Frage „Warum heißt die Kirche ‚einig‘“: „Die wahre Kirche heißt ‚einig‘, weil ihre Kinder allezeit und immer miteinander vereinigt sind im selben Glauben, im selben Kult, in denselben Geboten, in der Teilnahme an denselben Sakramenten, und demselben sichtbaren Oberhaupt, dem römischen Obersten Hirten.“ Wie soll aber dies noch wahr sein, wenn ein Teil der Katholiken sich weigert, an dem Kult teilzunehmen oder ihn als Priester zu feiern, jenen Kult, den der Oberste Hirte in Rom täglich feiert, wie es bezüglich der Neuen Messe der Fall ist?

Die Frage nach der sog Neuen Messe birgt somit viel größere Schwierigkeit in sich als sich die meisten Traditionalisten eingestehen. Eigentlich müßte jedem echten Katholiken auffallen, daß oben beschriebenes liturgisches Chaos niemals in die katholische Kirche passen kann. Denn diese von Gott gegründete und unfehlbar geleitete Kirche hat auch immer einen von Gott geschenkten und durch die hl. Kirche vorgeschriebenen heiligen Ritus, weil allein dieser der Heiligkeit der Kirche entspricht.

Von dieser Norm abweichende Riten sind deswegen zu allen Zeiten sichere Beweise einer neu entstehenden oder entstandenen Sekte gewesen. Denn ein neuer Glaube formt notwendigerweise einen neuen Ritus, also eine öffentliche Gebets- und Kultform, die dem neuen Glauben entspricht. Seit dem Mittelalter wurde von den verschiedenen Sekten immer wieder der Glaube an die hl. Messe als Opfer und der Glaube an die Wesensverwandlung und daraus folgend der Glaube an die wirkliche Gegenwart des Fleisches und Blutes Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein angegriffen. Martin Luther etwa hat in seinem unverhohlenen Haß gegen die römische Kirche und ihre hl. Messe geschrieben: „Wir erklären an erster Stelle, daß es nie unsere Absicht gewesen ist, absolut jeden Gottesdienst abzuschaffen, sondern bloß denjenigen, der in Gebrauch ist, von allen Hinzufügungen zu reinigen, durch die man ihn verunreinigt hat: ich rede von diesem abscheulichen Kanon, der eine Ansammlung von Schlammlöchern ist; man hat aus der Messe ein Opfer gemacht; man hat Opferungsgebete hinzugefügt. Die Messe ist kein Opfer oder die Tat des Opferers. Betrachten wir sie als Sakrament oder als Testament. Nennen wir sie Segnung, Eucharistie oder Tisch des Herrn oder Mahl des Herrn oder Gedächtnis des Herrn. Man gebe ihr nach Belieben jeden anderen Namen, wenn man sie nur nicht mit dem Namen ‚Opfer‘ oder ‚Tat‘ befleckt“ („Formula Missae“ [„Meßformel“], Werke, Bd. XI, S. 774).

Diese Worte offenbaren einen geradezu dämonischen Haß gegen das hl. Meßopfer und gegen den unter den Gestalten von Brot und Wein wunderbar gegenwärtigen göttlichen Herrn. Um diesen Haß besser zu verstehen, muß man auf den geschichtlichen Zusammenhang achten.

Dom Prosper Guéranguer verweist in seiner Meßerklärung auf diese Tatsache: „Aus diesen von der heiligen Kirche angewendeten Ausdrücken erhellt, wie sehr verschieden die heilige Messe von irgend einer Privatandacht ist. Sie geht allen andern vor, und ihre Intentionen müssen respektiert werden. Die heilige Kirche beruft alle ihre Glieder zur Teilnahme an dem großen Opfer; und wenn es möglich wäre, daß das Meßopfer einmal zu Ende ginge, daß es der Flamme gleich, die keine Nahrung mehr findet, erlösche, dann würden wir sofort aufs Neue in jenen unwürdigen Zustand zurücksinken, in welchem sich die mit dem Götzendienst befleckten Völker befanden. Darauf wird auch das Streben des Antichrist gerichtet sein. Er wird alle Mittel anwenden, um die Darbringung des heiligen Meßopfers zu verhindern, damit dies mächtige Gegengewicht gegen seine Herrschaft in Wegfall komme und Gott die Schöpfung vernichte; denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen. Wir erfahren diese Tatsache seit dem Bestehen des Protestantismus, der die Messe abgeschafft hat. Seit dieser Zeit hat die Kraft im Schoß der Gesellschaften eine bedeutende Abnahme erlitten. Ein gesellschaftlicher Kampf hat sich erhoben, der trostlose Zustände im Gefolge hat, und dessen letzte Wurzel darin zu suchen ist, daß das heilige Meßopfer nicht mehr in der gleichen Ausdehnung dargebracht wird. Das ist der Anfang dessen, was geschehen wird, wenn der über die Erde entfesselte Teufel und seine Anhänger Verwirrung und Trostlosigkeit verbreiten; wie dies Daniel vorherverkündigt hat. Er wird die Weihen verhindern, die Priester aussterben lassen, und so der Darbringung des großen Opfers immer engere Grenzen ziehen. Dann aber kommen die Tage des Unglücks.“

Die Dramatik dieses Satzes ist wohl kaum zu überbieten: „Darauf wird auch das Streben des Antichrist gerichtet sein. Er wird alle Mittel anwenden, um die Darbringung des heiligen Meßopfers zu verhindern, damit dies mächtige Gegengewicht gegen seine Herrschaft in Wegfall komme, und Gott die Schöpfung vernichte; denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen.“

Mit großem Bedauern muß man heute feststellen, es ist inzwischen soweit gekommen, daß die Feinde der Kirche viel mehr als die Katholiken wissen, wie Gott das übernatürliche Reich der Gnade errichtet hat. Dieses Reich ist auferbaut auf dem Opfer des ewigen Hohepriesters Jesus Christus, das durch alle Zeiten im hl. Meßopfer sakramentale, unblutige Wirklichkeit sein muß. Tag für Tag muß Gott wegen der unzähligen Sünden der Menschen versöhnt werden. Tag für Tag muß der göttliche Hohepriester geheimnisvoll sakramental Sein Opfer erneuern, damit die Früchte Seiner Erlösung den Menschen zugewendet werden können. Das ist so wahr, so wirklich, daß „Gott die Schöpfung vernichte(t)“, wenn dieses einzig Gott wohlgefällige Opfer auf den Altären aufhört, „denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen“. Diesen Satz sollte man einmal in aller Ruhe erwägen und so ernst nehmen, wie er gemeint ist. Dann erst wird der Ausspruch P. Pios ganz verständlich, daß die Welt eher ohne Sonne als ohne Meßopfer bestehen könne. Dom Prosper Guéranger verweist in seinem Text auf das Beispiel des Protestantismus: „Wir erfahren diese Tatsache seit dem Bestehen des Protestantismus, der die Messe abgeschafft hat. Seit dieser Zeit hat die Kraft im Schoß der Gesellschaften eine bedeutende Abnahme erlitten. Ein gesellschaftlicher Kampf hat sich erhoben, der trostlose Zustände im Gefolge hat, und dessen letzte Wurzel darin zu suchen ist, daß das heilige Meßopfer nicht mehr in der gleichen Ausdehnung dargebracht wird.“

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