Die Neue Messe – Ein Ritus der Kirche?

Während zur Zeit des Protestantismus das hl. Meßopfer von den Protestanten bekämpft wurde, hat die katholische Kirche umso mehr die Lehre von der hl. Messe als wahres und wirkliches Opfer hervorgehoben und den Glauben daran auf dem tridentinischen Konzil in klarster Weise gegen die vielfältigen Irrlehren der Protestanten dargelegt:

„Dieser unser Gott und Herr also hat zwar sich selbst ein für allemal auf dem Altar des Kreuzes durch den eintretenden Tod Gott, dem Vater, opfern wollen [vgl. Hebr 7,27], um für jene [daselbst] ewige Erlösung zu wirken; weil jedoch sein Priestertum durch den Tod nicht ausgelöscht werden sollte [vgl. Hebr 7,24], hat er beim letzten Abendmahle, ‚in der Nacht, da er verraten wurde‘ [1 Kor 11,23], um seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares (wie es die Natur des Menschen erfordert) Opfer zu hinterlassen, durch das jenes blutige , das einmal am Kreuze dargebracht werden sollte, vergegenwärtigt werden, sein Gedächtnis bis zum Ende der Zeit fortdauern und dessen heilbringende Kraft für die Vergebung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, zugewandt werden sollte, sich auf ewig als Priester nach der Ordnung des Melchisedek [vgl. Ps 110,4; Hebr 5,6; 7,17] eingesetzt erklärend, seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott, dem Vater, dargebracht und sie unter den Zeichen derselben Dinge den Aposteln (die er damals als Priester des neuen Bundes einsetzte) dargereicht, damit sie sie empfingen, und ihnen und ihren Nachfolgern im priesterlichen Amte durch folgende Worte geboten, daß sie sie darbrächten: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis‘ [Lk 22,19; 1 Kor 11,24], usw., wie es die katholische Kirche immer verstanden und gelehrt hat [Kan. 2 ]“ (DH 1740).

„Und weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, jener selbe Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, der auf dem Altar des Kreuzes ein für allemal sich selbst blutig opferte [vgl. Hebr 9,14 27]: so lehrt das heilige Konzil, daß dieses Opfer wahrhaft ein Sühnopfer ist [Kan. 3 ] und daß wir durch es, wenn wir mit aufrichtigem Herzen und rechtem Glauben, mit Scheu und Ehrfurcht, reuevoll und bußfertig zu Gott hintreten, ‚Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden in der Hilfe zur rechten Zeit‘ [Hebr 4,16]. Durch seine Darbringung versöhnt, gewährt der Herr nämlich Gnade und das Geschenk der Buße und vergibt auch noch so große Vergehen und Sünden. Denn die Opfergabe ist ein und dieselbe; derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert jetzt durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden“ (DH 1743).

Aus dieser Lehre heraus ergeben sich die entsprechenden Verurteilungen der entgegenstehenden Irrtümer, wir wollen nur zwei hervorheben: „Kan. 1. Wer sagt, in der Messe werde Gott kein wahres und eigentliches Opfer dargebracht, oder daß die Opferhandlung nichts anderes sei, als daß uns Christus zur Speise gegeben werde: der sei mit dem Anathema belegt“ (DH 1751). „Kan. 3. Wer sagt, das Meßopfer sei lediglich ein Lob- und Dankopfer oder ein bloßes Gedächtnis des am Kreuze vollzogenen Opfers, nicht aber ein Sühnopfer; oder es nütze allein dem, der es empfängt; und man dürfe es auch nicht für Lebende und Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte darbringen: der sei mit dem Anathema belegt“ (DH 1753).

Wenn man diese Lehre des Konzils von Trient erwägt und die Liturgie der sog. Konzilskirche studiert, wird man nicht umhinkönnen, einzusehen, daß die Neue Messe dieser Lehre genau entgegensteht, bzw. ganz den genannten Irrtümern entsprechend gestaltet wurde. Ist doch die sog. Neue Messe wirklich eine völlig neue Form der Liturgie, ein frei erfundener Ritus ohne Vorbild in der katholischen Tradition, sondern vielmehr in der Pseudotradition protestantischer Sekten.

