Heiliger Joseph, Schutzherr der Kirche

von antimodernist2014

I.

Der heilige Joseph war nach dem Willen Gottes berufen, keuschester Bräutigam der allerseligsten Jungfrau zu sein und Pflegevater des göttlichen Sohnes und somit Haupt und Beschützer der heiligen Familie. Damit war auch seine Aufgabe vorgegeben, die er fortan für die Kirche Gottes als deren Schutzherr üben sollte.

Von grundlegender Bedeutung für jeden Katholiken ist der kindliche Sinn. Das wollte der Heiland uns einschärfen, indem Er, der Sohn Gottes, wahrer Gott vom wahren Gott, wahres Licht vom wahren Licht, Er, durch den alles gemacht wurde, was geschaffen ist, uns selbst das eindrucksvollste Beispiel geben. Nicht nur wollte Er selbst als Kind geboren werden und in der heiligen Familie aufwachsen, Seinem Pflegevater und Seiner Mutter untertan, sondern Er bewies Seinen kindlichen Sinn noch mehr dadurch, daß Er volle dreißig Jahre, also bis ins Mannesalter, in der Familie verblieb.

II.

Matthias Joseph Scheeben erklärt zum kindlichen Sinn der gläubigen Katholiken: „Die volle Zartheit und Innigkeit des kindlichen Sinnes setzt in der natürlichen Ordnung voraus, daß das Kind nicht bloß einen Vater, sondern auch eine Mutter hat; gerade an der Hand und unter der Leitung der Mutter entwickelt sich auch sein kindlicher Sinn gegenüber dem Vater. Wie nun Gott in so vielen anderen Beziehungen bei der Einrichtung seiner übernatürlichen Gnadenordnung in lieblicher Weise sich an die Natur anschmiegt, so hat er als der himmlische Vater seiner Kinder ihnen auch in der Ordnung der Gnade eine himmlische Mutter gegeben, und zwar eine zweifache, die eine, welche bereits im Himmel bei ihm thronend für uns wirkt, die andere, die noch hier auf Erden uns leitet und erzieht, die eine als Mutter himmlischer Gnade und Tugend, die andere als Mutter himmlischer Wahrheit und Weisheit, die heilige Jungfrau und die heilige Kirche. Dieser doppelten Mutter gegenüber kann und soll jedes wahre Kind Gottes sich als Kind fühlen und in dem kindlichen Verhältnisse zu ihr den ganzen Trost und Segen des wahren Kindessinnes finden. Nun ist es aber vonseiten der heiligen Jungfrau gerade ihre unbefleckte Empfängnis, vonseiten der Kirche gerade die Unfehlbarkeit des obersten Trägers ihrer Autorität, was ihrem mütterlichen Ansehen und Einfluß seinen vollen Glanz und seine himmlische Zauberkraft verleiht.“ Daraus ergibt sich, daß der heilige Joseph, wie er der Beschützer der allerseligsten Jungfrau war, der Mutter des göttlichen Kindes, so auch der Beschützer der heiligen Kirche ist, der Mutter der Gläubigen. Damit ist er aber zugleich der stärkste Beschützer der kirchlichen Unfehlbarkeit und ihres Trägers, des Papstes.

Scheeben fährt fort: „Obgleich nämlich Maria zunächst deshalb unsere himmlische Mutter ist, weil sie unser gottmenschliches Haupt aus ihrem Schoße geboren, so erscheint sie doch erst recht in vollem Glanze der neuen Eva, als die Braut und Gehilfin des neuen Adam in der Wiedergeburt und Beseligung des neuen Geschlechtes, in ihrer unbefleckten Empfängnis, d.h. in ihrer ursprünglichen Freiheit vom Fluche der alten Eva und in der ursprünglichen innigsten Güter- und Lebensgemeinschaft mit dem neuen Adam. Wie daher alle wahren Kinder Marias die dogmatische Definition ihres gnadenreichen Ursprungs mit Entzücken begrüßten, so mußte dieselbe Definition die Zartheit und Innigkeit ihrer kindlichen Liebe und Hochachtung steigern und vermehren.“ Wir dürfen mit Sicherheit annehmen, daß der heilige Joseph seine größte Freude an dieser Dogmatisierung hatte und wohl selbst durch die vielfältigen übernatürlichen Beziehungen, die ihn mit dem Papst verbinden, daran seinen Anteil hatte.

