Die Neue Messe – Ein Ritus der Kirche?

Die Feinde der Kirche werden versuchen, das Opfer des Neuen Bundes vollkommen vom Erdboden verschwinden zu lassen. Wir haben oben darauf hingewiesen, daß schon die Protestanten dieses Ziel verfolgten. Die Feinde werden sicherlich nicht sofort jeglichen christlichen Kult unterbinden, sondern sich zunächst bemühen, diesen entsprechend dem modernen Geist oder besser Ungeist umzuformen. Das ist jedoch „in“ der katholischen Kirche nur möglich, wenn man die höchste Autorität für dieses Ziel gewinnt. Ohne einen „Papst“, der dieser Zerstörung präsidiert, kann ein solches Unternehmen niemals gelingen. Was im Alten Bund „durch Antiochus geschah, als der Tempel von Jerusalem Jupiter dem Olympier geweiht und mit allerlei Unreinheit und Entweihung befleckt wurde“, geschah im Neuen Bund, als man nach dem sog. Konzil aus dem hl. Meßopfer ein Abendmahl, eine Eucharistiefeier, ein brüderliches Mahl, eine charismatische Versammlung usw. machte. Wer einen modernen Kultort nüchtern betrachtet, eine moderne Beton-„Kirche“ mit Altarinsel und Druidenstein in der Mitte, der wird – „Etwas Ähnliches sagen wir, wobei wir uns durchaus Rechenschaft über die Verschiedenheit von Zeit und Ort sowie den Unterschied zwischen einer örtlichen Verfolgung und jener weltweiten Verfolgung ablegen, die unter dem Antichristen stattfinden wird“ – klar einsehen müssen: Hier handelt es sich um eine neue Religion mit einem Neuen Kult! Ist diese Aussage übertrieben? Ist sie eine überzogene Interpretation der neuen, modernen Liturgie?

Nein, es läßt sich durchaus zeigen, daß die Macher der Neuen Messe das klare Ziel hatten, das Meßopfer zu zerstören und es durch einen neuen Kult zu ersetzen. Wenigen ist jedoch diese völlige Neusetzung aufgefallen, weil einerseits die Umformung in einer entsprechenden dämonischen Schläue geschehen ist, anderseits die allermeisten Katholiken ihr Wissen über das hl. Meßopfer schon lange verloren hatten.

Das wahre hl. Meßopfer ist ein Opfer gemäß dem Opfer Abels, des gerechten Dieners Gottes, wie es im Kanon der hl. Messe heißt. Abel hat ein makelloses Lamm geopfert, das unmittelbar auf das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt, gedeutet werden kann und muß. Dieses Opfer Abels war nur ein Vorbild für das Opfer Jesu Christi am Kreuz, in welchem es seine Erfüllung und seinen eigentlichen Sinn findet, so daß das Konzil von Trient sagen kann:
„Und dies ist nun jenes reine Opfer, das durch keine Unwürdigkeit oder Schlechtigkeit derer, die es darbringen, verunreinigt werden kann, von dem der Herr durch Malachias vorhergesagt hat, daß es seinem Namen, der groß sein werde unter den Völkern, an jedem Ort als reines Opfer dargebracht werde [vgl. Mal 1,11], und auf das der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther unzweideutig anspielt, wenn er sagt, es könnten diejenigen, die durch die Teilhabe am Tisch der Dämonen befleckt seien, nicht am Tisch des Herrn teilhaben [vgl. 1 Kor 10,21], wobei er unter Tisch beidemal den Altar versteht. Dies ist schließlich jenes ‚Opfer‘, das durch die mannigfaltigen Gleichnisse von Opfern zur Zeit der Natur und des Gesetzes [vgl. Gen 4,4; 8,20; 12,8; 22,1-19; Ex: überall] vorgebildet wurde, da es ja alle Güter, die durch jene bezeichnet wurden, als deren aller Vollendung und Vervollkommnung umfaßt“ (DH 1742).