Um das aufzuzeigen, wollen wir kurz einen Auszug aus der Gegenüberstellung der anglikanischen Reform von 1549 und der montinischen Reform von 1969 wiedergeben, welche Père Noël Barbara in seiner Zeitschrift Forts dans la Foi schon 1973 in der Nr. 35 veröffentlicht hatte. Wir wählen davon nur einen Teil aus, der aber sicher ausreicht, die frappierende Übereinstimmung der Meß-“Reform“ Montinis alias Pauls VI. mit der anglikanischen Reform im Jahre 1549 aufzuzeigen:

Reform 1549
Nach der Niederwerfung von Volksaufständen, die der Auferlegung der neuen Kultform folgten, schritt die religiöse Revolution mit großen Schritten voran. Die Altäre wurden profaniert und zerstört, diese Altäre, welche in allen Kirchen des Landes beredte, wenn auch stumme Zeugen für den unvordenklichen Glauben an das Meßopfer waren. Sie wurden durch einfache Tische ersetzt.
Reform 1969
Um einen etwaigen Aufstand des gläubigen Volkes zu verhindern, erfolgte die neue Reform(ation) mit viel größerer Vorsicht. „Warum ändert sich die Messe ständig?“ fragt sich Kardinal Heenan in einem Hirtenbrief vom 12. Oktober 1969. Hier seine Antwort: „Es wäre vermessen gewesen, alle Änderungen sofort einzuführen. Es war augenscheinlich weise, Schritt für Schritt und langsam zu ändern. Wenn alle Änderungen auf einmal eingeführt worden wären, hätten Sie Anstoß daran genommen.“ Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen findet sich der Haß der Häretiker gegen den Opferaltar auch bei den neuen „Reformatoren“ wieder, die sich bis in die höchsten Spitzen der Kirche eingeschlichen haben. Die Altäre sind ebenfalls durch Tische ersetzt worden mit dem Ziel, bei den Katholiken den Gedanken (die Vorstellung) des Opfers auszulöschen. Eine Maßnahme, die vollkommen mit dem neuen Ordo übereinstimmt, der selbst die ganze Lehre vom heiligen Meßopfer durch seine Abschaffungen und Auslassungen außer Kraft setzt, indem er es (S. 383 der neuen Volksmeßbücher) auf ein einfaches Gedächtnismahl mit einer bloßen geistigen Gegenwart reduziert, wie eine jede Vereinigung im Gebet sie beinhalten kann. „Wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen“ (Mt 18, 20).

Reform 1549
Im März desselben Jahres (1550) erschien das anglikanische Ordinale oder Pontifikale. Unter dem Vorwand, die ursprüngliche Liturgie wiederherzustellen, schaffte man die niederen Weihen und den Subdiakonat ab.
Reform 1969
Paul VI. schaffte am 15. August 1972 gleichfalls die niederen Weihen und den Subdiakonat ab.