„Zugleich wurde dadurch geweckt und gesteigert, wie das süße Gefühl der demütigen Abhängigkeit von einer so reinen und edlen Mutter, so andererseits das kindliche Vertrauen auf die Macht der Fürbitte, die, aus dem unbefleckten Herzen Marias hervorgehend, durch ihre makellosen Hände für uns elende Kinder Evas am Throne Gottes dargebracht wird. Nicht minder endlich muß der Anblick der absoluten und zarten Reinheit an Leib und Seele, die sie an ihrer himmlischen Mutter erblicken, die Kinder Marias mächtig anregen, nach ihrem Vorbilde und unter ihrem Schutze sich selbst der vollkommensten Unschuld und größten Reinheit zu befleißen, und jene reine Begeisterung für alles Schöne und Edle, jene jungfräuliche Empfindlichkeit gegenüber jeder noch so kleinen Befleckung der Unschuld, jene heilige Scheu vor dem Laster und jeder Gefahr denselben einflößen, welche von der Welt als kindliche Schwärmerei und Engherzigkeit verachtet wird, aber in den Augen Gottes und aller edlen Menschen die jugendliche unentweihte Blüte der Tugend so lieblich macht, und in den jugendlichen Seelen selbst eine ebenso starke Schutzmauer der Tugend bildet, als sie die ganze Süßigkeit und Schönheit derselben verkosten läßt.“ Nicht umsonst ist die Keuschheit die schönste Tugend des heiligen Joseph, der deswegen gerne mit einer Lilie in der Hand dargestellt wird. Da die Keuschheit zugleich die Blüte der Jugendlichkeit ist, läßt sie den heiligen Joseph plötzlich alles andere denn als „alten Mann“ erscheinen. Keuschheit bedeutet Jugend, die Unreinheit macht alt. Darum ist der heilige Joseph der beste Patron der Jugend.

Weiter bei Scheeben: „Wie aber bei der heiligen Jungfrau ihre jungfräuliche Empfängnis gleichsam die Krone ist, die ihre Mutterschaft über uns in ihrer ganzen Schönheit und Kraft darstellt und mithin den kindlichen Sinn nach seiner dreifachen Richtung, als Pietät, als hingebende Demut und als jungfräuliche Keuschheit des Geistes, weckt und belebt: so ist die Unfehlbarkeit des Vaters und Lehrers aller Gläubigen die Krone auf dem Haupte der Kirche, welche in ihren Kindern den kindlichen Sinn ihr gegenüber mit allen seinen Tröstungen und Segnungen mächtig anregt und kräftigt.“ Es ist gewiß kein Zufall, daß derselbe Papst Pius IX., welcher die Unbefleckte Empfängnis dogmatisch definierte, im Jahr 1870 auf dem Vatikanischen Konzil das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes verkünden durfte und im selben Jahr den heiligen Joseph zum Schutzpatron der Kirche erklärte.

III.

Scheeben: „Sie bewirkt dies in der Tat. Erstens ist es die katholische Pietät, die sie erweckt und pflegt, indem sie eine ebenso kostbare und glänzende, wie unantastbare und unbefleckbare Krone auf das Haupt des Vaters setzt und an seiner Brust das alttestamentliche Brustschild des Hohenpriesters ‚Urim und Thummim‘ befestigt. Sie bestätigt dem Vater aller Christen die edelste und höchste aller Gewalten, welche einem Vater und einer Mutter zukommen, diejenige Gewalt, welche die Kirche selbst, wenn sie von ihrer Mutterschaft spricht, ausdrücklich hervorhebt, indem sie sich Mutter und Lehrerin nennt; die Gewalt, gegenüber welcher das Kind am tiefsten seine eigene Abhängigkeit, seine Unmündigkeit fühlt und betätigt. Die Unfehlbarkeit bekundet an dem Vater der ganzen Christenheit den übernatürlichen Charakter seiner Würde und Macht, kennzeichnet ihn als das Organ des Heiligen Geistes, und ergänzt und bestärkt dadurch jene übernatürliche Verehrung, die sich in dem Namen ‚heiliger Vater‘ so bezeichnend und schön ausspricht. Sie gibt endlich seiner Vaterwürde eine Unantastbarkeit und Beständigkeit, wie sie keinem anderen Vater zukommt: Denn während jeder andere Vater seine Würde nicht nur durch persönliche Unwürdigkeit entehren, sondern auch nach allen Richtungen hin mißbrauchen und dadurch die Rechte seiner Vaterschaft verwirken kann: bewahrt die Gabe der Unfehlbarkeit des Papstes vor dem Mißbrauch gerade seiner höchsten und edelsten Gewalt und erhält dieselbe stets in ihrer ganzen Reinheit und Autorität; und wenn dann auch seine Kinder oft nicht tun und billigen können, was er tut, so können und müssen sie doch immer glauben und tun, was er lehrt – so erscheint er doch immer als das strahlende Bild der väterlichen Autorität Gottes, und der Name ‚heiliger Vater‘ kann trotz aller Unheiligkeit und Unwürdigkeit der Person von seinen Kindern als Ausdruck ihrer unverbrüchlichen Treue und unwandelbaren Ehrfurcht ihm beigelegt werden.“ Wie unsinnig ist es also, wenn heutige „Traditionalisten“ meinen, einen Irrlehrer als „Heiligen Vater“ verehren zu sollen und stets mit dem Argument kommen, er bleibe „doch der Vater“, auch wenn er Irrlehren verkünde. Diese falsche Pietät zerstört nur die echte, und so kann der heilige Joseph an dieser kein Gefallen haben, mögen besagte „Traditionalisten“ noch so viele „Josephsweihen“ vollziehen. In erster Linie sollten sie wohl die wahre Pietät üben, in welcher der heilige Joseph Meister ist.

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