Fastenzeit

von antimodernist2014

1. Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40tägige Fastenzeit. Zwar ist erst danach der Erste Fastensonntag, der Sonntag Quadragesima (= vierzig), doch die sechs Wochen von diesem bis Ostern reichen nicht für volle vierzig Tage Fasten. Freilich sind sechs Wochen 42 Tage, doch da die Sonntage keine Fasttage sind, müssen wir die sechs Fastensonntage abziehen und erhalten somit nur 36 Tage. Das ist der Grund, warum die Fastenzeit bereits vier Tage früher beginnt, eben am Aschermittwoch. Im Volkskatechismus von Spirago heißt es: „Die 40tägige Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert bis zum Karsamstag mittags. Nur die Sonntage in dieser Zeit sind keine Fasttage, wohl aber die Feiertage.“

2. Der Katechismus des heiligen Pius X. unterrichtet uns über die Fastenzeit: „Die Fastenzeit ist eine Zeit des Fastens und der Buße, die von der Kirche auf Grund apostolischer Überlieferung eingeführt wurde.“ Spirago: „Die 40tägige Faste ist von den heiligen Aposteln eingeführt worden (hl. Hieronymus) zum Andenken an die 40tägige Faste des Heilands in der Wüste.“ Die Fastenzeit geht also auf Christus selbst und die Apostel zurück. Sie hat ihre Vorbilder bereits im Alten Testament: das Volk Israel wurde 40 Jahre durch die Wüste geführt, Moses und Elias fasteten jeweils 40 Tage.

Wozu nun wurde die Fastenzeit eingeführt? Der hl. Pius X.: „Die Fastenzeit wurde eingeführt: 1. um uns unsere Pflicht zu Bewußtsein zu bringen, die ganze Zeit unseres Lebens Buße zu tun, wovon nach den heiligen Vätern die Fastenzeit das Sinnbild ist; 2. um das vierzigtägige strenge Fasten Jesu Christi in der Wüste einigermaßen nachzuahmen; 3. um uns durch Buße vorzubereiten, das Osterfest würdig zu feiern.“

3. Wir alle sind Sünder, und sind wir auch von der Erbsünde durch die Taufe gereinigt, so waren wir doch einst von ihr befleckt und tragen ihre Folgen noch in uns. Hinzu kommen unsere persönlichen Sünden, die wir täglich begehen und von denen wir im Laufe unseres Lebens unzählige angehäuft haben. Davon ist keiner ausgenommen – von der allerseligsten Jungfrau natürlich abgesehen –, sündigt doch selbst der Gerechte siebenmal des Tages. All diese Sünden aber müssen abgebüßt werden. „Unsere Sünden müssen in dieser oder in der anderen Welt gestraft werden“, schreibt der heilige Ludwig Maria Grignion in seinem „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“. „Büßen wir sie in dieser Welt, so brauchen wir es nicht zu tun in der anderen. Straft Gott sie in dieser Welt mit unserer Zustimmung, so wird die Strafe liebevoll sein. Die Barmherzigkeit Gottes, die in dieser Welt herrscht, wird sie dann sühnen, nicht die strenge Gerechtigkeit; die Züchtigung wird leicht und vorübergehend, von Süßigkeit und Verdiensten begleitet sein und in Zeit und Ewigkeit Belohnungen im Gefolge haben. Bleibt aber die Züchtigung, die wir für unsere begangenen Sünden verdient haben, für die andere Welt aufbewahrt, so wird es die mit Blut und Feuer rächende Gerechtigkeit Gottes sein, welche dort züchtigt. Furchtbare Strafe, unaussprechliche, unbegreifliche Züchtigung! Wer kann die Macht Deines Zornes ermessen? … Eine Züchtigung ohne Barmherzigkeit, ohne Mitleid, ohne Trost, ohne Verdienst, ohne Grenzen und ohne Ende.“ Das ist der erste Grund für unser Fasten.

Der zweite Grund ist die Nachahmung Unseres Herrn Jesus Christus. Unser Heiland hat nichts umsonst getan. Wenn Er vor Beginn Seiner öffentlichen Tätigkeit ein so strenges Fasten hielt, dann deswegen, weil Er dessen Wert kannte. Vor allem weist Er uns hin auf die Gewalt, die das Fasten gegen den Teufel hat, indem Er selbst am Ende Seiner 40tägigen Fasten den Versucher überwindet und später Seinen Aposteln über einen Dämon erklärt: „Diese Art wird nur mit Fasten und Gebet ausgetrieben.“ Papst Benedikt XIV. schrieb am 30. Mai 1741: „In der Beobachtung der Fasten liegt die Zucht unserer Heerschar. Durch sie unterscheiden wir uns von den Feinden des Kreuzes Christi; durch sie wenden wir die Geißel des göttlichen Zornes von uns ab; durch sie, während des Tages von himmlischer Hilfe geschützt, stärken wir uns gegen den Fürsten der Finsternis. Wenn diese hl. Übung nachläßt, so geschieht dies zum Nachteil der Verherrlichung Gottes, zur Schmach der katholischen Religion, zur Gefährdung der christlichen Seelen. Uns kann kein Zweifel darüber obwalten, daß diese Nachlässigkeit eine Quelle von Leiden und Unheil in den öffentlichen Angelegenheiten der Völker und aller Art von Mißgeschick für den einzelnen bedeutet.“ Im Fasten liegt die Kraft der Tugend, der Selbstbeherrschung, die Kraft des Erlösers.

Schließlich geht es darum, uns auf die österliche Gnadenzeit gut vorzubereiten, denn je besser unsere Vorbereitung ist, desto größer wird unser Anteil an den Gnaden des gekreuzigten und auferstandenen Heilands sein. Ostern ist das größte Fest der Christenheit, es ist der Tag des Triumphs Unseres Herrn Jesus Christus über Teufel, Sünde und Tod. Vierzig Tage sind sicher nicht zu viel für einen Christen, um sich auf diesen großen Tag vorzubereiten – wenn man denkt, wieviel Zeit die Weltmenschen oft verbringen, um sich auf weit geringere Fest- und Feiertage vorzubereiten.

4. Warum nun heißt der erste Tag der Fastenzeit Aschermittwoch? „Der erste Tag der Fastenzeit heißt Aschermittwoch, weil die Kirche an diesem Tage geweihte Asche auf das Haupt der Gläubigen streut.“ Und warum tut die Kirche das? „Die Kirche pflegt am Anfang der Fastenzeit geweihte Asche zu streuen, damit wir uns daran erinnern, daß wir aus Staub gebildet sind und mit dem Tod wieder zu Staub werden müssen, damit wir uns demütigen und für unsere Sünden Buße tun, solange wir noch Zeit dazu haben.“ „Denn Staub bist du, und zum Staube sollst du zurückkehren“, so kündigte schon nach dem Sündenfall im Paradies Gott dem ersten Menschenpaar die Strafe für die Sünde an, den Tod. Wir sollen daran denken, was wir sind: Staub und Nichts, Staub und Sünde. Der Mensch, „homo“, ist der aus Erde, dem „humus“ Gemachte, und zu diesem „humus“ kehrt er zurück. Das nötigt uns zur „humilitas“, der Demut. Und es erinnert uns daran, wie schwach und gebrechlich wir sind, stets vom Tod umgeben, daß die Zeit unseres Lebens abläuft wie eine Sanduhr und wir nie wissen, wann die Frist vorüber ist, welche uns zur Buße gewährt wurde.

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