Reform 1549
Bischof Ridley in London war einer der ersten, der diese Neuerung in seiner Diözese einführte. Kaum ins Amt eingesetzt, sandte er seinen Pfarrern eine Verfügung, in der er sie dazu ermunterte, „den Tisch des Herrn in Form eines gewöhnlichen Tisches aufzustellen“. Und indem er selbst das Beispiel gab, ließ er in der Nacht des 11. Juni 1550 den Altar der Kathedrale St. Paul zerstören und ersetzte ihn durch einen Tisch zu Füßen der Chorstufen. Einige Monate später machte ein königliches Dekret den Bischöfen zur Auflage, die noch bestehenden Altäre zu zerstören und durch Tische zu ersetzen. „Solange die Altäre bestehen bleiben“, predigte Hooper, „werden das unwissende Volk und die ahnungslosen Priester immer vom Opfer träumen.“ Hier scheint es uns wichtig, an eine Präzisierung zu erinnern, die Cranmer gab. Sie wird helfen zu verstehen, daß die von den Reformatoren beibehaltenen rechtgläubigen Ausdrücke nicht notwendigerweise einen katholischen Sinn haben. In seinem neuen Prayer Book hatte Cranmer einige Male das Wort „biliar“ beibehalten. Dazu äußerte er sich wie folgt: „Der Tisch, an dem die heilige Kommunion ausgeteilt wird, kann Altar genannt werden, weil sich dort unser Lob- und Dankopfer darbietet.“
Reform 1969
Mit der gleichen häretischen Raserei wurden die Altäre abgeschafft, zerstört oder mit einem Wandbehang verhüllt, wenn die Denkmalpfleger sich ihrer Zerstörung widersetzten. Nicht eine einzige Kathedrale hat den Gebrauch des ihrigen beibehalten, und die meisten Pfarrkirchen und Kapellen religiöser Einrichtungen haben den ihrigen zerstört oder beiseite geschoben. Überall läßt am Eingang des Chores wie bei den Protestanten ein einfacher Tisch den Gedanken an das Opfer vergessen.

Reform 1549
Die Bischöfe und Geistlichen mit katholischer Gesinnung, die die Messe und den alten Glauben verteidigten, wurden abgesetzt und durch eifrige Anhänger des neuen Glaubens ersetzt. (Da die Kapuziner von Wittenberg mit der Zelebration der Messe fortfuhren, erwirkte Luther vom Kurfürsten von Sachsen ein Edikt, das ihnen die öffentliche Zelebration untersagte. Wenn sie die Messe beibehalten wollten, mußten sie sie allein, ohne Teilnehmer lesen.)
Reform 1969
Die gleiche Verbissenheit zur Zerstörung der traditionellen Messe bei den Neo-Reformatoren, die es nicht einmal ertragen können, daß die alten Priester, die das Recht erlangt haben, sie zu lesen, sie öffentlich und mit Teilnehmern lesen dürfen. Ebenso: ob ein Priester im Amt (Pfarrer, Vikar, Anstaltsgeistlicher, Prediger) sich nur erlaubt, den traditionellen Ritus beizubehalten, den „zu bewahren und in jeder erdenklichen Weise zu fördern“ (De Sacra Liturgia, Nr. 4) die Väter des 2. Vatikanum feierlich gelobt hatten, oder ob er den traditionellen Katechismus lehrt, er wird als „Hindernis für die allgemeine Pastoral“ erachtet und notwendigerweise „durch einen glühenden Anhänger der neuen Religion“ ersetzt und dem Elend überantwortet.

(Der Text ist genommen aus Noël Barbara, Ist der neue Meßritus von 1969 gültig? Verax Verlag, 2002)

Es ist kaum zu übersehen, daß sich die beiden „Reformen“ wie Zwillinge gleichen, d.h. daß die „Reformer“ Pauls VI. fleißig bei den Anglikanern in die Schule gingen, um sich den Erfolg ihrer „Reform“ zu sichern. Dennoch kann man diesen Erfolg nur verstehen, wenn man auf einen grundsätzlichen Unterschied hinweist, der in dem Vergleich nicht aufscheint. Martin Luther hat darauf hingewiesen, daß die Lehre der hl. Messe als wahres und wirkliches Opfer ganz eng mit der Lehre vom Papsttum verbunden ist. Er war der Überzeugung: „Wenn die Messe zerstört sein wird, denke ich, daß wir auch das Papsttum zerstört haben werden. Denn wie auf einen Felsen stützt sich das gesamte Papsttum mit seinen Klöstern, seinen Kollegien und seinen Altären auf die Messe. Alles wird zwangsläufig zusammenstürzen, wenn ihre lästerliche und abscheuliche Messe zusammenstürzen wird …“ („Contra Henricum Angliae Regem“ [„Gegen König Heinrich von England“]).