Der Vorsehungsglaube des heiligen Josef

von antimodernist2014

Es hat Gott gefallen, den hl. Josef im Verborgenen leben zu lassen – das gilt nicht nur für sein irdisches Leben, sondern gleichermaßen auch für sein Leben in der hl. Kirche. Zunächst beginnt alles wie im Dunkeln einer Nacht, Josef erscheint nur wie eine Randfigur im göttlichen Drama der Erlösung und in der Geschichte der hl. Kirche. Der hl. Evangelist Markus etwa erwähnt den hl. Josef gar nicht. Die anderen Evangelisten erwähnen ihn zwar, doch recht zurückhaltend, kein einziges gesprochenes Wort wird von ihm überliefert. Die wenigen Stellen, an denen dann sein Name aufscheint, sind jedoch immer so bedeutungsvoll, daß man erahnen kann, was es mit diesem hl. Josef wirklich für eine Bewandtnis hat.

Wenn z.B. der hl. Johannes im ersten Kapitel von der Entdeckung des Messias berichtet: „Wir haben ihn gefunden“, sagt Philippus zu Natanael, „wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazareth.“ Als Natanael ihm zweifelnd entgegnet: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ weiß Philippus nur begeistert zu antworten: „Komm und sieh!“ Der lange erwartete, vom ganzen Volk herbeigesehnte Messias ist Jesus, der Sohn Josefs, aus Nazareth. Der ewige Vater hatte offensichtlich Seinen in Ewigkeit gezeugten – „Gott von Gott, Licht von Licht“ – und jetzt menschgewordenen Sohn – „Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau, und ist Mensch geworden“ – genauso wunderbar wie wirksam vor den Augen der Welt versteckt, versteckt hinter dem hl. Josef. Es scheint direkt so, als ob der ewige Vater gewünscht und Seine Freude daran gehabt hätte, sein göttliches Vatersein hinter dem Vatersein des hl. Josef sorgfältig zu verbergen, damit das Geheimnis des Königs unentdeckt bleibe bis zur vorherbestimmten Zeit Seines öffentlichen Wirkens. Zwar ist der himmlische Vater der eigentliche Vater dieses Sohnes der Jungfrau Maria, doch in der Menschenwelt soll dies zunächst noch niemand wissen als die wenigen dazu Auserwählten. Josef vertritt Seine Stelle für eine kleine Weile von etwa 30 Jahren. Etwa 30 Jahre lang, soll er, Josef, der Schatten des himmlischen Vaters in dieser Welt sein – welch eine gewaltige Aufgabe! Darum hatte der himmlische Vater den hl. Josef aus allen Männern der Weltgeschichte sorgfältig ausgewählt und für diese mehr als ungewöhnliche Aufgabe vorbereitet. Josef stammt aus dem Hause David, damit durch ihn Jesus rechtmäßig Seinen erhabenen Titel als Sohn Davids, der Ihn als den Messias auszeichnet, tragen wird. Er ist zudem der wahre Ehemann der allerseligsten Jungfrau Maria und als solcher dazu bestimmt, die hl. Familie zu leiten, sie zu schützen und zu ernähren.

Beim hl. Evangelisten Lukas fällt auf, wie kunstvoll und umständlich er bei der Verkündigung den Sachverhalt berichtet, so daß der Name Josefs vor dem Namen Mariens erscheint: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazaret gesandt, zu einer Jungfrau, die mit einem Mann namens Josef, aus dem Haus David, verlobt war. Der Name der Jungfrau war Maria“ (Lk. 1,26f). Diese Art des Berichtes ermöglicht es ihm außerdem, das Wort Jungfrau zu wiederholen und dadurch darauf hinzuweisen, wie außergewöhnlich diese Jungfrau mit dem Namen Maria in den Augen Gottes war. Maria selbst aber wird vom hl. Evangelisten eingeführt als Braut Josefs. Dieser Name „Josef“ ist der Name eines berühmten Patriarchen, der in der Vergangenheit das Volk Gottes aus der Sklaverei in Ägypten rettete, und der wunderbare Name „Maria“, der gesegnet sei für immer, klingt hier wie ein Echo des ersteren. Josef stellt sich sozusagen bei dieser Szene der Verkündigung nur kurz vor, dann zieht er sich schnell und diskret wieder zurück, denn er liebt das Verborgensein über alles. Dennoch spürt man seine Anwesenheit überall aus den Kindheitserzählungen der Evangelien heraus. Der hl. Josef führt die hl. Familie durch diese Zeit der ersten Prüfungen – und es sind große, leidvolle Prüfungen. Er zeigt sich uns als ein Meister, wenn es darum geht, die Vorsehung Gottes zu verstehen und zu tun. Er lebt ganz und gar in und aus dieser göttlichen Vorsehung, ganz und gar mit dem Blick auf den göttlichen Vater, dessen Schatten er in dieser Welt sein soll und sein darf.

