Die Heilige Woche

von antimodernist2014

1. Im Katechismus des heiligen Pius X. beginnt der Abschnitt über die Karwoche mit der Frage: „Warum nennt man die letzte Woche der Fastenzeit auch die Heilige Woche?“ Die Antwort lautet: Sie heißt auch „die Heilige Woche, weil in ihr das Gedächtnis der größten Geheimnisse, die Jesus Christus zu unserer Erlösung vollbracht hat, gefeiert wird“. Der Heiland hat uns ja durch Sein heilbringendes Leiden und Kreuz erlöst, und eben diese Geheimnisse feiert die „Heilige Woche“.

2. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, und welches Geheimnisses gedenkt man an diesem Tag? „Am Palmsonntag denkt man daran, daß Jesus Christus sechs Tage vor Seinem Leiden glorreich in Jerusalem einzog.“ Davon berichtet uns der heilige Johannes im 12. Kapitel seines Evangeliums: „Sechs Tage vor dem Osterfeste kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, der gestorben gewesen und den Jesus auferweckt hatte. … Als aber am folgenden Tage eine große Volksmenge, welche zu dem Feste gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus Ihm entgegen, und riefen: Hosanna! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Und Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich auf denselben, wie geschrieben steht: Fürchte dich nicht, du Tochter Sions! Siehe, dein König kommt, sitzend auf dem Füllen einer Eselin“ (Joh 12,1.12-15).

Doch aus welchem Grund wollte Jesus Christus vor Seinem Leiden glorreich in Jerusalem einziehen? „Jesus Christus wollte vor Seinem Leiden, wie es vorausgesagt war, glorreich in Jerusalem einziehen: 1. um seine Jünger zu ermutigen, indem Er ihnen auf diese Weise einen klaren Beweis gab, daß Er Sein Leiden freiwillig auf sich nehme; 2. um uns zu lehren, daß Er durch Seinen Tod über den Teufel, die Welt und das Fleisch triumphieren werde und daß Er uns den Zugang in den Himmel eröffnen werde.“ „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe um es wieder zu nehmen. Niemand nimmt es von mir, sondern ich gebe es von mir selbst hin; und ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen“ (Joh 10,17f). Es ist nicht ein armer, unterdrückter Mensch, der unwillig oder gar widerwillig etwas erleiden muß, sondern es ist der König der Glorie, der hier aus vollem, freien Willen Seinen königlichen Kreuzweg antritt, so wie es der Vater im Himmel für Ihn vorgesehen hat, um vom Kreuz herab zu triumphieren und den Weg zum Himmel wieder zu öffnen: „Wahrlich ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ Darum die feierlichen Zeremonien der Palmweihe, der Prozession und des Einzugs in die Kirche, die wir gleich noch sehen werden.

3. Die nächsten wichtigen Tage der Karwoche sind der Gründonnerstag, der Karfreitag und der Karsamstag. „Am Gründonnerstag feiert man die Einsetzung des heiligsten Sakramentes der Eucharistie“, am „Karfreitag gedenken wir des Leidens und Todes des Retters“, am „Karsamstag ehrt man die Grablegung Jesu Christi und Sein Hinabsteigen in die Vorhölle; nach dem Zeichen zum Gloria beginnt man Seine glorreiche Auferstehung zu ehren“. „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten…“ All diese zentralen Wahrheiten unseres Glaubens, deren wir in diesen Tagen gedenken, sind bereits vorweggenommen und eingeschlossen im Geheimnis des Altarsakramentes und des heiligen Meßopfers, deren Einsetzung wir am Gründonnerstag feiern.

Was jedoch „müssen wir tun, um die Karwoche im Geist der Kirche zu verbringen“? Drei Dinge sollen wir tun: „1. mit dem Fasten eine größere innere Sammlung und einen größeren Eifer im Gebet verbinden; 2. beständig im Geist der Zerknirschung die Leiden Jesu Christi betrachten; 3. im selben Geist, wenn möglich, dem Gottesdienst beiwohnen.“ Die ersten beiden Punkte sind auch und besonders dann zu beobachten, wenn wir aus irgendwelchen Gründen ganz oder teilweise verhindert sind, an den Liturgien der Heiligen Woche teilzunehmen.

4. Der nächste Abschnitt im Katechismus des heiligen Pius X. behandelt einige Zeremonien der Karwoche, zunächst die des Palmsonntags. Dieser werde „Palmsonntag genannt wegen der Prozession, die an diesem Tage stattfindet und bei der die Gläubigen Öl- oder Palmzweige in der Hand halten“. Dies geschehe, „um an den triumphalen Einzug Jesu Christi in Jerusalem zu erinnern, bei dem Ihm die Volksmenge mit Palmzweigen in der Hand entgegenging“. Es ist ja der Triumph des Christkönigs, der nicht in Jerusalem endet, sondern bis ins himmlische Paradies hinauf führt. Deshalb wird auch bei der Rückkehr der Palmprozession dreimal an die Kirchenpforte geschlagen, bevor sie sich auftut. Es geschieht dies, um „zu versinnbildlichen, daß der Himmel durch die Sünde Adams verschlossen war und daß Jesus Christus uns den Eintritt in den Himmel mit seinem Tod verdient hat“. „Erhebt eure Häupter, ihr Tore! Reckt euch, ihr uralten Pforten, daß einziehen kann der König voll Herrlichkeit! – Wer ist denn der König voll Herrlichkeit? – Der Herr, der Starke, der Held! Der Herr, der Recke im Streit! – – Erhebt eure Häupter, ihr Tore! Reckt euch, ihr uralten Pforten, daß einziehen kann der König voll Herrlichkeit! – Wer ist denn der König voll Herrlichkeit? – Der Herr der Heerscharen, das ist der König voll Herrlichkeit!“ (Ps. 23,7-10). Dasselbe verkündigt auch der Wechselgesang, der an der Kirchenpforte gesungen wird: „Gloria, laus et honor tibi sit, Rex Christe, Redemptor. – Ruhm und Preis und Ehre sei Dir, Christkönig, Erlöser.“

Wer aber „waren jene, die Jesus Christus entgegengingen, als Er im Triumph in Jerusalem einzog“? „Als Jesus Christus im Triumph in Jerusalem einzog, gingen Ihm das einfache Volk und die Kinder entgegen, nicht aber die Großen der Stadt; so fügte es Gott, um uns erkennen zu lassen, daß der Stolz sie unwürdig machte, am Triumph unseres Herrn teilzunehmen, der die Einfalt des Herzens, die Demut und die Unschuld liebt.“ Es war am Ende Seines Lebens nicht anders als zu dessen Beginn, als die Großen der Stadt Jerusalem ebenfalls nicht den Weg hinaus nach Bethlehem fanden.

5. Am Gründonnerstag läuten die Glocken ein letztes Mal, bevor sie ihr Geläut bis zum Karsamstag einstellen. „Vom Gründonnerstag bis zum Karsamstag läuten die Glocken nicht zum Zeichen der großen Trauer über das Leiden und den Tod des Retters.“ In dieser Zeit müssen hölzerne Klappern und Ratschen für sie eintreten. Weitere Besonderheiten des Gründonnerstags sind die Aufbewahrung einer großen konsekrierten Hostie, die Entblößung der Altäre und die Fußwaschung.

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