Fastenzeit

Darum genügt es freilich nicht, einfach die geweihte Asche zu empfangen. Sie ist ein Sakramentale und wirkt die Gnade, wenn wir die entsprechende Gesinnung und Disposition haben. Mit welcher Geisteshaltung müssen wir also die geweihte Asche empfangen? „Wir müssen die geweihte Asche mit zerknirschtem und demütigem Herzen empfangen und mit dem heiligen Entschluß, die Fastenzeit mit Werken der Buße zu verbringen.“ „Denn Schlachtopfergaben gefallen dir nicht, und brächte ich Brandopfer dar, du möchtest es nicht. Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verschmähen“, betet der heilige Prophet David in seinem Bußpsalm. Diese Opfergesinnung ist das wichtigste für uns, doch gehören dazu natürlich auch die Opfer, eben jene Werke der Buße, zu welchen wir jetzt den festen Entschluß fassen sollen. Wir müssen nicht nur im Herzen wollen, sondern auch etwas tun.

5. Was sollen wir nun konkret tun, um die Fastenzeit im Geist der Kirche gut zu verbringen? „Um die Fastenzeit im Geist der Kirche gut zu verbringen, müssen wir vier Dinge tun: 1. das Fasten genau beobachten und uns nicht nur in unerlaubten und gefährlichen Dingen abtöten, sondern auch soweit wie möglich in erlaubten Dingen, wie z.B. in der Erholung mäßigen; 2. mehr als zu jeder anderen Zeit Gebete, Almosen und andere Werke der christlichen Liebe gegenüber dem Nächsten verrichten; 3. das Wort Gottes anhören, nicht etwa aus reiner Gewohnheit oder Neugierde, sondern in dem Wunsch, die gehörten Wahrheiten in die Tat umzusetzen; 4. uns sorgsam auf die Beichte vorzubereiten, um das Fasten verdienstlicher zu machen und um uns besser auf die Osterkommunion vorzubereiten.“

Zunächst also sollen wir das Fasten genau beobachten. Doch worin besteht das Fasten? „Das Fasten besteht darin, eine einzige Mahlzeit am Tag einzunehmen und sich der verbotenen Speisen zu enthalten.“ Dabei erlaubt die Kirche an Fasttagen „eine kleine Stärkung am Abend oder auch am Mittag, wenn die einzige Mahlzeit auf den Abend verschoben wird“. Doch das wollen wir uns noch etwas genauer ansehen. Spirago führt dazu aus: „In den früheren Jahrhunderten war das 40tägige Fasten weit strenger. Die ersten Christen aßen in der ganzen Fastenzeit kein Fleisch, ja überhaupt nichts von warmblütigen Tieren, also keine Butter, keine Milch, keinen Käse [und keine Eier!]; außerdem aßen sie früh gar nichts und sättigten sich erst am Abend.“ Bei manchen „orthodoxen“ Christen ist das bis heute so. „Noch im Mittelalter war der Fleischgenuß in der 40tägigen Fastenzeit verboten; wer in dieser Zeit Fleisch aß, wurde von der österlichen Kommunion ausgeschlossen (Konzil von Toledo 653). Ja, weltliche Regenten, wie Kaiser Karl der Große, hielten die, welche in der Fastenzeit Fleisch aßen, für Verächter der Religion und verhängten körperliche oder Geldstrafen über sie.“

Dagegen: „Nun wie leicht ist heute dieses Fastengebot! Die Kirche verlangt nur von uns, daß wir uns einmal des Tages sättigen. Es ist nicht vorgeschrieben, daß diese Sättigung gerade mittags stattfinden müsse. Man kann die Hauptmahlzeit auch abends einnehmen [was früher ohnehin üblich war, wie oben erwähnt, weshalb im römischen Brevier die Priester in der Fastenzeit die Vesper vor der nunmehr mittäglichen Mahlzeit zu beten haben]. Es ist auch erlaubt, früh und abends eine Stärkung zu sich zu nehmen und zwar hinsichtlich der Menge und der Art der Speise nach der ortsüblichen Gewohnheit (CIC can. 1251 § 1). Es ist nicht verboten, bei der Mahlzeit Fleisch zu genießen; auch ist nicht verboten, bei einer und derselben Mahlzeit Fleisch- und Fischspeisen zu essen (can. 1251 § 2). Nur am Aschermittwoch und selbstverständlich an den Freitagen ist der Fleischgenuß verboten.“

In der Moraltheologie von Heribert Jone von 1959 heißt es: „Abstinenz- und Fasttage zugleich sind: Der Aschermittwoch, die Freitage und Samstage der Fastenzeit, die Quatembertage… Bloße Fasttage sind die übrigen Tage der Fastenzeit (can. 1252 § 3).“ D.h. an allen Tagen der Fastenzeit (die Sonntage ausgenommen) ist nur eine einmalige Sättigung erlaubt, am Aschermittwoch, den Freitagen, Samstagen der Fastenzeit und den Quatembertagen ist obendrein der Fleischgenuß untersagt. Dabei gilt: „Fasten müssen alle von Vollendung des 21. Lebensjahres an bis zum Beginn des 60. Lebensjahres (can. 1254 § 2). Abstinenz halten müssen alle von Vollendung des 7. Lebensjahres an (can. 1254 § I) bis zum Lebensende.“ „Sowohl das Abstinenz- als auch das Fastengebot hört auf an allen Sonntagen und gebotenen Feiertagen. Nur an einem gebotenen Feiertag der vierzigtägigen Fastenzeit bleibt das Fasten- und Abstinenzgebot bestehen.“

6. Beim Fastengebot ist zu beachten: „In der Zeit zwischen den drei genannten Mahlzeiten darf man keine Nahrung zu sich nehmen, wohl aber einen Trunk, der nicht nährt (z. B. Wasser, Wein, Bier usw., nicht aber Bouillon, Schokolade, Milch usw.). Damit der Trunk aber nicht schade, darf man auch ein wenig dazu essen.“ Das Abstinenzgebot „verbietet Fleisch und Fleischbrühe, nicht aber Eier, Milch und Würze, auch nicht, wenn sie aus Tierfett besteht (can. 1250). Verboten ist aber nur das Fleisch von Säugetieren und Vögeln, aber auch deren Speck, Blut sowie Knochenmark, Gehirn, Herz, Leber usw. – Erlaubt sind dagegen Fische, Frösche, Schildkröten, Schnecken, Muscheln, Austern, Krebse. – Als Würze darf man ausgelassenen Speck (Fett) nicht nur benützen, um Speisen zu bereiten, sondern auch, um ihn aufs Brot zu streichen. Ebenso sind erlaubt: Kunstbutter, Maggi, sowie gewisse Fleischextrakte, die nicht mehr den Geschmack von Fleisch und Fleischbrühe haben (z. B. Gelatine, Pepsin und Peptone), nicht aber jene „Suppenwürfel“, die verbotene animalische Bestandteile enthalten. – Kraft päpstlichen Indultes ist im ehemaligen Deutschen Reich und Österreich Fleischbrühe an allen Tagen erlaubt mit Ausnahme des Karfreitags; die Überbleibsel vom geschmolzenen Fett sind immer erlaubt.“