Der hl. Josef – Schutzherr der Kirche

Für uns heute lebenden Katholiken ist damit der hl. Josef ein wunderbares Vorbild und nachahmenswertes Beispiel. Erscheint uns Katholiken diese chaotische Zeit nicht wie eine einzige, unsere Kräfte übersteigende Prüfung? Leben wir nicht gleichsam inmitten eines riesigen geistesgeschichtlichen Strudels, der uns ständig auf den Grund zu ziehen droht, den Grund des Nihilismus, der absoluten Sinnlosigkeit einer gottlos gewordenen Welt? Durch den im kirchlichen Leben um sich greifenden Modernismus wurden und werden auch die Herzen der Katholiken von dieser Seuche mehr und mehr vergiftet, jener Seuche, von der Pius X. geschrieben hatte: „Hätte sich jemand die Aufgabe gestellt, Geist und Kern aller Glaubensirrtümer, die es je gegeben hat, zusammenzutragen, so hätte er dies nicht besser verwirklichen können, als es die Modernisten verwirklicht haben. Ja, sie sind noch weiter gegangen als alles und haben nicht bloß die katholische Religion, sondern – wie bereits bemerkt – jegliche Religion vollständig vernichtet“ (Enzyklika „Pascendi“). Dieses wahrlich diabolische Sammelbecken aller Häresien beherrscht nun schon seit mehr als 50 Jahren das postkonziliare Rom. Was sollten wir Katholiken tun? Woran sollen wir uns festhalten, orientieren, aufrichten?

Halten wir uns an das Vorbild des hl. Josef, der nicht umsonst von den Päpsten zum Schutzpatron der hl. Kirche erhoben worden ist. Lassen wir uns von seiner Ruhe und Stärke inspirieren, mit der er alle Prüfungen seines Lebens bewältigte, weil er immer am Willen des himmlischen Vaters festhielt und im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung unerschütterlich blieb. Lernen wir vom hl. Josef! Versuchen wir uns darum etwas eingehender in den Vorsehungsglauben dieses außerordentlichen Heiligen hineinzudenken und hineinzubeten, um daraus möglichst großen Gewinn zu ziehen.

Der hl. Josef in den Augen der Theologen des kirchlichen Lehramtes

Über die Kindheit und Jugend des hl. Josef wissen wir aus der hl. Schrift nichts. Aber die Theologen, also die Gottesgelehrten, haben sich Gedanken darüber gemacht, wer denn dieser hl. Josef eigentlich sei, wobei sie von dem Grundsatz ausgingen: Gott gibt den Heiligen Gnade und Vorzüge nach Maß der Aufgabe, die er ihnen auf Erden anvertraut. Zu was ist aber der hl. Josef auserwählt? Was sind die besonderen Aufgaben und Auszeichnungen seines Lebens? Er soll kein Geringerer sein als der Gemahl Mariens, der Mutter Jesu, der Pflegevater des menschgewordenen Gottessohnes und der Beschützer der hl. Familie. Wer auch nur eine einigermaßen wache Auffassung vom Reich der Gnade hat, dem wird bei all diesen drei Gedanken schwindelig werden. Welches Maß an Gnade muß dieser Mann haben, damit er diesen drei Aufgaben gerecht werden kann?

Seiten: 1 2 3 4 5