Fastenzeit

Allerdings war bereits zu der Zeit, da Jone dies schrieb, jedenfalls in Deutschland, das Fasten bereits weiter deutlich abgeschwächt worden. Jone: „Nach den von dem Apostolischen Stuhle für die deutschen Diözesen gewährten Milderungen sind (nach der Fastenverordnung von Freiburg) vorläufig Fast- und Abstinenztage: der Aschermittwoch, der Karfreitag, der Vortag des Festes Mariä Empfängnis (falls dieser Tag kein Sonntag ist), der Fast- und Abstinenztag vor Weihnachten. Bloße Fasttage gibt es nicht.“ Gefastet wurde also in der Fastenzeit nur noch am Aschermittwoch und Karfreitag. Wie wir wissen, ist das heute überall die gängige Regelung, in der „Konziliaren Kirche“ sind dies überhaupt die einzigen noch übriggebliebenen Fasttage im ganzen Jahr. Daß ein solcher Niedergang des Fastens gleichzeitig einen gewaltigen Niedergang der Kirche bedeuten mußte, liegt auf der Hand.

7. Spirago weist darauf hin: „Das Gebot der 40tätigen Faste ist gar nicht streng, wenn man bedenkt, daß eigentlich nur verboten ist, mehr zu genießen, als zur Erhaltung der notwendigen Körperkraft notwendig ist.“ Außerdem will die Kirche „keineswegs, daß wir durch das Fasten Schaden leiden an der Gesundheit oder an der Erfüllung unserer Berufspflichten gehindert werden“, und kennt daher Entschuldigungsgründe und erteilt Dispensen. „Es dürfen daher an Freitagen [Abstinenztagen] Fleisch essen: Leute von schwächlicher Gesundheit, denen das Fasten schädlich wäre“, wie z.B. Kranke und Genesende. Vom Gebot der nur einmaligen Sättigung sind befreit: „Personen, die nicht über 21 Jahre oder schon über 59 Jahre sind; ferner Leute von schwächlicher Gesundheit und Leute, die geistig oder körperlich viel arbeiten müssen.“

So sagt auch der hl. Pius X.: „Zum Fasten sind alle jene verpflichtet, die das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und nicht rechtmäßig daran gehindert sind.“ „Jene, die nicht zum Fasten verpflichtet sind, sind nicht völlig von der Pflicht zur Abtötung befreit, weil niemand von der allgemeinen Pflicht, Buße zu tun, ausgenommen ist. Deshalb müssen sie sich in anderen Dingen nach ihren Kräften abtöten.“ Spirago: „Wer nicht fasten kann, soll trachten, dafür andere gute Werke zu verrichten.“ Ohnehin haben wir gesehen, daß im Katechismus von Pius X. als zweites der vier Dinge, welche wir in der Fastenzeit tun sollen, nach dem genauen Beobachten der Fasten genannt wird: „mehr als zu jeder anderen Zeit Gebete, Almosen und andere Werke der christlichen Liebe gegenüber dem Nächsten verrichten“. Am Freitag nach Aschermittwoch hören wir die Lesung aus dem Propheten Isaias, wo Gott spricht: „Seht, am Tage eures Fastens tut ihr, was euch gelüstet, und bedränget alle eure Schuldner. Seht, bei Streitigkeiten und Zänkereien fastet ihr und schlagt zu mit roher Faust. Fastet nicht so weiter wie bisher, daß man euer Lärmen in der Höhe vernehmen kann. Ist das ein Fasten, wie Ich es haben will, wenn einer sich einen Tag kasteit oder sein Haupt wie einen Reifen niederbeugt und sich auf Sack und Asche hinstreckt? Kannst du das etwa Fasten nennen oder einen dem Herrn genehmen Tag? Ist nicht vielmehr das ein Fasten, wie Ich es haben will: Löse auf gottlose Fesseln, löse drückende Bande, gib frei die Unterdrückten, zerbrich jedes Joch. Brich dem Hungrigen dein Brot und führe Arme und Obdachlose in dein Haus. Siehst du einen Nackten, so bekleide ihn und verachte nicht dein eigen Fleisch. Dann wird dein Licht dem Morgen gleich hervorbrechen, und deine Heilung rasch erfolgen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird dich begleiten. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dich erhören; du wirst flehen, und Er wird antworten: Siehe, da bin Ich. Denn Ich bin barmherzig, Ich, der Herr, dein Gott.“ Ohne Liebe wäre alles Fasten nichts. Darum gehören die Werke der Liebe zu Gott (Gebet) und zum Nächsten (Werke der Barmherzigkeit) wesentlich zur Fastenzeit.