Wenn man den Ritus der Neuen Messe genauer studiert, fällt besonders die vollkommen neu gestaltete sog. Gabenbereitung auf. Dort heißt es: „Gepriesen seist Du, Gott des Universums, Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde.“ Und: „Gepriesen seist Du, Gott des Universums, Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde.“ In den Offertoriumsgebeten der tridentinischen hl. Messe betete dagegen der Priester: „Suscipe, sancte Pater, omnipotens, aeterne Deus, hanc immaculatam Hostiam“ – „Empfange, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, diese unbefleckte Opfergabe“, mit der unbefleckten Opfergabe ist selbstverständlich das makellose Lamm Gottes gemeint.

Um die bei der Neuen Messe stattfindende grundlegende Uminterpretierung des Opfers klar greifen zu können, müssen wir im Buche Genesis nachlesen, das Tridentinische Konzil hatte auf diese Stelle verwiesen: „Nach geraumer Zeit begab es sich, daß Kain von den Früchten des Bodens dem Herrn ein Opfer brachte. Aber auch Abel opferte von den Erstlingen seiner Herde und ihrem Fett. Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht. Da ward Kain sehr zornig und sein Angesicht verfinsterte sich. (…) Kain sprach zu seinem Bruder Abel: ‚Komm, wir wollen aufs Feld gehen!‘ Als sie auf dem Felde waren, stürzte sich Kain auf seinen Bruder Abel und erschlug ihn“ (Gen. 4, 3-8). Nun, wer opfert hier die „Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, wie es bei der Gabenbereitung der Neuen Messe zweimal heißt, Gott als Opfergabe auf, Abel oder Kain? Offensichtlich Kain! Aber wie wird dieses Opfer Kains im Gegensatz zum Opfer Abels von Gott beurteilt? „Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht.“ Die Macher der Neuen Messe konstruieren also ihren neuen, auf dem Schreibtisch erfundenen Ritus auf der Grundlage des Kainsopfers, also jenes Opfers, das Gott verworfen hat! Dieses von Gott verworfene Opfer Kains ist die Interpretationsgrundlage ihres neuen Ritus! Damit ist dieser Ritus schon vom Wesen her als Antiritus konzipiert, als ein Ritus, der ein Opfer darbringt, das Gott verworfen hat! Das ist der Ritus, den Kardinal Billot vorausgeahnt hat, wenn er fragt: „Welches neue Ungeheuer des Götzendienstes wird sich in unseren Tempeln breitmachen, die zu Tempeln des Gottes Menschheit, des Gottes Vernunft, des der Welt innewohnenden Gottes geworden sind, und am Ende nach all den Bemühungen des Freidenkertums über den weltjenseitigen Gott der christlichen Offenbarung triumphieren?“

Niemand kann bestreiten, daß damit völlig treffend die Neue Messe als Kult des Menschen, der Vernunft, des der Welt innewohnenden Gottes beschrieben wird.

Und auch der Schlußsatz macht einen schaudern, sobald man bedenkt, daß Annibale Bugnini, der Hauptmacher der Neuen Messe, erwiesenermaßen Freimaurer war: „Irgendein geheimnisvoller Luziferianer aus den finsteren Höhlen der freimaurerischen Zusammenkünfte, jäh ans Tageslicht getreten, wird die Stelle der umgestürzten Tabernakel unseres Herrn Jesus einnehmen.“ Zwar meint Kardinal Billot hiermit den erst noch kommenden Antichristen, für den jedoch die neue Liturgie schon einmal den Weg frei gemacht hat. Die Tabernakel hat man schon einmal zur Seite gestellt, die Theologie des hl. Meßopfers zerstört, den Altar durch den Tisch ersetzt – somit ist der Weg für den Antichristen im Grunde schon frei. Was soll ihn nun noch aufhalten …