Der heilige Pius X. mahnt uns, wir sollten „uns nicht nur in unerlaubten und gefährlichen Dingen abtöten, sondern auch soweit wie möglich in erlaubten Dingen, wie z.B. in der Erholung mäßigen“. Der Grund dafür ist ein doppelter. Erstens geht es darum, einen Ausgleich zu schaffen: Haben wir uns unerlaubte und gefährliche Dinge gegönnt, so müssen wir zur Buße dafür nun eben auch auf erlaubte Dinge verzichten. Zweitens wäre es kein Opfer, wenn wir nur das nicht tun, was ohnehin verboten ist. Wir tun dann nur, was gerecht ist. Das Opfer verlangt mehr: den freiwilligen Verzicht aus Liebe. Die Liebe ist die Seele der ganzen Fastenzeit. Darum ist unser Fasten auch freudig und froh. „Einen freudigen Geber hat Gott lieb.“

8. Wir sollen drittens, wie wir gehört haben, „das Wort Gottes anhören, nicht etwa aus reiner Gewohnheit oder Neugierde, sondern in dem Wunsch, die gehörten Wahrheiten in die Tat umzusetzen“. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht“, lehrt uns der Heiland bei Seinem heiligen Fasten in der Wüste. Wir sollen wieder lernen, mehr nach dem Geist als nach dem Fleisch zu leben. Darum gab es früher in der Kirche besondere Fastenpredigten, die während der Fastenzeit gehalten wurden.

Viertens, so wurde uns gesagt, sollen wir uns sorgsam auf die Beichte vorbereiten, „um das Fasten verdienstlicher zu machen und um uns besser auf die Osterkommunion vorzubereiten“. Jone schreibt: „Alle Gläubigen, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, müssen alle ihre Sünden wenigstens einmal im Jahre aufrichtig beichten (can. 906). Die Beichte muß an sich nicht in der österlichen Zeit stattfinden; wegen der vorgeschriebenen Osterkommunion wird sie aber praktisch immer in dieser Zeit abgelegt werden. Auch Kinder, die noch nicht das siebte Lebensjahr erreicht haben, sind zur Beichte verpflichtet, wenn sie den Gebrauch der Vernunft bereits erlangt haben. – Streng genommen aber sind nur jene verpflichtet, die eine Todsünde begangen haben. – Durch eine sakrilegische Beichte wird die Pflicht nicht erfüllt (can. 907).“ Zur Osterkommunion: „Alle Gläubigen, die den Vernunft gebrauch erlangt haben, müssen einmal im Jahre, wenigstens in der österlichen Zeit, die hl. Kommunion empfangen. … Verpflichtet sind auch die Kinder, die das 7. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, vorausgesetzt, daß sie den Vernunftgebrauch haben. Die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Kinder ihre Osterkommunion halten, obliegt in besonderer Weise den Eltern, Vormündern, dem Beichtvater, den Erziehern und dem Pfarrer (can. 860).“

9. Wenn wir die Fastenzeit in dieser Weise begehen, werden wir erfahren, was die Kirche in der Fastenpräfation betet: „Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Durch das Fasten des Leibes unterdrückst Du die Sünde, erhebst Du den Geist, spendest Tugendkraft und Lohn: durch Christus, unsern Herrn.“